Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Kunstwerke zum Thema Erinnern
Nachrichten Kultur Kunstwerke zum Thema Erinnern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 27.06.2012
Foto: Fünf hannoversche Künstler kramen noch bis zum 15. Juli im Gedächtnis ihrer Besucher.
Fünf hannoversche Künstler kramen noch bis zum 15. Juli im Gedächtnis ihrer Besucher. Quelle: Steiner (Symbolbild)
Anzeige
Hannover

Es geht ums Memorieren. Fünf hannoversche Künstler kramen noch bis zum 15. Juli im Gedächtnis ihrer Besucher. Ihre Werke drehen sich um das individuelle und kollektive Erinnern, Sammeln und Archivieren.

Das Highlight ist ein ganz süßes. Tom Ottos Installation „Humboldt kam vorbei“ steht auf einem weißen Fundament aus 500 Kilogramm Zucker. 14 Meter erstreckt sich die weiße Schicht durch die Halle. Darauf steht eine Miniaturholzhütte, an deren Seiten zwei Kegel postiert sind. Sie wirken an ihren Enden wie Teleskope, durch die man sehen kann. So entsteht der Eindruck, man schaut aus weiter Entfernung auf das Häuschen. Diesen Effekt beschreibt Otto folgendermaßen: „Der Betrachter kann den Ort des Geschehens nicht identifizieren. Etwas entzieht sich ihm. Im Mikadospiel der Gedanken der Wunsch, Humboldt käme vorbei.“

Im Hintergrund hängen passend dazu die Werke „17 Tage vor Slowenien (keine Antwort)“ und „Alltag sammeln“ von Katharina Sickert. Erstgenanntes setzt sich aus 15 Fineliner-Zeichnungen und der dazugehörigen Geschichte auf einer Rolle Transparentpapier zusammen. Es geht um die letzten 17 Tage vor einer Reise nach Slowenien, an denen die Künstlerin auf die Antwort eines Mannes wartet, dem sie einen Brief geschrieben hat.

Auf der anderen Seite des Raumes steht die trotz des schlichten Titels „Bücher“ nicht minder beachtenswerte Installation von Vera Burmester. Dort liegen fünf Bücher in unterschiedlichen Größen auf einem Tisch mit Stuhl und Leselampe. Eines ist eine Art Tagebuch mit Zeichnungen, eingeklebten Drucken und kurzen Texten, das den Titel „Today“ trägt, ein anderes ein Fotoalbum, das anstatt mit Bildern ausschließlich mit Bildunterschriften versehen ist. Fotos, deren Entstehungsort und -zeit ungeklärt bleiben, sind hingegen im Buch „Ankunft Abfahrt“ enthalten, wobei der Titel für Burmester eine Allegorie auf das Leben bildet. Das „Verzeichnis der Dinge“ verbindet Zeichnungen und Texte zu Geschichten, und in der „Kinderschrift“ stößt man auf allerlei Lebensweisheiten. Für den Betrachter stellt sich stets die Frage, ob sich die Künstlerin damit selbst inszeniert, es sich bei ihr also um die Protagonistin handelt. Hier blickt man im Hintergrund auf Ölgemälde von Jens Hoff, die jeweils von einem blauen, verschlossenen Schrank ausgehen. Schließlich bildet der Schrank das prototypische Symbol für das Erinnern,Archivieren und Sammeln. Auch Stefan Langs Ölgemälde, denen ein Konzept der „Unschärfe“ zugrunde liegt, machen sich gut in dieser Gesellschaft.

Die kleine interessante Ausstellung regt zu vielerlei Überlegungen an und setzt sich im Gedächtnis fest. Na, bitte!

Bis 15. Juli, Kunsthalle Faust.

Pinto

24.06.2012
23.06.2012
Kultur Hunderte Nackte vor der Oper - München strippt für die Kunst
23.06.2012