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Kultur Kunsthalle Faust zeigt kinetische Kunst
Nachrichten Kultur Kunsthalle Faust zeigt kinetische Kunst
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00:18 21.11.2014
Skulptur von Max Elzholz in der Kunsthalle Faust.
Skulptur von Max Elzholz in der Kunsthalle Faust. Quelle: KunsthalleFaust/Kai Wetzel
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Hannover

„Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ Der US-amerikanische Science-Fiction-Autor Philip K. Dick stellte diese Frage im Jahr 1968 im Titel seines Romans über die Welt im Jahr 1992, dessen Verfilmung als „Blade Runner“ Kultstatus erlangte. Künstliche Menschen sind darin kaum noch von den biologischen zu unterscheiden – einzig ihre fehlende Empathie entlarvt sie. Die Kunsthalle Faust zeigt im vierten Jahr ihrer Reihe „Local Heroes“ Exponate von hannoverschen Künstlern, die sich mehr als 20 Jahre nach Dicks „Zukunft“ mit den Fähigkeiten von Maschinen auseinandersetzen, mit deren Möglichkeiten, in der Bewegung Mensch oder Natur zu simulieren, zu ersetzen oder abzubilden.
„getrieben“ nennt Kurator Harro Schmidt die Gruppenausstellung, in der einige „Helden“ der lokalen Kunstszene mit Arbeiten überraschen, die fast alle noch nie in Hannover zu erleben waren. Angetrieben wird die Kunst hier durch Motoren oder Kompressoren. Getrieben mögen sich die Künstler in ihrer Doppelrolle als Tüftler fühlen. Die Menschheit scheint es im ästhetischen Maschinenpark allemal zu sein. In ihrem Streben nach vollkommener Funktion ihrer Technik auf der einen Seite – und der Sehnsucht, sich darin neu zu erschaffen, auf der anderen. Die Faszination der Kreativen für Geheimnisse und Grenzen der Maschinen ist so alt wie die Maschinen selbst. Von den Automaten auf viktorianischen Jahrmärkten über die Androidin Maria in Fritz Langs „Metropolis“ bis hin zu den nach Gleichwertigkeit strebenden Robotern bei Isaac Asimov: Wenn sich Technik in der Kunst dem Lebendigen annähert, ist sie meist Verheißung und Bedrohung zugleich.

Interesse am Unerwarteten und schwer Begreiflichen demonstriert Timm Ulrichs in der Kunsthalle Faust mit gleich zwei Exponaten. Bereits in den 1980er Jahren entstand die Installation „Seegang mit Wind und Wellen“, die die vertikale Bewegung zweier Ventilatoren in die horizontale einer Wippe übersetzt. Was aussieht wie Spielzeug, bringt den Betrachter an die Grenzen seiner Vorstellungskraft. Die Videoinstallation „Waschprogramm H264“ ist vor allem Produkt künstlerischer Neugierde: Eine Kamera wird den Mechanismen einer Autowaschstraße ausgesetzt – und erschafft dabei Bilder von großer abstrakter Schönheit. Franz Otto Kopp, der Bekanntheit durch seinen Nachbau von Leibniz’ „Vier-Spezies-Rechenmaschine“ erlangte, lässt seine „Schreitmaschinen“ als filigrane Drahtmonster auf der Grenze von Bildender und Ingenieurs- Kunst durch den Raum wackeln. Ihre transparente Funktionalität ist dabei so komplex, dass jeder Gehversuch Projektionen heraufbeschwört – vom niedlichen Neugeborenen bis zum Filmmonster.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist donnerstags von 16 bis 20 Uhr, freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr noch bis zum 14. Dezember zu sehen.

Auch die „pneumatisch betriebenen Skulpturen“ von Max Elzholz dekonstruieren Bewegungen, Impulse und Verhaltensweisen als unberechenbare Kunstwesen, deren Simulation des Menschen eher erschaudern lässt. Kai Wetzel hingegen versucht, eine größtmögliche Distanz zum Weltlichen herzustellen. Sein Modell eines sakralen Raumes beruht auf dem Ausgleich der Erddrehung durch eine Technik, die in Fernrohren eingesetzt wird – eine relativierende Kinetik von kaum wahrnehmbarer Langsamkeit. In Anna Grunemanns Installation „I Just Wanna Be A Panda“ wiederum wird konstante Bewegung zur unausweichlichen alltäglichen Last. Ihre Maschine entpuppt sich als Tretmühle der Selbstfindung zwischen Ansprüchen, Aneignungen und Fetischen. Christiane Oppermann steuert schließlich die pessimistischste Perspektive bei: Ihre Arbeit bemüht sich erst gar nicht um raffinierte Illusion. Die Maschine macht vor allem Wind. Und Versprechen: In wenigen Augenblicken sei mit einem „deus ex machina“ zu rechnen. Die Künstlerin lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass dies niemals geschehen wird. Der technisch komplizierteste Teil des Geschehens ist das Ankündigungsdisplay. Wovon also träumen die Kunstmaschinen in „getrieben“? Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um verstörendere Dinge handelt als um Schafe.

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