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Kultur „Heute gilt es, langfristiger zu bauen“
Nachrichten Kultur „Heute gilt es, langfristiger zu bauen“
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06:46 24.11.2017
Stellen das neue Buch vor: Gregor Angelis ( Stellvertr. Vorstandsvorsitzender der Lavesstiftung) , Wolfgang Schneider (Vorstandsvorsitzender der Lavesstiftung), Kai-Uwe Hirschheide (Stadtbaurat Wolfsburg), Christina Krafczyk (Präsidentin des Landesamtes für Denkmalpflege), und Wolfgang Kiel (Architekturkritiker).
Stellen das neue Buch vor: Gregor Angelis ( Stellvertr. Vorstandsvorsitzender der Lavesstiftung) , Wolfgang Schneider (Vorstandsvorsitzender der Lavesstiftung), Kai-Uwe Hirschheide (Stadtbaurat Wolfsburg), Christina Krafczyk (Präsidentin des Landesamtes für Denkmalpflege), und Wolfgang Kiel (Architekturkritiker). Quelle: Samantha Franson
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Hannover

  Mehr als 700 niedersächsische Gebäude aus den Sechziger- und Siebzigerjahren stehen auf einer Vorschlagsliste mit schützenswerter Architektur, die eine Projektgruppe der Lavesstiftung in den vergangenen Jahren zusammenstellte. Inzwischen haben wenige davon tatsächlich einen Denkmalstatus erreicht - die Musikhochschule Hannover gehört dazu. Für ihr Buch "Aufbruch - Architektur in Niedersachsen 1960 bis 1980" hat die Stiftung sich auf die Vorstellung von 35 Beispielen beschränkt. "Es gibt viel mehr, die es wert wären, näher betrachtet zu werden", sagt Gregor Angelis, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung bei der Buchvorstellung im Festsaal des Alten Rathauses.

Das Thema stößt auf großes Interesse: Alle 200 Plätze des Saals sind besetzt – allerdings größtenteils mit Profis. Angelis sieht hohen Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung. Die robuste Architektursprache der „Zeit zwischen Nierentisch und Postmoderne“, wie Architekturkritiker Wolfgang Kil die fraglichen Jahrzehnte nennt, habe einen schweren Stand, so Angelis. Dabei erzähle sie von Aufbruchsstimmung, Experimentier- und Fortschrittsgläubigkeit. Der hohe gesellschaftliche Anspruch der Sechzigerjahre lasse sich gut am sozialen Wohnungsbau ablesen, schlägt Kil vor: „Das waren Villen auf der Etage.“

Entscheidend für einen angemessenen Umgang mit der Architektur der Zeit sei eine Wertschätzung durch die Bevölkerung, sagt Kai-Uwe Hirschheide, Stadtbaurat in Wolfsburg, das als junge Stadt auch im Zentrum auf Geschichten aus der Nachkriegszeit angewiesen sei. Allerdings sei bis jetzt nur der kleinste Teil der Gebäude aus den Sechzigern und Siebzigern denkmalgeschützt, gibt Christina Krafczyk zu bedenken. Die Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ist überzeugt: „Wir müssen vielmehr die Probleme des großen Gesamtbestandes aus dieser Zeit lösen.“

Wolfgang Schneider, Präsident der Architektenkammer Niedersachsen, sieht genau darin enormes Potential für seinen Berufsstand: „In der Notwendigkeit zu Umbau, Erweiterung und neuen Nutzungskonzepten liegen lohnende Aufgaben – wir müssen am Bestand weiterbauen!“ Hierfür bedürfe es des kreativen Zusammenwirkens von Planern, Architekten und Denkmalpflegern. Kil pflichtet bei: „Selbst Plattenbauten sind eine wichtige Materialressource.“ Allerdings sei es wesentlich, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, so Krafczyk. Die Technikgläubigkeit vor allem der Sechzigerjahre habe zum Einsatz vieler Verbundstoffe geführt, die heute die Sanierung erschwere.

„Heute gilt es, langfristiger zu bauen“, mahnt die Denkmalpflegerin. Auch als kritische Grundlage dafür lohne sich ein Blick in die Geschichte – im Sinne einer Denkmalforschung.

Nächste Buchvorstellung: Am Mittwoch, 29. November, um 15.30 stellt Ralf Dorn im Gobelinsaal im Neuen Rathaus sein Buch „Der Architekt und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht“ vor.

Von Thomas Kaestle

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