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Kultur „Immer knüppeldicke rinn“
Nachrichten Kultur „Immer knüppeldicke rinn“
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00:15 11.09.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Kunstvolkslauf Zinnober: Im Atelier ohne Titel gibt Heidrun Gratzel eine Tanzperformance. Quelle: Uwe Dillenberg
Hannover

Etwa 10 000 Besucher – so das Kulturbüro der Stadt – sollen bei Galerie- und Atelierbesuchen unterwegs gewesen sein. Die Zahl scheint sehr hoch gegriffen zu sein. Die genaue Anzahl der Besucher ist kaum auszumachen, schließlich kreuzen die Gäste per Rad und Bahn durch die Stadt und schauen bei verschiedenen Kunsthäusern vorbei.

Eintrittskarten braucht man nicht, alles ist frei. Weil das so ist und weil es beim Kunstvolkslauf jede Menge Diskussionen mit Künstlern, viel Musik und einigen Performances gibt, sind Besucher in den Galerien selten nur mit dem Galeristen allein im Raum. Deshalb eignet sich der Kunstvolkslauf gut für Gäste, die bisher nur wenig Erfahrung im Umgang mit Künstlern und Galerien gesammelt haben.

Die Ateliers und Galerien in Hannover haben am ersten Septemberwochenende wieder ihre Türen zum 16. Zinnover Kunstvolkslauf geöffnet.

Alles ist recht locker. Allerdings könnte, wer den Titel Kunstvolkslauf Zinnober zum ersten Mal hört, etwas verwirrt sein. Was  hat Zinnober abgesehen von Zinnoberrot mit Kunst zu tun? In Hannover funktioniert die Verbindung über Kurt Schwitters. Der hat 1928 seinen „Zinnoberschlager“ gedichtet, und darin heißt es: „Immer rinn in den Zinnober, immer knüppeldicke rinn.“

So ganz knüppeldicke kam es in diesem Jahr allerdings nicht. Drängeln mussten sich die Besucher kaum. Und da es keine gemeinsame Abschlussveranstaltung gibt, gingen die Ausstellungstage auch ein bisschen klanglos zu Ende.
Im Herbst treffen sich die teilnehmenden Kunsthäuser mit dem städtischen Kulturbüro, das den Kunstvolkslauf organisiert. Dann wird darüber diskutiert, was beim 17. Zinnober anders sein sollte.

Galerie Koch

Traditionell nutzt die Galerie das Kunstvolkslaufwochenende für eine Ausstellungseröffnung. Diesmal ist „Verlassenes Deutschland“ zu sehen. Erdfarben, gründlich, blass sind die Bilder von Daniela Gullotta. Die 1974 in Bologna geborene Künstlerin malt Innenräume, die menschenleer sind. In ihren neuen Bildern hat sie den Kölner Dom als Motiv genommen und ein altes Chemiewerk in Rüdersdorf. Das allerdings hat sie von außen gemalt. Was nicht minder unheimlich wirkt. Beim Kunstvolkslauf im kommenden Jahr wird die Galerie Koch nicht vertreten sein. Der Grund: 2014 liegt das erste Septemberwochenende in den Sommerferien.

Eisfabrik

Wenn Maler mit der Tube arbeiten, muss nicht immer Ölfarbe aus der Öffnung kommen. Es kann auch Zahnpasta sein. Eine großartige Arbeit des japanischen Künstlers Satoshi Ogawa ist in der Eisfabrik zu sehen. Ogawa hat acht große Metallplatten mit Zahnpastaklecksen versehen. Die Kleckse – es müssen etwa 10 000 sein – sind mit größter Akkuratesse hergestellt und ausgerichtet. Es muss viel Zeit und Mühe gekostet haben, dieses Muster zu fertigen. Eindrucksvoll ist nicht nur die Disziplin des Künstlers, sondern auch der durchdringende Pfefferminzgeruch in der Ausstellung. Erstaunlich, wie nah einem diese Fleißarbeitskunst kommt. Die Ausstellung von Satoshi Ogawa ist der letzte Teil der Ausstellungsreihe „Change“, in der japanische Kunst in der Eisfabrik präsentiert wurde. Ogawas fremde und strenge Geduldsarbeit erinnert auch an die Werke von Shige Fujishiro, der Anfang des Jahres eine Einzelausstellung in der Eisfabrik hatte. Fujishiro arbeitet mit Tausenden von Sicherheitsnadeln und Glasperlen. Auch eine sehr beeindruckende Geduldsprobe.

