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Kultur Mammutprogramm in Leipzig
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18:57 13.03.2012
Die Leipziger Buchmesse (15. bis 18. März 2012) ist nach Frankfurt die zweitgrößte Buchmesse Deutschlands.
Die Leipziger Buchmesse (15. bis 18. März 2012) ist nach Frankfurt die zweitgrößte Buchmesse Deutschlands. Quelle: Hendrik Schmidt
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Leipzig

War früher doch alles besser? Zumal für Menschen, denen die Literatur wichtig ist? Auf diese Idee könnte kommen, wer den neuen Band von Friedrich Christian Delius in Händen hält. "Als die Bücher noch geholfen haben" heißt der Erinnerungsband an die Ära von Studentenrevolte und RAF. Delius, im Herbst mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet, meint den Titel ironisch-provokant. Ein passender Beitrag zum Beginn der Leipziger Buchmesse, die heute Abend im Gewandhaus eröffnet wird, ist das Buch allemal.

Der 69-jährige Berliner gehört zu jenen Autoren, die den deutschen Literaturbetrieb und -markt genau beobachten. Delius ist kritisch, aber nicht pessimistisch. Von der Krise des Buchhandels höre er seit fast 50 Jahren, sagt er. "Jetzt heißt es bei den klügeren Leuten der Branche: weniger Schrott, weniger Masse, mehr Qualität." Auch in 50 Jahren, ist der Schriftsteller überzeugt, werde es jedoch noch "Buchhandlungen, Internet und Straßenverkauf gegeben". Literatur werde dann analog und digital vertrieben.

Davon, dass analog und digital sich ausschließen, redet in der Buchbranche kaum noch jemand; vielmehr beschwört man die friedliche Koexistenz. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die Interessen der Buchhändler und Verleger vertritt, plädiert etwa für einen gleichen Mehrwertsteuersatz für gedruckte Bücher und E-Books. Bislang gilt in Deutschland ein reduzierter Mehrwertsteuersatz nur für gedruckte Titel.

Nahezu alle der rund 2000 Aussteller, die in Leipzig dabei sind, verlegen ihre Titel auch als E-Book, und auf der Messe finden etliche Veranstaltungen statt, die sich mit den Chancen und Risiken der digitalen Entwicklung auseinandersetzen. In der neuen Veranstaltungsreihe "autoren@leipzig" geht es zum Beispiel um Online-Marketing, und es soll laut Programmankündigung gezeigt werden, wie Autoren "In drei Schritten zum eigenen Buch" - beziehungsweise zum E-Book kommen können.

Mit solchen Veranstaltungen versuchen die Messe-Organisationen besonders junge Leute - egal, ob Verleger, Autoren oder Messebesucher - anzusprechen. Überhaupt ist der Leipziger Branchentreff eine junge Messe. Dort präsentieren sich viele erst frisch gegründete, unabhängige Verlage, und Medien für Kinder und Jugendliche sind stark vertreten - von Comics über Spiele zu digitalen Lernhilfen. In dem neuen Schwerpunkt "Fokus Bildung" werden alle Fachveranstaltungen für Lehrer, Erzieher und Eltern gebündelt. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr auf der Messe, die bis Sonntag dauert, das "Schulbuch des Jahres" ausgezeichnet. Und da Eltern und Lehrer oft unsicher sind, was Kinder und Jugendliche lesen sollten oder dürfen, gibt die Messe erstmals einen "Leipziger Lesekompass" mit Buchempfehlungen heraus.

Einen Kompass könnten manchmal auch andere Messebesucher brauchen: Auch wenn Leipzig im Vergleich zur Frankfurter Buchmesse im Herbst vergleichsweise überschaubar ist, werden dort immerhin 100000 Titel präsentiert. Darunter sind Neuerscheinungen von Martin Walser und Erich Loest, von US-Autoren wie David Guterson und Joan Didion und von Nachwuchsstars wie der Amerikanerin Téa Obreht.

Alle Verlage buhlen um die Aufmerksamkeit der Medien, und die Verlage, deren Autoren einen der in Leipzig vergebenen Preise erhalten, sind im Vorteil. Den Buchpreis zur Europäischen Verständigung erhalten heute Abend die Historiker Ian Kershaw und Timothy Snyder. Morgen Nachmittag werden die Preise der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essay und Übersetzung verliehen. Insgesamt 15 Autoren sind dafür nominiert, darunter Hans Pleschinski, Wolfgang Herrndorf und Anna Katharina Hahn.

Die drei kann man wohl zu denen zählen, deren Texte und Übersetzungen Bestand haben. Darum ginge es schließlich in der Literatur, meint Delius. "Ich schätze ja die Blogger, die guten. Aber man muss doch sagen könne, dass es relativ einfach ist, ein paar Meinungen einzutippen, und relativ schwer, haltbare Texte zu schreiben, die in fünf oder zehn Jahren oder sonst irgendwann noch Leselust wecken." In Leipzig kann und sollte man nach solchen Texten suchen.

• 15. bis 18. März

• täglich 10 bis 18 Uhr

Eröffnung 14. März

• 2071 Verlage aus

• 44 Ländern auf

• 69000 Quadratmetern

• 160000 erwartete

Besucher

"Leipzig liest":

• 2780 Autoren und

Mitwirkende in

• 2600 Events an

• 350 Leseorten .

Mehr unter www.leipziger-buchmesse.de

13.03.2012
Jutta Rinas 16.03.2012