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Kultur Voll Dispo, Opfer!
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00:15 22.11.2013
Foto: Kurt Krömer, über der Gürtellinie.
Kurt Krömer, über der Gürtellinie. Quelle: Hagemann
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Hannover

Er ist noch gar nicht auf der Bühne – und der Applaus ist trotzdem schon riesig. Im fast ausverkauften Theater am Aegi warten gut 1000 Fans auf den Neuköllner Komiker Kurt Krömer. Der in reinem Berlinerisch witzelnde Krömer zeigt dem Publikum gleich, was er von ihm hält: „Wat soll ick mich für euch schönmachen, weißte?“ fragt er halb unschuldig, halb provozierend mit unmodisch bunt gestreiftem Pullover und karierter Hose.

Ein Programm habe er nicht wirklich, verrät er den Zuschauern, aber da die Tournee einen Namen haben musste, habe er sie halt „Abschied!“ genannt. Und so blödelt er sich fast durchgängig brüllend durch die Show, beleidigt das Publikum und auch die Tontechniker, als sein Mikrofon – inszeniert oder tatsächlich? – ausfällt. „Idioten, Kacker, gleich kommt jemand und erschlägt dich mit dem Spaten“, gejohlt wird trotzdem – oder gerade deswegen.

Ob er nach 20 Jahren auf der Bühne tatsächlich Tschüss sagt, bleibt ungewiss. Der Komiker Kurt Krömer gab sein neues Programm "Abschied! Tournee" am Montagabend im Theater am Aegi.

Dass es für ihn keine Schamgrenze gibt, kommt an. In einer Show ohne erkennbare Dramaturgie regt er sich über die Deutsche Bahn und das Fernsehprogramm auf, die Post bekommt ihr Fett weg und auch 140.000 Menschen, die einen Wursthersteller bei Facebook liken. Auch die Politik muss herhalten, die FDP, die weniger Sitze als ein Smart habe, und die NPD. Kurz, aber kritisch.

Der 39-Jährige schwankt zwischen Minderwertigkeitskomplexen und Größenwahn: Mit nacktem Oberkörper setzt er sich auf einen Stuhl, lässt die Kamera seinen Bauch heranzoomen und auf eine Leinwand projizieren. „Sexy“ tönt es aus dem Publikum, „leicht adipös“ bescheinigt sich der Comedian selbst.

Besonders neu sind seine Gags und Ideen allerdings nicht. Über die Jugendsprache lässt er sich aus („Du bist voll Dispo, Opfer“), mit einem Mann aus dem Publikum mimt er den Homosexuellen und ein Scherzanruf bei der Auskunft, bei der er die freundliche Telefonistin mit vielen „jo, ciao, nä, wah, also, tschüssikowski“ nicht aus dem Gespräch lassen will, sorgen für unzählige Lacher.

Die Provokationen sind fast immer jenseits der Gürtellinie, das Publikum feiert sie frenetisch und freut sich auf viele weitere „Abschied“-Tourneen.

Von Agnes Beckmann

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