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Kultur Landesmuseum Hannover zeigt Tiere in der Kunst
Nachrichten Kultur Landesmuseum Hannover zeigt Tiere in der Kunst
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19:50 17.01.2012
Von Stefan Arndt
Faszination Federtier: Die „Kirchhoff-Sammlung“ (oben) präparierter Vögel gehört zu den wenigen vollständig erhaltenen Tiersammlungen aus dem 19. Jahrhundert. Max Slevogt malte seinen „Papageienmann“ 1901. Quelle: Landesmuseum Hannover
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Was ist ein Museum?“, fragte Katja Lembke, die neue Direktorin des hannoverschen Landesmuseums, bei der Präsentation ihres Jahresprogramms und wurde grundsätzlich: Die Öffentlichkeit nehme oft nur einen kleinen Teil der Museumsarbeit wahr. Was also sollte man ihr von den Plänen eines Hauses eigentlich vorstellen? Die Direktorin antwortet gleich selbst: Natürlich gehe es um das Neue und Spektakuläre, also um die Sonderausstellungen, die im vergangenen Jahr großen Anteil daran hatten, dass das Landesmuseum einen Besucherzuwachs von zehn Prozent verbuchen konnte. Mindestens genauso wichtig sei es aber, auf Dinge hinzuweisen, die zum Kern jeder Museumsarbeit gehörten: die Forschungsprojekte und die Pflege der Dauerausstellung.

Mit dem „Blick von außen“ sei Lemke nach ihrem Amtsantritt im Mai vergangenen Jahres durch die Räume gegangen und habe dabei durchaus Handlungsbedarf ausgemacht. Die Direktorin möchte nun die drei Sparten des Hauses – also die Natur- und Völkerkunde sowie die Kunstwerke der Landesgalerie – erheblich stärker als bisher zusammenführen. Dabei schwebt ihr ein „Weltenmuseum“ vor, in dem die Bestände des Hauses in je einer Etage als „Naturwelten“ (erster Stock), „Menschenwelten“ (zweiter Stock) und „Kunstwelten“ (dritter Stock) neu arrangiert werden. Mit diesen vorerst noch etwas vagen Vorgaben hat das Haus bereits einen Wettbewerb zur Neugestaltung der Dauerpräsentation angeregt. Wie es damit weitergeht, entscheidet nun das Kulturministerium.

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Wie es im Landesmuseum künftig zugehen könnte, lässt sich aber bereits vom 23. März bis zum 12. August erkennen: Dann gibt es zum ersten Mal in der Geschichte des Landesmuseums eine große interdisziplinäre Schau, die Kunst mit Naturkunde verbindet. „Im Reich der Tiere“ ist die Ausstellung betitelt, die auf 800 Quadratmetern rund 250 Exponate versammelt. Gemälde, Grafiken und Skulpturen zum Thema werden dabei bisher kaum gezeigten Tierpräparaten gegenübergestellt. Höhepunkt ist eine Reihe von Zoobildern Max Slevogts, die laut Kurator Thomas Andratschke zu den herausragenden Werken der Landesgalerie gehören. Zusätzlich werden auch hochkarätige Leihgaben befreundeter Häuser wie etwa des Schweriner Landesmuseums gezeigt.

Fast alle künstlerisch gestalteten Tiere werden dann auch in ihrer natürlichen Gestalt zu sehen sein. Für die Besucher bedeutet das: Es gibt jede Menge bisher Ungezeigtes zu entdecken – rund 80 Prozent der präsentierten ausgestopften Tiere haben das Depot noch nie verlassen. Weil früher vor allem exotische Tiere präpariert wurden und jene Haus- und Nutztiere fehlen, die zum Alltag vergangener Jahrhunderte zählten und oft auf Bildern festgehalten wurden, wird die Schau sogar um lebendige Exponate ergänzt: Im Innenhof des Hauses wird ein Züchter alte Haustierrassen zeigen.

Lebende Tiere sollen nach dem Willen der Direktorin auch künftig eine wichtige Rolle im Landesmuseum spielen. Schließlich hätten Besucherbefragungen ergeben, dass viele Familien das Haus vor allem wegen des Vivariums besuchten. Darum könnten bald neue Arten im Museum eine Heimat finden: Lembke plant, in Zukunft auch Vögel und Insekten zu halten.

Allerdings sollte die Präsentation der Tiere besser mit der Naturkundesammlung verknüpft werden. „Wir wollen die Tiere nicht nur zeigen, sondern darüber hinaus auch Wissen über sie vermitteln“, sagte die Direktorin. Schließlich habe ein Museum – anders als etwa ein zoologischer Garten – einen klaren Bildungsauftrag. Und umgekehrt könnten dabei auch die Kunstschätze des Hauses ein „neues Licht auf lebende Tiere“ werfen. „Nicht jedem ist bekannt, dass wir die größte Sammlung von Impressionisten in Deutschland haben“, sagte Lembke und hofft, manche Besucher durch den Umweg über Tiere in ersten Kontakt mit der Kunstgeschichte zu bringen.

Eine gute Gelegenheit zu einer solchen  Kontaktaufnahme ist auch das Familienfest des Landesmuseums, das am 5. Februar ganz im Zeichen der aktuellen Marco-Polo-Sonderausstellung stehen wird. Kinder können dann venezianische Masken basteln oder typisch norditalienische Kekse backen. Für Gruppenfotos von der virtuellen Reise in die Lagunenstadt steht eine Gondel bereit, und die Staatsoper sorgt für angemessene Kostüme zum Karneval in Venedig. Kinder, die an diesem Tag bereits verkleidet im Museum erscheinen, erhalten freien Eintritt.

Masken spielen auch später im Jahr eine wichtige Rolle im Landesmuseum: „Tabu?! Verborgene Kräfte – Geheimes Wissen“ ist die Völkerkundeschau übertitelt, die vom 28. September 2012 bis zum 7. April 2013 im Landesmuseum zu sehen sein wird. Die gezeigten Objekte, die laut Kuratorin Jutta Steffen-Schrade Einblicke „in unterschiedliche Formen der Auseinandersetzung mit sozialen und individuellen Krisensituationen“ geben sollen, stammen dabei aus den Sammlungen fünf niedersächsischer Häuser. Neben den Museen in Oldenburg, Braunschweig, Hildesheim und natürlich Hannover werden auch Teile der Göttinger James-Cook-Sammlung gezeigt. Der britische Entdecker war es schließlich, der den Begriff „Tabu“ von seinen Südseereisen mit nach Europa brachte.

Weitere Informationen im Internet (www.landesmuseum-hannover.niedersachsen.de) und unter Telefon (05 11) 9 80 76 86.