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Kultur Luftangriffe auf Dresden: Von Mythen und Zahlen
Nachrichten Kultur Luftangriffe auf Dresden: Von Mythen und Zahlen
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11:05 26.03.2010
Die Ruine der Frauenkirche.dpa Quelle: afp (Archiv)

Bis zu jenen Februartagen zwischen dem 13. und dem 15. Februar 1945 war Dresden nahezu unversehrt davongekommen, es war eine der schönsten Kulturstädte Deutschlands. Ein überzeugender militärischer Grund für die Angriffe war nicht auszumachen, und die deutsche Kriegsniederlage stand unübersehbar bevor. Doch längst hatte sich der Bombenkrieg verselbstständigt und vernichtete in den letzten Kriegswochen zahlreiche weitere Städte – so kamen noch am 24. April in Bad Oldesloe 700 Menschen ums Leben.

Das Schicksal Dresdens hat Emotionen hervorgerufen, die noch heute wirkmächtig sind. Ein immer wieder diskutierter Punkt ist die Höhe der Opferzahlen. Jetzt gibt es in diesem Punkt eine gewisse Klarheit, seit Kurzem liegt der Abschlussbericht der „Historikerkommission zu den Luftangriffen auf Dresden zwischen dem 13. und 15. Februar 1945“ vor.

Die Diskussion über die Anzahl der Getöteten geht weit über eine Frage von rein historischem Interesse hinaus. Die Toten von Dresden sind von Anfang an politisch instrumentalisiert worden. Heute ist es die extreme Rechte, die die Zahlen in die Höhe schraubt, um von Auschwitz abzulenken und die Opferrolle der Deutschen zu betonen. Von bis zu einer halben Million Toten ist die Rede.

Diese Instrumentalisierung setzte gleich nach den Angriffen ein. Die Dresdener Behörden waren bis zum 31. März 1945 auf 22 096 Tote gekommen, die deutsche Propaganda machte daraus bis zu 200 000. Die DDR sprach später von 35 000 Opfern, in der Publizistik und der wissenschaftlichen Literatur wurde über die Jahrzehnte hinweg mit allen möglichen Zahlen operiert, ohne dass es dafür eine feste Grundlage gegeben hätte.

Im Vorfeld des 60. Jahrestages der Angriffe berief darum im November 2004 die Stadt Dresden eine Historikerkommission ein, die diese Grundlage schaffen sollte. Zu ihrem Leiter wurde Rolf-Dieter Müller bestimmt, wissenschaftlicher Direktor des Militärgeschichtlichen Forschungsamts der Bundeswehr in Potsdam. Jetzt liegt der Abschlussbericht vor, zunächst nur im Internet (www.dresden.de/historikerkommission), demnächst soll er als Buch erscheinen.

Die Arbeiten der Kommissionsmitglieder in zahlreichen Archiven waren äußerst gründlich, und ein Ergebnis konnte nur mithilfe einer elektronischen Datenbank gewonnen werden. Bei den Forschungsarbeiten stellte sich heraus, dass sich die zuständigen Behörden in Dresden organisatorisch auf Angriffe vorbereitet hatten und nach dem 15. Februar trotz des hereingebrochenen Chaos die Opfer erstaunlich penibel registriert haben, sodass die Historikerstudie mit ihren Aussagen auf der angestrebten breiten Grundlage steht.

Als besonders wertvoll erwiesen sich die in Sterbebüchern der Standesämter amtlich registrierten Todesfälle in jenen Tagen, Begräbnisbücher der Friedhöfe sowie spätere gerichtliche Todeserklärungen im Zusammenhang mit den Angriffen. Die Unterlagen sind offenbar weitgehend vollständig erhalten geblieben. Im Abgleich der Daten aus den verschiedenen Quellen ist es nun möglich geworden, einen großen Teil der Opfer auch namentlich zu benennen.

Das Ergebnis der Historikerstudie besagt, dass sich für 19 000 Menschen personenbezogen nachweisen lässt, dass sie im Februar 1945 umgekommen sind. Nach einem Datenabgleich mit anderem Archivmaterial kommt die Historikerkommission auf maximal 25 000 Tote, was ziemlich genau der Zählung im März 1945 entspricht. Außerhalb der Unterlagen gibt es keine stichhaltigen Belege für höhere Opferzahlen, auch nicht in Aussagen von Zeitzeugen.

Inbegriffen in die Zahlen sind die Flüchtlinge aus Schlesien in der Stadt, von denen es offenbar viel weniger gegeben hat, als dieses angenommen worden ist. Es wurde auch, so die Kommission, vom Bergungsdienst keine Leiche unter den Trümmern der Häuser liegen gelassen, es hat keine Bestattungen außerhalb der Friedhöfe gegeben, und es sind im Feuersturm auch nicht Menschen rückstandslos verbrannt.

Als der Dresdener Stadtrat im Januar 2007 den Auftrag für die Historikerkommission bestätigte, erweiterte er ihn noch um einen Punkt: Was ist dran an Behauptungen (schon der NS-Propaganda), alliierte Tiefflieger hätten mit Bordwaffen auf Menschen auf den Elbwiesen und im Großen Garten geschossen? Das Ergebnis: Weder deutsche noch alliierte Quellen belegen solche Angriffe, entsprechende Flugzeuge waren nicht im Einsatz, archäologische Grabungen an den fraglichen Orten haben keine Munitionsreste ergeben. Offenbar sind die Zeugen der angeblichen Angriffe beim Lärm der Bombenexplosionen und der brennenden Häuser einer Sinnestäuschung erlegen. Die Tieffliegerangriffe gehören zum Mythos, der um die hohen Opferzahlen gewoben wurde.

Aber immerhin: 25 000 Tote! 25 000 zu viel.

Ekkehard Böhm

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