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Kultur Frau Berman, was ist alles schon schief gelaufen?
Nachrichten Kultur Frau Berman, was ist alles schon schief gelaufen?
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14:07 16.07.2018
„Ich verstehe mich hier als Gastgeberin“: Laura Berman in der Staatsoper Hannover. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Noch ist Laura Berman nur Gast in der Staatsoper Hannover, ein eigenes Büro wird sie erst in einem Jahr bekommen, wenn sie ihren neuen Job als Intendantin des Hauses antritt. Das Gespräch findet daher im Foyer statt.

Frau Berman, Sie werden im kommenden Jahr die Intendanz der Staatsoper übernehmen. Wie lange bereiten Sie sich schon auf diese Aufgabe vor?

Ich habe gleich nach meiner Ernennung vor ungefähr einem Jahr begonnen, mich intensiv mit dem Haus hier zu beschäftigen. Die Zeit bis zum Start in der übernächsten Saison ist ja nicht besonders lang für eine solche Aufgabe.

Und: Läuft alles so, wie Sie sich es vorstellen? Ist die Stimmung gut?

Ein bisschen ist es schon wie in der Achterbahn. Im Theater ist so vieles ungewiss: Man weiß ja nie, wie die Menschen auf eine Produktion reagieren werden. So pendelt es auch jetzt in der Vorbereitung zwischen einem guten Gefühl und den Momenten, in denen man selbst einiges infrage stellt oder Sachen schief laufen.

Was ist denn schon schief gelaufen?

Es hätte zumindest etwas passieren können. Ich habe Marco Goecke gefragt, ob er hier Ballettdirektor werden möchte: Er hätte Nein sagen können. Aber das hat ja zum Glück geklappt – auch wenn er sich mit der Zusage Zeit gelassen hat.

Diese erste Personalie hat auch überregional einige Aufmerksamkeit erregt. Wird das jetzt so weitergehen?

Das hoffe ich natürlich. Mein erstes Ziel ist allerdings, gutes Theater für Hannover zu machen. Es geht um die Menschen hier, die bereit sind Karten zu kaufen, um das anzuschauen, was wir produzieren. Wenn es dann auch noch Menschen von weiter weg interessiert, ist es schön. Aber die erste Priorität liegt eindeutig auf Hannover.

Wissen Sie denn schon, wie man hier ein Publikum gewinnen kann?

Ich mache mir zumindest sehr viele Gedanken darüber. Das ist aber ein längerer Prozess. Ich habe Hannover erst ein bisschen kennengelernt. Es ist wie bei Freunden: Man muss viel Energie und Herz in die Beziehung investieren.

Trotzdem werden Sie doch schon wissen, was Sie spielen werden.

Das Programm für die erste Saison im großen Haus steht – ich kann aber noch nicht verraten, was genau gespielt wird. Für ein Haus wie dieses plant man eigentlich sogar zwei Jahre im Voraus. Ich möchte mir mit der Planung meiner zweiten Spielzeit aber noch etwas Zeit lassen. Das neue Team soll die Möglichkeit haben, sich einzubringen, und ich möchte Produktionen finden, die hier wirklich gut hinpassen. Darum gibt es noch einige Leerstellen im Spielplan.

Gehört zu dem Team auch bald ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Generalmusikdirektor Ivan Repusic?

Hier muss das Orchester mitentscheiden. Es wäre ja dumm von mir, jetzt jemanden einzustellen, von dem die Musiker dann sagen, dass er sie nicht inspiriert.

Wie sieht es mit der Suche nach Sängern aus?

Wir werden ein neues Ensemble aufbauen. Eine Besonderheit von Hannover habe ich in diesem Zusammenhang schon festgestellt: Es gibt hier eine besondere Wärme zwischen den Zuschauern und den Menschen auf der Bühne. Man merkt, dass Hannover seine Sänger liebt. Manche, die hier jetzt am Haus sind, werden bleiben, andere kommen hinzu. Es ist ein bisschen so, als ob wir eine Familie gründen.

Wird das Publikum viele Familienmitglieder schon kennen oder überwiegen die neuen Gesichter?

Es gibt einige sehr gute Sänger, die lange hier sind und hierbleiben. Ansonsten wird es einen größeren Wechsel geben. Ich glaube, das gehört auch zum Theater dazu. Die Menschen in einer Stadt, sollten die Gelegenheit erhalten, neue Sänger und neue künstlerische Handschriften kennenzulernen.

In Basel haben Sie mit ganz unterschiedlichen Produktionen auch für einen steten Wechsel der Regiehandschriften gesorgt. Ist Ihre eigene Handschrift gerade die Vielfalt der Stile?

Ich mag das Gefühl, wenn ich sehr starke, sehr unterschiedliche Positionen im Spielplan finde. Das darf aber natürlich nicht beliebig werden. Ich frage mich zum Beispiel, ob mich eine Arbeit wirklich berührt. Hat der Regisseur ein starkes Gespür für Musik, und nehme ich das als Zuschauer auch wahr, wenn ich seine Arbeit anschaue? Die Oper ist eine sehr aufwendige und komplexe Kunstform: Jede Aufführung sollte außergewöhnlich und ein Ereignis sein. Das ist jedes Mal eine große Herausforderung.

Gemeinsam mit der neuen Schauspielintendantin Sonja Anders wollen Sie Oper, Schauspiel und Ballett enger verzahnen. Wie wird das gehen?

Die Trennung zwischen den einzelnen Disziplinen erscheint mir ein bisschen altmodisch. Wir haben also schon ein paar Pläne. Wirklich gute interdisziplinäre Projekte kommen aber erst zusammen, wenn man sich besser kennt. Darum werden wir auch für Aufenthaltsräume sorgen, in denen die Künstler der verschiedenen Ensembles sich besser kennenlernen können. Vieles entsteht ja in der Kantine oder in der Bar.

Wird sich für die Zuschauer auch etwas an den Räumlichkeiten im Opernhaus ändern?

Ich finde das Haus wunderschön und schätze den Charme der Fünfzigerjahre, der ja momentan wieder in der Mode ist. Und doch habe ich einige Änderungswünsche und hoffe, dass ich die auch realisieren kann. Wichtig für mich ist, dass sich jeder in der Oper willkommen fühlt. Auch für den Opernplatz wünsche ich mir eine gewisse Belebung. Das Erlebnis vom Theater besteht ja nicht nur in der Vorstellung. Ich verstehe mich hier als Gastgeberin und muss dafür sorgen, dass der gesamte Besuch der Staatsoper ein Erlebnis ist.

Zur Person

Laura Berman ist 1959 in Boston geborenen und hat unter anderem in Princeton und an der New Yorker Juilliard School studiert. Vor 30 Jahren kam sie nach Deutschland, wo sie Dramaturgin unter anderem an den Theatern in Münster, Darmstadt und Freiburg war. Außerdem hat sie für die Wiener Festwochen, die Bayerische Staatsoper, die Bregenzer Festspiele und das Zürich Ballett gearbeitet. Seit 2015 ist sie Operndirektorin am Theater Basel. Zur Saison 2019/2020 übernimmt sie als Nachfolgerin von Michael Klügl die Intendanz der Staatsoper Hannover.

Von Stefan Arndt

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