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Kultur Lana del Rey gibt Tourneeauftakt
Nachrichten Kultur Lana del Rey gibt Tourneeauftakt
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13:16 07.04.2013
Del Reys Songs erzählen von enttäuschter Liebe und begeistern das Publikum. Quelle: dpa
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Hamburg

Kurz nach 21 Uhr fällt der Vorhang. Del Rey beginnt ihre Deutschland-Tour in einer Kulisse, die an ein verfallenes Hotel erinnert, umrahmt von massiven Löwen-Statuen. Am Verstärker hängt die amerikanische Flagge, Palmen assoziieren, dass alles irgendwie auf der Sonnenseite des Lebens geschieht, Kerzen und schwarze Krähen-Figuren widersprechen.

Die 26-Jährige verkörpert in dieser schweren, fast überladenen Kulisse mal die verletzte Diva, die in der verrauchten Bar die Männer in den Glanzzeiten des Hotels betörte und deren Ende nicht akzeptiert. Dann wird sie zu der jungen Amerikanerin, die nicht glauben kann, dass ihre Songs, die nach besagtem Setting klingen, nun in einer fast ausverkauften Großraum-Mehrzweckhalle vorgetragen werden. Dass sie so aus der auferlegten Rolle fällt, verhindert, dass die Show ermüdet.

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Hauptsächlich aber schreibt und singt del Rey melancholische Songs. Darüber etwa, mit Marylin Monroe, Elvis und Jesus im Mondlicht zu tanzen („Body Electric“), von Geigen untermalt, die eine Endzeitstimmung erzeugen und von dem gescheiterten amerikanischen Traum erzählen. Sie sind finstere Kommentare zum unerreichbaren Ideal einer absoluten Freiheit, das zu einer wachsenden Depression führt, die oft nur in Alkohol ertränkt erträglich wird.

Der propagierte Exzess, in dessen Kontext sich in Hamburg ein Nirvana-Cover („Heart-Shaped Box“) ebenso fügt wie ihre Variante von „Knockin’ On Heaven’s Door“. Auf der Videoprojektion im Hintergrund laufen Verweise aus dem Psalm 51: „Ich habe getan, was du verabscheust. Darum bist du im Recht, wenn du mich schuldig sprichst“.

Lanas Texte sind getragen von einer Außenseiter-, oft Aussteiger-Mentalität, die auf der banalen Weisheit „Man lebt nur einmal“ und der Hinterfragung der größten amerikanischen Werte basieren: Ruhm, Geld - und Jesus. Die Geschichten enttäuschter Liebe, wie sie ihre Radio-Hits „Summertime Sadness“ und Übersong „Video Games“ erzählen, sind da Puzzlestücke eines Gesamtkunstwerks, begeistern das Publikum aber am meisten.

Erfreulich ist, dass die getragenen, selten auch am pompösen Kitsch kratzenden Songs allesamt in diesem großen Rahmen funktionieren. Wenn der besungene Lebensstil die Künstlerin nicht zur Nachahmung inspiriert, könnte ihr Großes bevorstehen. In „Gods And Monsters“ singt sie: „Das Leben imitiert die Kunst“. Bitte nicht.

von Sebastian Scherer