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Kultur Loriots Tochter klagt gegen Biographie
Nachrichten Kultur Loriots Tochter klagt gegen Biographie
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09:39 06.07.2012
Die Loriot-Tochter klagt gegen diese Biographie. Quelle: dpa
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München

Die Tochter von Loriot will eine Biographie über ihren Vater vom Markt nehmen lassen. Susanne von Bülow hat am Landgericht Braunschweig Klage gegen den Münchner Riva-Verlag eingereicht. Sie fordere nicht nur, das Buch vom Markt zu nehmen, sondern verlange auch Schadenersatz wegen Verstößen gegen das Urheberrecht, wie Riva am Donnerstag in München mitteilte. Der Verlag soll sich demnach verpflichten, keinerlei Zitate mehr von Vicco von Bülow alias Loriot zu verwenden.

Bei dem Streit geht es um die Biographie, die der Journalist Dieter Lobenbrett geschrieben hat - nach Verlagsangaben vom vergangenen Jahr „wahrscheinlich Deutschlands größter Loriot-Fan“. Das Buch kam weniger als zwei Wochen nach dem Tod Vicco von Bülows auf den Markt, der am 22. August 2011 im Alter von 87 Jahren in Ammerland am Starnberger See gestorben war.

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„Der Verfasser der Biographie hat sich streckenweise sehr ausführlich bei Loriot bedient“, sagte die Anwältin von Susanne von Bülow, Christine Danziger, der Nachrichtenagentur dpa. Besonders das Buchkapitel über die Kindheit Vicco von Bülows sei einfach eine Aneinanderreihung von Äußerungen des Humoristen selbst. „Die Zitate sind da nicht Ausgangspunkt für eigene Überlegungen.“ Daher greife das Zitierrecht in diesem Fall nicht. „Das ist zu wenig.“ Nach Verlagsangaben geht es um Zitate aus Loriots Büchern wie „Möpse und Menschen“, um weitere Werksausschnitte und auch um Äußerungen des Humoristen in Interviews.

Der Verlag misst dem Rechtsstreit für die gesamte Buchbranche große Bedeutung bei. „Wenn sie damit durchkommt, könnten Verlage überhaupt keine Biografien mehr veröffentlichen“, sagte Riva-Geschäftsführer Oliver Kuhn. Der Verlag habe die Quellen der Zitate ordnungsgemäß genannt. Nach Angaben einer Verlagssprecherin besteht das Buch zu rund acht Prozent aus Zitaten. „Um die reine Menge geht es dabei nicht“, betonte Anwältin Danziger.

Das Angebot, die Zitate gemeinsam durchzugehen und gegebenenfalls einige zu streichen, habe Susanne von Bülow abgelehnt, sagte eine Verlagssprecherin. Riva will in der Sache nun auch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels zu Rate ziehen. Wann es zu einer Verhandlung kommt, ist noch nicht klar. Danziger hofft auf einen Prozessbeginn noch in diesem Jahr. Warum ihre Mandantin erst knapp ein Jahr nach Erscheinen der Biografie dagegen klagt, erklärte sie so: „Die Klägerin hat zunächst schlicht und einfach andere Dinge im Kopf gehabt.“

dpa

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