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Kultur Kunst die „Vom Leben gezeichnet" ist
Nachrichten Kultur Kunst die „Vom Leben gezeichnet" ist
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11:40 03.06.2010
Von Johanna Di Blasi
Stadtmusikanten: Karl Horst Hödickes „Hausbesetzer". Quelle: Herling / Gwose
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Die Spuren und Einschreibungen des Lebens möchte das Sprengel Museum Hannover in seiner kleinen Schau „Vom Leben gezeichnet“ in den Grafikräumen anhand von rund 100 Blättern von Künstlern wie Max Beckmann, Joseph Beuys, Jenny Holzer oder Felix Gonzalez-Torres nachvollziehbar machen. Laut den Saalüberschriften geht es um Liebe, Zorn, Angst. Der Kurator Michael Hering (er ist neu am Sprengel Museum) wollte sich emotional aber nicht genau festlegen. Und so trägt der Raum zum Zornthema den Zusatz „Macht/Ohnmacht“, bei Liebe soll es auch um „Lebenslust/Überdruss“ gehen und bei der Angst um „Todesmut/Lebensangst“.

Die Schau wolle die Ambivalenz von Gefühlen und den Mentalitätswandel sichtbar machen, heißt es anspruchsvoll im Katalog, doch die Zuordnung der Werke erscheint mitunter recht willkürlich. Streckenweise trifft man eher auf künstlerische Freiheit als auf konzeptionelle Notwendigkeit. Was etwa hat ein Bild wie „Korb mit Steckrüben“, von Grethe Jürgens 1948 gemalt, in der Emotionenschau zu suchen? Was hat das langweilige Gemüse mit Gefühlen und Leidenschaften zu tun? Und wieso hängt es im Angstraum, wo es doch genauso gut im Zornraum hängen könnte? – nach dem Motto „Wieso hast du schon wieder Steckrüben gekocht?“.

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Ein kleines Blatt des großen belgischen Symbolisten und „Meisters der Masken“, James Ensor, aber trifft das Ausstellungsthema recht gut. Es zeigt den Künstler als Figur, die vom Leben sogar mehr als gezeichnet ist. „Mein Porträt von 1960“ entstand 1888. Man sieht ein Skelett auf einem Bett. Die blanken Knochen wirken etwas unordentlich, der Schädel mit herabgesunkener Kinnpartie, abstehenden Haaren und stierem Blick aber ist aufrecht, und an den Füßen stecken noch die Schuhe – ein wunderbares Vanitasbild zwischen menschlicher Zerbrechlichkeit und Selbstironie.

Emotionsgeladen sind die hyperaktiven Stadtmusikanten von Karl Horst Hödicke („Hausbesetzer“, 1984) und Pablo Picassos schlicht meisterhafter Rosslenker („Mann, zwei Pferde führend“, 1939) – allein schon sie lohnen den Besuch.

Bis 15. August in den Grafikräumen des Sprengel Museums, Katalog 8 Euro.