SofaLoft

In den unteren Etagen gibt es Sitzgelegenheiten, oben gibt es Kunst. Die Gruppe 7 stellt im SofaLoft in der Jordanstraße aus. Ganz vollständig ist die Gruppe nicht. Dagmar Brand, eines der aktivsten Mitglieder, hat die Künstlergemeinschaft kurz vor dem Zinnoberwochenende verlassen. So haben die anderen ausreichend Platz. Und den nutzen sie: Rainer Popp unterhält das Publikum mit allerlei Selbstbildnissen, und Rolf Sextro hat verwirrende Wandinstallationen geschaffen. Sein Werk „Fichten“ zeigt stilisierte Nadelbäume gekappt und von unten. Eine witzige Perspektive.

Konnektor

Folienreste und Papierschnipsel klebt Albrecht Fersch im Kunstraum „Konnektor“ im Kötnerholzweg 11 an die Wand. Gezeigt werden „Überbleibsel“. 64 Künstler (mit dabei auch Timm Ulrichs) beteiligen sich an der Schau in dem gerade mal 30 Quadratmeter großen Ausstellungsraum. Die Restarbeiten sind dort bis zum 22. September zu sehen.

Kunsthalle Faust

Viel Angebot in der Kunsthalle Faust: Während im großen Saal Mulitmedia-Kunst aus Israel gezeigt wird (mit einem berührenden Minensucher-Film von Shahar Marcus), findet man nebenan den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder doch. Man muss nur den Kopf durch ein Loch in der Leinwand stecken. Der Besucher betritt den Wald in Wurzelhöhe. Takashi Kuribayashi hat eine raumgreifende Installation geschaffen. In „Wald aus Wald“ spannt sich eine Leinwand quer durch den Raum. Wer den Kopf hindurchsteckt, befindet sich in einem weißen Wald. Zauberhaft.

Feinkunstraum

Geradezu subversiv kann es wirken, wenn Künstler die üblichen Vorurteile gegenüber ihrer Kunst mit Leidenschaft bestätigen. Der Neuen Musik wird gern nachgesagt, dass hier dunkel gekleidete Musiker mit ernsten Mienen Styroporblöcke aneinanderreiben. Und genau das führte Stephan Meier vom Neuen Ensemble im „Feinkunstraum“ von Hannes Malte Mahler vor. Genug Spielmaterial ist vorhanden, schließlich arbeitet Mahler erfolgreich (und sehr intelligent) mit Styropor. Mit großem Ernst und erheblichem pädagogischem Furor mühte Meier sich ab, dem Publikum neue Hörräume zu erschließen. Man lauschte mit Andacht. Am Ende stand der Künstler in einer mit Styroporstücken gefüllten Wanne und summte in eine Melodica hinein. Dazu hatte er sich Folie über den Kopf gezogen. Frischhaltefolie war es nicht. Die Neue Musik, das zeigte sich hier eindrucksvoll, kann genauso in Konventionen erstarren wie die Alte.

Lindener Kunstwerke

Fünf Künstler zeigen in den Räumen der ehemaligen Thyssen-Krupp-Kantine in der Badenstedter Straße 48 ihre Arbeiten. Während Hanno Kübler mit netten Bonmots zur Kunst unterhält („Wer allein arbeitet, wird schrullig. Wer mit anderen arbeitet, wird verrückt“) und Nic Dasselaar mit einer komplizierten, „Motor“ genannten Papp-Arbeit überrascht, begibt sich Boris von Hopffgarten in ein Paralleluniversum: Er stellt Fotos verschwundener Zopfgummis aus. Viele Frauen kennen das: Solche Haargummis verschwinden so geheimnisvoll, als landeten sie in einem Paralleluniversum. Hopffgarten hat hier eine kleine, poetische Fotoarbeit geschaffen, die unseren Alltag befragt und auch ein bisschen verzaubert. Im Keller des neuen Kunsthauses zeigt die Bildhauerin Elisabeth Christ ihre vielleicht handgroßen Kinderfiguren. Sie sind ziemlich lebhaft, denn sie haben bereits das Rohrsystem der Heizung geentert.

