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Kultur Lena Meyer-Landrut: „Ich nehme mir Kritik zu Herzen“
Nachrichten Kultur Lena Meyer-Landrut: „Ich nehme mir Kritik zu Herzen“
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11:41 12.10.2012
Lena Meyer-Landrut hat ihr dritte Album aufgenommen, das am Freitag in die Läden kommt. Quelle: dpa (Archiv)

Auf deinem neuen Album „Stardust“ ist dein berühmter Akzent auffällig abwesend. Warum?

Das hat sich mit der Zeit so entwickelt.

Es gibt Songs, die von deinem Freund handeln. Der war früher noch Staatsgeheimnis. Wie kommt der Sinneswandel?

Es ist für mich einfacher zu sagen, „Ja, ich habe einen Freund, es ist alles cool, es geht mir gut“ anstatt aus allem ein großes Geheimnis zu machen. Wenn ich alles top secret mache und keiner etwas wissen darf, ist das Interesse noch größer. Es gilt immer noch, dass ich niemals ein Kamerateam zu mir nach Hause lassen oder Inhalte aus der Beziehung öffentlich machen würde. Oder wer mein Freund überhaupt ist. Oder was wir machen. Ich verrate mit meinen Songs ja nicht zu viel über die Privatperson, die „mein Freund“ ist.

Lena Meyer-Landrut überrascht auf ihrem neuen Album mit Reife und neuem Sound – ein Besuch im Studio.

Du hast sehr viel selbst geschrieben. Wie kam das?

Ich habe es ausprobiert, um mal zu schauen, wie es läuft. Und eigentlich lief es gut. „ASAP“ war der erste Song. Den habe ich mit Miss Li zusammen geschrieben, und es war deswegen recht einfach. Wir hatten eine gute Basis, eine freundschaftliche Verbindung. Es war nicht verkrampft.

Schreibst du auf Deutsch und übersetzt dann, oder direkt in Englisch?

Manchmal hat man schon eine Melodie im Kopf, dann ist es einfacher, sich auf Deutsch etwas zu überlegen und dann zu übersetzen. Manchmal hat man schon ein paar Zeilen im Kopf, die man gerne verwenden möchte. Als ich mit Johnny von Snow Patrol zusammensaß, haben wir eh die ganze Zeit auf Englisch gesprochen, da kam es gar nicht in Frage, auf Deutsch zu überlegen. Man kann den Prozess bei mir nicht verallgemeinern. Ich schreibe auch nicht immer zuerst Texte, die ich dann „melodiöse“, sondern es kommt einfach.

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In „Mr. Arrow Key“ geht es um die Suche nach einem Navigationssystem, jemandem, der dir sagt, was du tun sollst. Hast du das gefunden, dein Freund zum Beispiel?

Eigentlich soll es gar kein Mensch sein. Die Idee war, dass es da etwas gibt, was mir in verschiedenen Situationen den Weg weist. Das ist etwas, was ich mir wünschen würde, was es aber nicht gibt. Etwas, das nur für mich da ist.

Die Rolle übernehmen oft Freunde. Hast du wegen deiner Karriere liebe Personen verloren? Hast du dich verändert?

Es gibt Entwicklungen auseinander, aber das hat nicht speziell mit meinem Job zu tun, sondern mit „aus der Schule raus sein“. Man arbeitet, ist nicht mehr in der gleichen Stadt, nicht mehr in der gleichen Clique, nicht mehr gezwungen, jeden Tag aufeinander zu hocken. Die Liebsten sind aber geblieben, und es sind viele liebe dazugekommen. Ich glaube schon, dass ich mich verändert habe, erwachsener geworden bin. Klar, ich habe super viele Erfahrungen gesammelt in der Musikbranche. Und was Menschenkenntnis betrifft, habe ich viel gelernt.

Im Internet regen sich viele Leute über dich auf. Weil du mal nicht so höflich zu Frank Elstner warst, zum Rapper Casper. „Schnippische Schabracke“ steht da zum Beispiel. Trifft dich das?

