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Kultur Lang Lang: „Ich will, dass du übst“
Nachrichten Kultur Lang Lang: „Ich will, dass du übst“
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22:27 10.01.2009
Lang Lang in Hannover Quelle: Martin Steiner

Kann man – wie jetzt der chinesische Pianist Lang Lang – mit 26 Jahren ein Buch über sein Leben schreiben? Wenn man sich anschaut, wer mittlerweile so alles Autobiografien verfasst, bekommt man den Eindruck: Das ist fast schon ein Muss, wenn man im Gespräch bleiben will. Im Popbereich haben unlängst unter anderem der 29-jährige Rapper Bu-shido („Ich habe es vom vorbestraften Drogendealer und Schulabbrecher zum Millionär geschafft“) und der 36-jährige Eminem („Ich hatte nie ein richtiges Zuhause. Sich alle paar Monate neue Freunde zu suchen war für mich besonders schwer, weil ich der stille Typ war“) Lesern werbewirksam Einblicke in ihre schwere Kindheit verschafft.

Da wundert es nicht, dass auch Lang Lang, der Popstar unter den Pianisten, jetzt ein erstes Fazit seines Lebens zieht. Zumal er einer der weltweit am besten vermarkteten Klassikkünstler ist. Er tritt bei Fernsehshows in Europa und den USA auf, war als erster Klassikstar im Internetforum „Second life“ zu hören, hat Werbeverträge mit Audi und De Longhi. Adidas hat sogar eine limitierte Serie Lang Lang Sneaker entworfen.

Es ist dem Chinesen nicht vorzuwerfen, dass er mit seinem Talent Millionen scheffelt. Und es ist offensichtlich, dass sein Buch „Musik ist meine Sprache“ ein Mosaikstein in einer nicht enden wollenden Werbekampagne ist. Aber es berührt merkwürdig, vor diesem Hintergrund eine Elendsgeschichte zu lesen. Sie handelt von der Ausbeutung eines chinesischen Kindes durch einen krankhaft ehrgeizigen Vater und ist – natürlich – mit der Veröffentlichung einer CD verbunden (Chopin: The Piano Concerts, Zubin Mehta, Wiener Philharmoniker, DG 477 7449). Der schale Beigeschmack bleibt, obwohl Lang Lang mithilfe eines prominenten Koautors, des Musikjournalisten David Ritz, einen authentischen Ton für die Geschichte seines Lebens findet. Ritz hat schon bei den Autobiografien von Ray Charles, Marvin Gaye und Aretha Franklin mitgewirkt.

Lang Lang bettet seine Geschichte ein in das wettbewerbsbetonte Ausbildungssystem Chinas, in dem jeder, der Talent erkennen lässt, bewertet wird. Ein absurder Auswuchs dieses Systems ist es, dass Lang Lang von einer chinesischen Agentur für ein hochrangiges Konzert in China noch abgelehnt wird, nachdem er 1999 als 17-Jähriger für André Watts beim Ravinia Festival eingesprungen ist und international seinen Durchbruch feierte. Man habe nachgefragt, ob er in der letzten Zeit Wettbewerbe gewonnen habe, schreibt Lang Lang. Seine Antwort, er sei inzwischen über Wettbewerbe hinaus, sei bei der Agentur schlecht angekommen: „Sie sagten, sie bräuchten Sieger.“

Es ist erschreckend, wie zerfressen von Ehrgeiz Lang Guoren seinen Sohn antreibt. Als Lang Lang vier Jahre alt ist, erklärt sein Vater seiner Lehrerin allen Ernstes, er müsse der weltbeste Pianist werden. Die Jagd nach der Nummer eins begleitet den Jungen sein Leben lang. Wenn er nicht genug übt, wirft der Vater sein Spielzeug weg. Er muss ohne Mutter aus Shenyang nach Peking in ein von Müll übersätes Elendsviertel ziehen: in eine Wohnung ohne Heizung. Lang Lang schildert sogar eine Szene, in der der damals gerade mal Neunjährige von seinem Vater aufgefordert wird, sich mit Tabletten umzubringen. Der Junge habe Schande über die Familie gebracht, weil eine Lehrerin ihn zu schlecht fand, um ihn auf die Aufnahmeprüfung für das Konservatorium in Peking vorzubereiten. Der Vater treibt den Sohn, der die Prüfung doch besteht, in internationale Wettbewerbe, ohne genug Geld für Kost und Logis zu haben. Die beiden schlafen im Studentenwohnheim auf dem Fußboden.

Als Lang Guoren wegen einer Krebserkrankung im Krankenhaus liegt, verbietet er Lang Lang jeden Kontakt: „Ich will nicht, dass du mich besuchst. Ich will, dass du übst.“ Lang Lang übt zum Teil mehr als zehn Stunden täglich.
Es ist kaum zu verstehen, dass der chinesische Pianist seinem Vater all das verzeiht. Aber es ist so. Lang Lang betont sogar, dass seine Weltkarriere ohne den Vater so nicht möglich gewesen wäre. Und Lang Guoren war – nachdem sein Sohn es geschafft hatte – schon häufig auf der Bühne an dessen Seite zu erleben. Bei einer besonderen Zugabe Lang Langs spielt der Vater, der selbst Berufsmusiker werden wollte, die Erhu, eine chinesische Geige.

von Jutta Rinas

Lang Lang: „Musik ist meine Sprache“. Ullstein. 279 Seiten, 22,90 Euro.

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