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22:22 25.02.2016
Quelle: Ahlers collection © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
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Hannover

Anfangs schlug das Herz des 2013 verstorbenen Unternehmers und Kunstsammlers Jan A. Ahlers für die Expressionisten. In ihren Werken lernte er, Welt und Wirklichkeit in neuer Weise zu sehen. Die Auseinandersetzung mit ihnen bereitete ihn für die Begegnung mit dem Nouveau Réalisme vor, einer Kunst, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich entstanden war. Für ihre Werke brannte er bis zuletzt.

Sie zu besitzen, betrachtete er als Privileg, und sich mit ihnen zu beschäftigen, als Abenteuer. Und auch wenn er nicht zu den ersten Sammlern dieser Kunst gehörte, so gehörte er doch zu ihren treuesten. Er brauchte einen langen Lernprozess, um die Qualität dieser Kunst zu erkennen. Er selbst erzählte ganz offen und ehrlich davon. Das kostete ihn am Ende ziemlich viel Geld, weil die Kunst des Nouveau Réalisme bereits recht teuer geworden war, als er anfing, sie zu erwerben. Aber wo immer später Werke der Nouveaux Réalistes auf Auktionen oder im Kunsthandel angeboten wurden, gehörte Jan A. Ahlers zu ihren leidenschaftlichsten Interessenten.

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Yves Klein war Motor und Hauptakteur dieser Künstler. Er galt als Hohepriester eines monochromen Blaus und der Leere, sein Freund Arman dagegen als vom Material besessener Propagandist der Fülle. Zu ihnen gesellten sich Raymond Hains, Jacques Dufrêne und Jacques Villeglé, die nachts in den Straßen von Paris Plakate abrissen und daraus Kunst machten. Dann gab es unter ihnen den großen Ironiker Martial Raysse sowie Daniel Spoerri, Erfinder der „Fallenbilder“, die von Festen und Gelagen mit Freunden zeugen. Und schließlich waren da noch Jean Tinguely, der Erfinder zweckfreier Maschinen, und seine Freundin, die stolze Aristokratin Niki de Saint Phalle.

Sie alle, die sich 1960 unter der Regie des Kunstkritikers und Theoretikers Pierre Restany zur Künstlergruppe zusammengeschlossen hatten, sind heute weltberühmt. Ihre Werke gehören inzwischen zum klassischen Fundus der Moderne. Nicht anders als die der Düsseldorfer Heinz Mack und Otto Piene, die bereits 1958 die Gruppe ZERO gründeten, zu der 1961 auch noch Günther Uecker stieß. Die Künstler der beiden Gruppen von links und rechts des Rheins kannten und schätzten sich, und sie verfolgten gemeinsame Ziele. Beide wandten sich gegen die abstrakte, informelle Kunst der 1950er-Jahre und suchten einen künstlerischen Neuanfang.

Wie gut ihnen das gelang, kann man jetzt in einer schön gehängten, intelligent konzipierten, sehenswerten Schau in der Stiftung Ahlers studieren. Die Idee zu dieser Ausstellung, einer Koproduktion der Stiftung Ahlers und der ZERO Foundation, hatte noch Jan A. Ahlers entwickelt. Verwirklicht haben sie als Kuratoren Dirk Pöschmann und Mattijs Visser von der ZERO Foundation. Sie haben die Stiftung so genutzt, dass sie in deren ersten Raum ausschließlich die ZERO-Künstler zeigen. Dort sehen wir monochrome Rasterbilder von Otto Piene. Außerdem rot und schwarz glühende Feuerbilder von ihm, in denen symbolisch die alte Kunst verbrennt und aus der Asche Neues entsteht. Programmatisch für ZERO sind Technik, Licht und Bewegung. In den Strukturen eines sich langsam drehenden Aluminiumreliefs, „Zero-Silber-Rotor“ (1960), von Heinz Mack blitzen immer neue Licht-Epiphanien auf, die den Betrachter auch heute noch beeindrucken. Gegenüber sind Werke von Günther Uecker, für den zu der Zeit der Nagel das Alpha und Omega seiner Kunst war. Ihn trieb er direkt ins Herz der bürgerlichen Konsumkultur.

In einem Kabinett breiten die Kuratoren in Form von Filmen, Fotos und Texten Zeugnisse zu ZERO aus. Darunter befinden sich Dokumente einer Ausstellung, die der damalige Direktor der Kestnergesellschaft, Wieland Schmied, der Künstlergruppe 1995 in just den Räumen ausgerichtet hatte, die heute der Stiftung gehören. Sehen wir im ZERO-Raum fast nur Leihgaben, so in dem den Nouveaux Réalistes gewidmeten Nachbarraum ausschließlich Werke der ahlers collection - bis auf eine berührende Radio-Skulptur (1962) von Jean Tinguely. Bereits der Auftritt der Werke von Yves Klein im Vorraum ist imponierend. Die Bildtafeln machen deutlich, dass „Yves le monochrome“ keineswegs nur in Blau malte.

Vielleicht noch überwältigender in ihrer Wirkung ist die lange Wand mit den Werken der französischen Affichisten, die mit ihren Plakatabrissen nicht allein politische Erweckungserlebnisse verfolgten, sondern diese wie Pinsel und Farben nutzten. Auch hier ist der Eindruck grandios.

Wenn die Ahlers-Stiftung weiterhin solch qualitätvolle Ausstellungen zeigt, kann man nur hoffen, dass sie - entgegen anderslautender Gerüchte - noch lange in Hannover bleiben wird.

Bis zum 26. Juni in der Stiftung Ahlers Pro Arte / Kestner Pro Arte, Warmbüchenstraße 16; Katalog: 15,00 Euro.

Von Michael Stoeber

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