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Kultur „L’Opera seria“ in Herrenhausen
Nachrichten Kultur „L’Opera seria“ in Herrenhausen
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06:15 01.09.2012
Von Stefan Arndt
Regisseur Michiel Dijkema in der Galerie der Herrenhäuser Gärten. Quelle: Steiner
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Hannover

Mit der Kasse durchbrennen: Das traut Michiel Dijkema dem Hausherrn Michael Klügl dann doch nicht zu. Der niederländische Regisseur und Bühnenbildner inszeniert zur Spielzeiteröffnung der Staatsoper „L’Opera seria“ in Hannover. Wegen der Bauarbeiten am Lavesbau weicht man für die Premiere am 9. September nach Herrenhausen aus. Und der Titel des wenig bekannten Stückes verrät: Es ist Theater über das Theater, genau genommen „eine komische Oper über eine ernste Oper“, wie der Regisseur sagt.

Komponiert hat sie Florian Leopold Gassmann schon 1769. „Aber eigentlich ist alles wie heute“, so Dijkema. Es gibt Primadonnen, eitle Tenöre und Zeitdruck bei den Proben - nur Klügl ist nicht dabei. Statt eines Intendanten wird das Geschehen bei Gassmann von einem halbseidenen Impresario befeuert, der sich am Ende mit den gesamten Einnahmen des Ensembles davonmacht.

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Natürlich habe er Bedenken bei so einem Stoff gehabt, sagt Dijkema: „Witze über das Theater sind normalerweise nur für die witzig, die am Theater arbeiten.“ Dann aber habe er erkannt, dass dieser an sich einleuchtende Satz auf „L’Opera seria“ nicht zutrifft. „Gassmann hat viel Liebe für seine Personen“, sagt er - trotzdem bringe er sie immer wieder in Situationen, die auf unerwartete Weise entgleisen.

Mit abenteuerlichen Stückwendungen hat der 38-jährige Regisseur Erfahrung: In Leipzig hat er im vergangenen Jahr Puccinis „Tosca“ inszeniert, davor brachte er „Die Fledermaus“ auf die Opernbühne in Tallinn, und im Schlosstheater von Drottingholm zeigte er Monteverdis „Orfeo“. Auch mit Hannover ist Dijkema bei früheren Arbeiten schon einmal in Kontakt gekommen: In Amsterdam hat er den „Vampyr“ des ehemaligen königlich-hannoverschen Hofkapellmeisters Heinrich Marschner inszeniert.

Lob erntete er dabei nicht nur für sein Regiekonzept, sondern auch für die Gestaltung des Bühnenraums. Doch welche dieser beiden Rollen ist für ihn selbst eigentlich wichtiger? „In erster Linie bin ich der Regisseur, der sich darüber klar werden muss, wie eine Geschichte erzählt werden soll. Er soll Lösungen für alle Situationen in einem Stück finden“, sagt er. Als Bühnenbildner bekomme er dann von sich selbst „eine Einkaufsliste“ mit den Anforderungen an das Szenenbild.

Auf der Einkaufsliste für die hannoversche Produktion steht ganz oben: „Raum nicht weginszenieren.“ Das Galeriegebäude in Herrenhausen habe so viel Qualität, dass es eigentlich schon selbst das Bühnenbild sei. „Es wäre schade, diesen Raum zu verstecken“, sagt er. Außerdem muss der Bühnenbildner Dijkema noch eine andere Anforderung des Regisseurs Dijkema erfüllen: Er muss Publikumsbeteiligung ermöglichen. In „L’Opera seria“ wird eine Oper aufgeführt, die von lebhaften Zuschauerreaktionen begleitet und deshalb schließlich sogar abgebrochen wird. Soll nun auch das hannoversche Publikum zu Buhrufen animiert werden? Einzelheiten will Dijkema noch nicht verraten.

Klare Position bezieht er dagegen zur Qualität des Stückes. Der Regisseur schätzt nicht nur die lebendige, oft witzige Szene, sondern auch die Musik Gassmanns. „Das ist ein sehr wandlungsfähiger Komponist, der sich auch dramaturgisch sehr geschickt durch den Stoff bewegt“, sagt er. Zwischen Spätbarock und Frühklassik liege Gassmanns Oper auf einer „spannenden Umbruchstelle der Musikgeschichte“.

Die Oper in der Oper wird an einem einzigen Tag komponiert, geprobt und aufgeführt. So sehr beeilen muss Dijkema sich nicht: „Die Probenzeit ist bei uns 700 Prozent länger“, sagt er. Allerdings wird diese Zeit kurz vor der Premiere lange zurückliegen: Die Hauptarbeit haben Regisseur und Ensemble bereits vor den Theaterferien erledigt. Die Sorge, dass seine Arbeit nach der langen Unterbrechung noch einmal von vorne beginnen müsste, hat er aber nicht. „Ich kenne Opernhäuser, wo das durchaus zu befürchten wäre.“ Für Hannover sei er aber „sehr, sehr zuversichtlich“. Als Zuschauer braucht man sich also nicht zu sorgen, wenn die Vorstellung einmal abgebrochen wird: Es steht so in der Partitur.

„L’Opera seria“ hat am 9. September im Galeriegebäude Herrenhausen Premiere. Bereits am 8. September ist Bernd Mottls Inszenierung von „Kiss me, Kate“ im Theater am Aegi zu sehen. Kartentelefon: (0511) 99991111.

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