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Kultur "Little Boy - Big Taifoon" von Hisachi Inoue im hannoverschen Ballhof 1
Nachrichten Kultur "Little Boy - Big Taifoon" von Hisachi Inoue im hannoverschen Ballhof 1
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15:34 20.09.2010
Von Ralf Heußinger
Sachiko Hara erzählt vom Abwurf der Bombe. Quelle: Handout

Der Wiederaufbau geht rasant. Schauspieler und Bühnenarbeiter schleppen einen Steinquader nach dem anderen auf die Spielfläche im Ballhof 1. Mal rund, mal eckig, mal winkelig – die Bausteine sind Sinnbilder für Hochhäuser, Flachbauten, moderne Rondelle. Es entsteht die neue Kulisse einer Stadt, die gerade den schlimmsten Feuersturm der Menschheitsgeschichte erlebt hat. Das Leben nach der Katastrophe geht weiter – ist das zupackender Optimismus?

Ganz sicher handelt es sich um einen Fall von Aktionismus, so als hätte Regisseur Marc Prätsch in seiner Inszenierung von „Little Boy – Big Taifoon“ der Wirkung des Textes dann doch nicht ganz getraut. Die Schlepperei der Steine bringt Unruhe in eine Aufführung, die sonst auf sehr eindringliche Weise von den Auswirkungen des Atombombenabwurfs über Hiroschima erzählt.

Das liegt nicht nur an den nüchternen, aber drastischen und detailreichen Zeilen des japanischen Autors Hisachi Inoue, sondern auch an der grundsätzlichen Regieentscheidung, sonst auf übermäßige Illustration zu verzichten. Ein paar Videosequenzen gibt es zwar zu sehen, aber meist hat die Aufführung den Charakter einer szenischen Lesung – einer, die nachdrücklich als Anklage in Erinnerung bleibt. Catherine Stoyan, Wolf List und Sachiko Hara verkünden im sachlichen Stil von Nachrichtensprechern, wie die Bombe über die Stadt kommt, die Kiefernzweige zittern, der Himmel zerreißt und das Leben verbrennt. Das Grauen – unprätentiös ausgestellt.

Das Junge Schauspiel, dessen neuer Chef Prätsch ist, startet mit dem Stück, einer europäischen Erstaufführung, in die neue Saison. Auf dem Ballhofplatz reaktivieren währenddessen Jugendliche im Auftrag des Theaters die Republik Freies Wendland, das 1980 entstandene Widerstandscamp der Atomkraftgegner. „Reload your dreams“ steht dort zu lesen. Während im nachgebauten Hüttendorf Nostalgie herrscht, werden im Theatersaal die Fragen von Schuld, Verantwortung und der Freiheit des Denkens behandelt. Im Zentrum der Erzählung stehen drei Kinder, Überlebende der Atombombe, die bei der Premiere von Wassilissa List, Noah Weber und Clara Wehrmann gespielt wurden. Mit kindlicher Naivität, Frechheit und auch Sarkasmus widersetzt sich das Trio der zukunftsorientierten Weltsicht der Erwachsenen. Die von der Japanerin Sachiko Hara gespielte Hanae-san kündigt freudig die Ankunft amerikanischer Wissenschaftler an, die Auswirkungen der Bombe untersuchen wollen. Die drei Kinder haben Eltern und Geschwister verloren. „Das war wohl auch so eine Wirkung dieser Bombe“, sagt einer der drei.

Mal mit Wut, mal mit dem Sarkasmus der Resignation spielt Wolf List zudem die Rolle des amerikanischen Piloten Claude Eatherly, der an dem Hiroschima-Angriff beteiligt war und bis zu seinem Tod 1978 verzweifelt mit seiner Verantwortung rang. Der Autor und Dramaturg Björn Bicker hat für die Aufführung einen bewegenden Monolog geschrieben, der klar macht: Opfer von Hiroschima sind nicht nur auf japanischer Seite zu finden.

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