Produzentengalerie Rammlmair

Sonst ist die Galerie nur an jedem dritten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Zum Kunstvolkslauf aber dürfen die Gäste auch am Sonnabend in die Räume im Hinterhof an der Hindenburgstraße im Zooviertel. Hintergründig gefährlich muten die Bilder aus Jochen Krüssmanns Serie „Kommunion“ an: Kinder, die wie soldatisch strammstehende Verwundete aussehen. Neben den starken Holzarbeiten von Dieter Rammlmair sind noch Arbeiten von vier weiteren Künstlern zu sehen. Eine ganz bezaubernde Idee ist der Kinderkunstraum. Hier haben nur Kinder unter zwölf Jahren Zutritt. Durch ein Loch in der Wand können sie in den Kunstraum krabbeln. Und sie dürfen Kunst kaufen. Bezahlen (die Werke kosten zwischen fünf und 35 Euro) müssen die Eltern. Also müssen die Kinder ihren Eltern die Werke beschreiben; die wiederum müssen dem Kunstverstand ihrer Kinder vertrauen. Eine hübsche Aktion.

BBK in der Bürgerschule

Der Berufsverband Bildender Künstler nutzte die Räume des Stadtteilzentrums Bürgerschule in der Nordstadt. Auffällig waren neben der raumgreifenden Videokunst von Jean Robert Valentin vor allem die Stickansichten von Dagmar Schmidt. Für ihre Arbeit „Stitch View“ hat sie Häuserzeilen in Langenhagen fotografiert und vor die Fotos kleine Kästen mit gestickten Straßenansichten gesetzt. Sie verdoppelt das Bild und irritiert mit liebevoller Ironie. Ihre Stickbilder wirken wie Heilungsversuche an städtischen Wunden. Eine sehr gelungene Stichelei. Insgesamt 22 BBK-Künstler haben in vier Räumen der Schule (kein ganz unproblematischer Ausstellungsort) ihre Werke präsentiert. Am Sonnabendnachmittag wurde „große Kunst zu kleinen Preisen“ angeboten – darunter auch ein kleines Werk von Rainer Janssen. Sein Titel: „Wir basteln uns einen Horizont“. In der Tüte befanden sich alle dafür nötigen Buchstaben.

Kein „Bruderkuss“ mehr: Die weltbekannten Motive auf der East Side Gallery in Berlin sind - zumindest zeitweise - nicht mehr zu sehen. Mit einer Verhüllungsaktion wollen Künstler protestieren.

08.09.2013
Kultur Dieter Thomas Kuhn
auf der Parkbühne Hannover - Schlager
 mit Schlag

Die Gilde Parkbühne ist ein Farbenmeer: Pinkfarbene Perücken, rote Glitzerjacketts, knallbunte Schlaghosen und natürlich jede Menge Sonnenblumen. Im Haar, am Hemd, in der Hand. Für einen Abend dürfen sich Hannovers Schlagerfreunde ohne Scham in den 70er Jahre-Look werfen und bei Dieter Thomas Kuhn auf den Putz hauen.

08.09.2013
Kultur Showmusikzug aus Bad Münder - "Starriders" gewinnen German Open

Sie bieten aufwendige Choreographien mit Musik und Tanz: Die Gruppe "Starriders" aus Bad Münder hat am Wochenende bei den 16. German Open der "Drum Corps" gewonnen, der Meisterschaft der Showmusikzüge. Insgesamt beteiligten sich sechs Gruppen an dem Wettbewerb in Hameln.

08.09.2013