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Kultur Strikte Regeln, gutes Bier
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19:01 28.07.2015
Foto: Yael Shoshana Cohen.
Yael Shoshana Cohen Quelle: Körner
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Wenn das Publikum schon von der Vorband eine Zugabe verlangt, steht der Abend unter einem guten Stern. Noam Bar, Gitarristin und Sängerin der gleichnamigen Band aus Tel Aviv, schreibt Lieder über Beziehungen: Familienbande, Freundschaften, Partner und Verflossene. Die Sängerin mit den Korkenzieherlocken und dem Sidecut begrüßt ihr Publikum mit: „Yo!“ Zunächst stehen und sitzen die Leute noch etwas scheu im Pavillon herum. Obwohl Noam Bar sie mehrfach zum Näherkommen und Tanzen auffordert, halten fast alle Sicherheitsabstand.

Trotzdem schafft es die Band, das Publikum für sich zu gewinnen: Die Sängerin und Gitarristin singt mit ihrer starken Soulstimme nachdenkliche Texte, unterstützt von Keyboard, Trompete und Cello. „Verrückt zu werden war der einfache Ausweg“ singt sie, und „Mein Lächeln bedeutet dir nichts“. Nach einem eingebauten „The Passenger“-Cover verpasst die halbe Band ihren Einsatz, aber die sympathischen Musiker lachen darüber. Noam Bar haben nur eine halbe Stunde Zeit für ihren Auftritt, die viel zu schnell vergeht.

Das Publikum verlangt lauthals nach einer Zugabe. Der Zugabe-Song, gesteht die Sängerin, war sicherheitshalber schon auf der Setlist notiert. Spießige deutsche Planung eben. „Strenge Anweisungen!“, ruft jemand aus dem Publikum spöttisch. „Gutes Bier!“, entgegnet Noam Bar lächelnd.

Das Eis ist gebrochen, so hat Lola Marsh, die eigentliche Hauptband des Abends, leichtes Spiel. Als Lola Marsh den Saal betritt, stellen sich fast alle Leute in den Innenraum. Das epische, laute Intro wird von einem kurzen, witzigen Ukulele-Solo gebrochen. Die Lana-Del-Rey-Assoziationen setzen erst mit Yael Shoshana Cohens Gesang ein. Cohen trat im Dezember 2012 bei „The Voice of Israel“ auf, wo sie „Video Games“ von Lana Del Rey sang. Im Jahr 2013 gründete sie zusammen mit dem Gitarristen Gil Landau die Band Lola Marsh. Wenig später wurde die Gruppe um Bassist Mati Gilad, Keyboarder und Gitarrist Rami Osservaser und Schlagzeuger Dekel Dvir ergänzt. Die Single „Sirens“, erschienen auf dem Label Anova Music, könnte ebenfalls ein Lana-Del-Rey-Song sein.

Lola Marsh haben aber auch weniger trance-artige, schnelle und tanzbare Songs, die meistens nach dem gleichen Muster ablaufen: laute Einstiege, abgelöst von zarten Versen, abgerundet mit emotionsgeladenen Refrains. Das ist verträumter Indie-Folk für frisch verliebte Pärchen, mit Vogelgezwitscher zwischen den Liedzeilen, kann aber auch mal rockiger werden. Lola Marshs Debütalbum ist in Arbeit, und man darf gespannt sein, in welche Richtung sich die junge Band entwickelt.

Von Mirjam Kay Kruecken

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