Für alles, was man tut, bekommt man gute und schlechte Reaktionen. Diese Anfangssituation war einfach eine Ausnahme – dass alle mich gut fanden. Das passiert sonst nie. Jeder Künstler, der in der Öffentlichkeit steht, hat Leute, die ihn doof finden, die ihn cool finden, deren Job es sogar ist, ihn nicht zu verstehen. Man darf sich davon einfach nicht zu sehr beeinflussen lassen. Ich finde auch, dass Frank Elstner ein total toller Mann ist, ich war an dem Tag abgekämpft. Klar sollte man sich einem Menschen gegenüber mehr zusammenreißen, der eine Respektsperson für einen ist. Ich hatte einfach keinen guten Tag. Auch mit Casper. Wir haben uns später bei einem Konzert zufällig getroffen und Zeit verbracht. Ich bin zu wenig zickig oder arrogant, als dass ich mir Kritik nicht zu Herzen nehmen kann.

Wärst du manchmal gern nur Lena, nicht die Lena?

Ich feiere nicht viel und bin auch sonst ganz anständig. Ich häng` jetzt nicht kiffend im Park rum, das mache ich nicht. Also brauche ich da keine Angst vor Geschichten zu haben. Und wenn ich normal unterwegs bin, dann sprechen mich eben Leute an, manche wollen Fotos machen. Das gehört dazu. Manchmal ist es anstrengend, wenn ich mit Freunden oder meiner Mutter unterwegs bin und man einen entspannten Tag haben will. Man fühlt sich irgendwie gestört, denkt, „Ey, wir essen doch gerade“. Aber in der nächsten Sekunde denke ich dann „Halt! Da findet dich jemand gut, das ist gerade ein Kompliment“. Letztlich freue ich mich, über jeden, der zu mir kommt. Es ist schwierig, immer für alle Leute die lustige, schimmernde Lena zu sein. Ich finde, dass man mir das nicht so übel nehmen sollte, wenn man mal nicht so geil drauf ist.

In der Pressemitteilung zu „Stardust“ ist von deinem ersten eigenen Album die Rede. Bedeuten dir die ersten beiden damit nichts mehr?

Nein, auf gar keinen Fall, nein, nein, nein. Ich hätte nichts machen müssen, es war alles perfekt, wie es war, ich hätte das allein niemals so geschafft. Das mit Universal, Brainpool, Stefan war perfekt, weil mir auch viel Entscheidungen – zu meinen Gunsten – abgenommen wurden. Ich war so unerfahren und so frisch dabei. Ich habe zwei Jahre mitgemacht. Jetzt war ich an dem Punkt, es selbst ausprobieren zu wollen. Artwork ausgesucht und mitgestaltet, Texte geschrieben, produziert, alles. Das ist viel Arbeit gewesen. Aber gut.

Stefan Raab ist auffällig abwesend beim neuen Album. Seid ihr noch in Kontakt?

Bevor das ganze Gedöns losgegangen ist, habe ich mich mit ihm getroffen, ihm das alles vorgespielt. Das war mir auch wichtig. Niemand muss sich Sorgen machen, wir sind immer noch ein Paar (lacht).

Mit deinem persönlichen Input - hast du mehr Angst vor einem Flop?

Ja. Ich glaube das liegt aber auch daran, dass ich so viel Zeit dafür aufgewendet habe und merkte, wie aufwendig und wie kraftintensiv so eine Produktion ist. Und wie schwer es ist, erfolgreich zu sein. Vorher konnte ich das gar nicht richtig fassen, es ist einfach passiert. Man war Nummer 1, ich habe Preise ohne Ende gekriegt, die Platten haben sich verkauft. Ich wusste, das ist nicht selbstverständlich, aber ich konnte es nicht so schätzen, wie ich es jetzt kann. Wenn ich mir heute die Preise angucke, dann denke ich: Boah, krass, ne? Ich glaube, wenn ich jetzt einen Echo bekäme, ich würde einmal komplett ausrasten, in Ohnmacht fallen, einen Tobsuchtsanfall bekommen, Hyperventilation und alles gleichzeitig. Weil ich merke, dass der Erfolg normalerweise nicht so einfach kommt.

Und, Hannover? Noch Gefühle für die Heimat?

Ich vermisse Hannover. Ich bin zwar nicht mehr so oft da, das hat aber nichts mit der Stadt zu tun. Ich wohne jetzt in Köln, fühle mich da wohl und habe da eine Wohnung. In Hannover besuche ich meine Mutter, aber sonst bin ich selten da. Ich finde Hannover ist eine der schönsten Städte überhaupt, ich... (Managerin lacht kurz) Nein, wirklich! Ich liebe Hannover. Was lachste denn? Ich fühle mich in Köln sehr wohl. Aber Hannover ist die Perle.

Das Interview führte Sebastian Scherer

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