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Kultur Leseaufruf für chinesischen Autoren – auch in Hannover
Nachrichten Kultur Leseaufruf für chinesischen Autoren – auch in Hannover
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13:05 04.06.2010
Von Dirk Schmaler
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China tut eine ganze Menge fürs Image. Zwischen schwindelerregendem Wirtschaftswachstum, den Hochglanzspielen von Peking vor zwei Jahren und der zurzeit in Schanghai veranstalteten Weltausstellung mit all seinen faszinierenden Bauten und völkerverbindenden Veranstaltungen könnte man aus der Ferne fast vergessen, dass China unter all dem Glitzer noch immer eine ziemlich düstere Diktatur ist.Ist sie aber eben doch. Meinungsfreiheit gibt es ebenso wenig wie Rechtssicherheit, von demokratischen Entscheidungen mal ganz zu schweigen.
Der Schriftsteller Liao Yiwu macht das international deutlich wie kaum ein anderer. Unfreiwillig. Denn wie viele andere Dissidenten auch darf der 50-Jährige in China nicht publizieren, seine international erfolgreichen Bücher werden im eigenen Land totgeschwiegen. Liao saß schon mehrere Jahre wegen der Verbreitung von angeblich „konterrevolutionärer Propaganda“ im Gefängnis. Dort ist er zwar mittlerweile nicht mehr. Ein Gefangener ist er jedoch weiterhin: Oft schon wurde er eingeladen, seine Werke im Ausland zu lesen – angekommen ist er nie. Zuletzt verweigerte ihm die kommunistische Führung Pekings 2009 die Reise zur Frankfurter Buchmesse (Ehrengast: China!) und 2010 zur lit.cologne in Köln.
Als Protest gegen all diese Sanktionen und Schikanen soll Liao heute, am Jahrestag des Tiananmen-Platz-Massakers 1989, trotz Reiseverbots auf der ganzen Welt zu hören sein. Und mit ihm seine Geschichten von den einfachen Menschen in China, die so gar nicht dem gängigen Klischee vom konformen Chinesen ohne politische Meinung entsprechen. Liaos Figuren in seinem Buch „Fräulein Hallo und der Bauernkaiser“ sind wütend, stark – ein bisschen so wie Liao auch.
Der Leseaufruf des Internationalen Literaturfestivals Berlin wurde auch in Hannover erhört. Dort lesen unter anderem Michael Pelke und Helge Limburg von der Grünen-Fraktion im Landtag, die Autoren Gabriela Jaskulla, Wolfram Hänel und Hartmut El Kurdi, Harrie Müller-Rothgenger vom Theater an der List, Die Fernsehmoderatorin Hanna Legatis und Ensemblemitglieder vom Schauspiel Hannover. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Ulrich-Khuon-Hof hinter dem Schauspielhaus. Der Eintritt ist kostenlos.