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Kultur Ein Experte wirft einen frischen Blick auf Laves
Nachrichten Kultur Ein Experte wirft einen frischen Blick auf Laves
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02:15 01.02.2018
In imperialem Stil: Kabinett im Wangenheimpalais um 1840, entworfen von Laves.  Quelle: Foto: Privatbesitz
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Hannover

 In elegantem Schwung sind die königsblauen Vorhänge von Ecke zu Ecke des Raumes gerafft, die Carrees an der gewölbten Decke finden Pendants in den Rauten des Bodenparketts. Und dazwischen nehmen die güldenen Dekors auf Lüster, Löwenfußstühlen und Aufsatzsekretär die Ornamentik von Wandbespannung und Deckenbemalung auf. 

Der Kunsthistoriker Thomas Dann lenkt den Fokus auf die Innenarchitektur von Georg Ludwig Friedrich Laves – und hat schon einige Beispiele für die Entwürfe von Hannovers Hofbaumeister. 

So pathetisch, so imperial, so durchkomponiert hat Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) das Raumdekor für die Inneneinrichtung des Wangenheimpalais im Empire-Stil vorgesehen. Ein Stil, der im frühen 19. Jahrhundert nicht nur dem Geist der Zeit, sondern auch der persönlichen Erfahrung von Laves entspricht. Schließlich hat er in jenen Jahren an der Kunstakademie Kassel studiert, als von dort aus Jerome Bonaparte, der Bruder Napoleons, das Besatzungsregime des „Königreichs Westphalen“ führte und damit eine Ausbreitung der französischen Empire-Mode bewirkte. „Sein französisch grundierter Klassizismus entsprach dem Zeitgeist des Aufbruchs, der sich nach dem Sieg über Napoleon Bahn brach“, sagt der Kunsthistoriker und Laves-Kenner Thomas Dann. 

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Auf diese Weise hat Laves seinen klassizistischen Entwürfen eine besondere Note verliehen. In Hannover kennt man ihn vor allem als Hofbaumeister. Er hat nicht nur Umbauten am Leineschloss und am Schloss Herrenhausen verantwortet, von ihm stammen unter anderem die Entwürfe für die Waterloosäule und das Friederikenschlösschen, das einst daneben stand, für das Welfenmausoleum im Berggarten sowie für diverse Brücken und Straßenachsen Hannovers. Und eben für das Wangenheimpalais am Friedrichswall sowie für sein nach ihm benanntes Wohnhaus daneben, in dem heute Niedersachsens Architektenkammer residiert.

Hunderte Raumdekors und Möbelentwürfe

Weniger bekannt ist, dass Laves auch zahlreiche Interieurs entworfen hat. „Allein im Stadtarchiv Hannover gibt es 250 Blätter mit seinen Entwürfen zu Räumen und Mobiliar“, sagt Dann, der mehr als ein Dutzend Bücher und Aufsätze über Laves publiziert hat und sich besonders Laves als einem Innenarchitekten widmet. „Er ist eben ein Baumeister, der Architektur auch als Rahmen für die anderen Künste verstanden hat.“ Also genau das, was man heute einen Gesamtkünstler nennt.

In Privatbesitz existieren noch weitere Entwürfe, und Dann vermutet, dass sich in hannoverschen Häusern auch noch Mobiliar nach Laves-Entwürfen finden könnte, etwa Bücherschränke, Nähtische oder auch Sitzbänke, wie sie schon bekannt und dokumentiert sind. „Immerhin waren Laves-Dekors in der Region auch über das Alte Palais, das Leineschloss und das Wangenheimpalais hinaus verbreitet“, sagt der Forscher. „Auch im Jagdschloss Springe ist bekanntlich der Speisesaal nach Vorgaben von Laves gestaltet worden.“ 

Ein Forscher auf der Suche

Thomas Dann hat so viele Laves-Entwürfe gesehen, dass ihm dessen Handschrift längst vertraut ist. „Ich kenne seinen Zeichenstil, den meist strengen Duktus seiner Entwürfe.“ Für eineneue Publikation über die Innendekors des hannoverschen Hofbaumeisters hofft er noch weitere Möbel und Entwürfe aufzuspüren. „Das könnte das Wissen über diesen Mann, von dem vor allem seine Bauwerke, kaum aber seine Innenarchitektur wahrgenommen wird, komplettieren und auf diese Weise zu einem Bild von Georg Ludwig Friedrich Laves beitragen, das diesem besser gerecht wird.“

Info: Wer Hinweise auf Innenentwürfe, Dekors oder Möbel von Laves hat, kann sich unter (05231) 305672 oder 
T.Dann@gmx.de an den Laves-Forscher wenden. 

Von Daniel Alexander Schacht