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Kultur Lena Meyer-Landrut startet neu durch
Nachrichten Kultur Lena Meyer-Landrut startet neu durch
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00:15 04.04.2013
Von Imre Grimm
Foto: Sie ist wieder da: Lena Meyer-Landrut.
Sie ist wieder da: Lena Meyer-Landrut freute sich vor wenigen Tagen über einen Echo. Quelle: dpa
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Hannover

Als ihr Name fiel, brachen alle Dämme. Da löste sich etwas, denn das war keineswegs klar, dass Lena Meyer-Landrut hier noch einmal stehen würde. „Dankeschön, oh Gott...!“ stammelte sie vorige Woche in Berlin, schluchzend, von einem Weinkrampf geschüttelt, und hielt ihren Echo fest umklammert. „Es bedeutet mir so viel.“ Dieser, gerade dieser, war für sie mehr als irgendein weiterer Medienpreis bei irgendeiner weiteren Glitzershow. Es war für sie der greifbare Beweis dafür, dass sie es auch alleine kann. Dass man auch gegen den Wind segeln kann. Dass es für sie weitergeht – auch ohne die Glitzerblase des Eurovision Song Contest, ohne nationalen Medienhype, ohne Stefan Raab als professionelle Leitplanke. Der Preis war der Lohn für ein Risiko, das sie ganz allein einging.

„Ich kann jetzt nicht mehr sagen: Stefan hat gesagt, ich soll das machen“, sagt sie. Das ist vorbei. „Wenn jetzt etwas schief geht, bin ich selber schuld.“

Alle Gewinner des Echos 2013 im Überblick.

Bloß: Es läuft nicht besonders viel schief in diesen Wochen. Es gab Gold für „Stardust“, ihr drittes Album, und die Single. Der „Spiegel“ lobt die „Emanzipation zur Songwriterin“. Der strenge „Rolling Stone“ vergibt drei Sterne. 90 000 folgen ihr bei Twitter. Dann der Echo für das „Stardust“-Video, gedreht im August 2012 in der spanischen Halbwüste Bardenas Reales von Bode Brodmüller vom Künsterkollektiv Høbrecht Animals. Von Freitag an sitzt sie als „Coach“ zwischen Tim Bendzko und H-Blockx-Sänger Henning Wehland bei „The Voice Kids“, der Kinderausgabe der SAT.1-Castingshow. „Wir haben gelacht, geweint, getanzt“, sagt sie über die Aufzeichnungen. Und heute Abend in Stuttgarter Theaterhaus startet ihre „No One Can Catch Us Tour 2013“ durch 13 deutsche Städte – es ist die zweite Tour nach der Wahnsinnsrunde vor zwei Jahren auf dem Höhepunkt der Lenamania. Nicht jede Riesenarena war damals rappelvoll, aber 75.000 Menschen sahen sie live.

Diesmal sind die Läden kleiner, es wird eine Clubtour. Drei Konzerte mussten schon in größere Hallen verlegt werden. Das klingt natürlich besser als die hysterisch-hämischen „Die Hallen werden nicht voll“-Schlagzeilen 2011. In Hamburg spielt sie jetzt am 10. April in der Großen Freiheit. Das Capitol in Hannover am 19. April ist seit Wochen ausverkauft („Das wird ein Herzenskonzert“), ebenso Offenbach am 21. April. Die neue Liveband hat Swen Meyer zusammengestellt, der Hamburger Produzent ihres „Stardust“-Albums. Bis zum 22. März wurde in Hamburg intensiv geprobt, 14 Tage insgesamt. Es wird handgemacht klingen, organisch, unplugged. „Es soll sich freundschaftlich und familiär anfühlen“, sagt Lena – „vor und hinter den Kulissen“.

Es war ein großes Wagnis, das dritte Album überhaupt zu machen. Denn es bedeutete: sich neu finden. Und dann für das Ergebnis verantwortlich sein. Es gab Zweifelsattacken, der Druck war groß. Um so größer das Behagen, die richtige Mischung aus zielstrebiger Leichtigkeit wiedergefunden zu haben.

Im Gegensatz zu anderen Castingshow-Gewinnern ist Lena immer noch im Geschäft. Ein Überblick über die ersten Karrierejahre der berühmtesten Sängerin Hannovers.

„Das beste Lob für mich kommt von Leuten, die mich vorher doof fanden, auch von Journalisten“, sagt Lena. „Stardust“ hat ihr viele Sympathien eingebracht. Auch „Neon“, die aktuelle Single, überrascht Radiohörer. Das ist Lena? Ist ja doch ganz nett. Ihre aktuelle Interviewtour – sie war bei „Zirkus Halli Galli“, „Markus Lanz“, „Volle Kanne“, „Schlag den Raab“ – war auch ein Sympathiewerbefeldzug nach einer tiefen Krise im Künstler-Publikum-Verhältnis. „Man fühlt sich wie eine Erdbeere im Mixer und versucht, heile zu bleiben“, sagt sie über die Monate ihrer zweiten Eurovision 2011. Der Hype ist vorbei. Froh? „Ja, total.“ 2012 war das Jahr der Neuausrichtung. Und jetzt ist sie der Mixer, und die Erdbeeren sind das, was sie in ihrem Kopf an Melodien, Texten, Ideen findet. Sie weiß jetzt, wie sie sie selbst bleibt dabei. „Ich fände es auf Dauer anstrengend, ein Image zu haben, das gar nicht mir selbst entspricht“, sagt sie. „Wie nervig muss das für Lady Gaga sein, immer freakige Klamotten anzuziehen?“ Das bisher Freakigste, was Lena trug, war eine Black-Milk-Leggins mit der Karte von Mittelerde.

Vieles ist jetzt für sie möglich. Aber so ein Gesamtkunstwerk aus Filmfernsehenmusikshowmodemoderation will sie dann doch nicht werden. „Genau!“, ruft sie, „ich bringe nächstes Jahr mein Parfüm raus und Nagellack und werde Schmuckdesignerin. Und dann werde ich die Freundin von Til Schweiger.“ Ein Scherz! Muss man manchem Promiklatsch-Blog leider erklären.

Und nach der Tour? Vierte Platte? Nicht ausgeschlossen. Es geht immer weiter.

Mehr zu Lenas „No One Can Catch Us Tour 2013“ unter www.lena-meyer-landrut.de . Die SAT.1-Show „The Voice Kids“ startet am Freitag um 20.15 Uhr.