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Kultur Letztes Interview von Zadek
Nachrichten Kultur Letztes Interview von Zadek
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10:23 06.08.2009
Er habe sich als „gar nicht so clever“ wahrgenommen, sagte Peter Zadek im Interview. Quelle: afp/Look
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Er habe „eine sehr freie und lose Fantasie, mit der Regieführen wirklich großen Spaß macht“, erklärte der preisgekrönte Theatermacher seinen großen Vorteil. Zadek war in der Nacht zum 30. Juli im Alter von 83 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Seine schönste und aufregendste Zeit erlebte er eigenen Angaben zufolge in Bremen: „Das lag an den 60er Jahren und am Intendanten Kurt Hübner. Da war eine Stimmung! Also alles, was wir gemacht haben, war eine neue Erfindung.“ Als er 1959 nach Deutschland gekommen sei, hätten die Akteure auf der Bühne gestanden und nur Text gesprochen. „Aber sie spielten nicht Theater.“ Schauspieler seien damals nicht wie Menschen, sondern eben wie Schauspieler gegangen, beschrieb Zadek die Unnatürlichkeit. Das sei für ihn die Gelegenheit gewesen, die Schauspielerei neu erfinden.

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In den 70er Jahren hatte sich Zadek gegen die Mitbestimmung am Theater ausgesprochen: „Ich hätte damals gerne die Intendanz in Kassel übernommen. Aber da wurde ich in einer Art Hearing gefragt, was ich von Mitbestimmung im Theater halte. Gar nichts, habe ich gesagt“, erinnerte sich der Theaterregisseur. Entscheidungen in der Kunst könnten immer nur in einem Kopf stattfinden. Damit hatte er den Posten verspielt. „Die Engländer lieben leaders and not dictators. Das ist auch die richtige Beschreibung für mich“, betonte er.

Zadek wurde am 19. Mai 1926 in Berlin geboren. 1933 emigrierte die jüdische Familie nach England. In London machte er eine Regieausbildung und sammelte erste Erfahrungen am Theater. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete Zadek auch in Köln, Hamburg und Berlin am Theater. Kurz vor seinem Tod beschäftigte sich Zadek laut „Zeit“ mit der Oper „Cardillac“ von Paul Hindemith, die er 2010 in Wien inszenieren wollte.

ddp