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Kultur Literarischer Salon spricht über Kriege im Netz
Nachrichten Kultur Literarischer Salon spricht über Kriege im Netz
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12:44 22.05.2012
Von Frerk Schenker
Foto: „Kalter Krieg im Geheimen“ nennt Sandro Gaycken das Szenario, das er im Literarischen Salon Hannover ausbreitete.
„Kalter Krieg im Geheimen“ nennt Sandro Gaycken das Szenario, das er im Literarischen Salon Hannover ausbreitete. Quelle: dpa
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Früher war alles übersichtlicher – auch der Krieg: Wer einen anderen Staat angreifen wollte, ließ Soldaten aufmarschieren, schickte Panzer und Raketen. Heute findet der Waffengang immer häufiger im Verborgenen statt: in den Tiefen des Internets. „Kalter Krieg im Geheimen“ nennt Sandro Gaycken das Szenario, das er im Literarischen Salon Hannover ausbreitete: Fremde Mächte attackieren sich über das Netz, Nachrichtendienste betreiben mit Computerviren Sabotage, organisierte Kriminelle greifen Banken an und räumen dabei Millionen Euro ab.

Gaycken, Sicherheitsforscher an der FU Berlin und Berater unterschiedlicher Regierungen, schildert das Internet als eine Welt, deren Gefahr längst nicht mehr Teenager mit Hackerkenntnissen sind. Er beschreibt ein Arsenal an digitalen Waffen, das Geheimdiensten und Kriminellen zu Verfügung steht - und zum Einsatz kommt. Kurzum: Der Cyberwar ist keine Fiktion mehr. „Wir sind bereits mittendrin“, sagt Gaycken.

Nicht alle Sicherheitsexperten teilen diese Einschätzung. Auch Wolfgang Stieler, Redakteur der „Technology Review“ und zweiter Podiumsgast, hat seine Zweifel. Ja, es habe Cyberangriffe auf hochsensible Einrichtungen wie das iranische Atomprogramm und Netzattacken auf die Finanzsysteme gegeben. Aber bereits von Krieg sprechen? In einem stimmen Gaycken und Stieler aber überein: Die staatlichen Abwehrmechanismen sind unterentwickelt. Zehn bis 15 Jahre werde es dauern, bis Deutschland sicherheitstechnisch aufgerüstet habe, schätzt Gaycken. Eine schlagkräftige Cybertruppe aus der Abteilung Attacke könnten fremde Mächte hingegen innerhalb von drei bis fünf Jahre aufbauen.

Sind Staaten wie Deutschland bis dahin schutzlos? Nein, sagt Gaycken, sofern Politik und Wirtschaft radikal umdenken: stärkere staatliche Regulierung im IT-Sicherheitsbereichs - und vor allem eine Entnetzung. Was sicherheitsrelevant sei, müsse weg vom Internet, wann immer es gehe. Stieler sieht darin kein Allheilmittel: „Wir benötigen viel mehr Transparenz.“ Die Geheimniskrämerei müsse ein Ende haben, Cyberangriffe - egal, ob auf Behörden oder Unternehmen - müssen offengelegt werden. Nur so ließen sich effektive Abwehrstrategien entwickeln. Denn vieles, was solche Attacken betrifft, finde im Verborgenen statt.

So bleibt Gayckens Szenario teils im Konjunktiv stecken. Wer sich gerade deshalb in Sicherheit wiegt, dem nimmt Gaycken gleich wieder alle Illusionen. Absolute Sicherheit werde es nie geben: „Wer reinkommen will, kommt auch rein.“

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