Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Manic Street Preachers veröffentlichen letztes großes Album
Nachrichten Kultur Manic Street Preachers veröffentlichen letztes großes Album
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:47 17.09.2010
Die Manic Street Preachers  bei einem Konzert in Moskau.
Die Manic Street Preachers bei einem Konzert in Moskau. Quelle: dpa
Anzeige

Die Manic Street Preachers haben keine Lust mehr auf große Hits und Tourneen. Aus Frust über den Wandel in der Musikbranche sollen massentaugliche Lieder ein letztes Mal auf dem zehnten Studioalbum „Postcards From A Young Man“ zu hören sein. „Wir haben es auf große Radiohits abgesehen“, kündigte Frontmann James Dean Bradfield mit seiner unverwechselbaren Stimme im Internet an. Die neue Platte der walisischen Rockband, eine der erfolgreichsten und dienstältesten in Großbritannien, ist am Freitag erschienen. „Wir können noch immer gewaltige Lieder schreiben.“

Die Gruppe habe den Massenzustrom von Laien aus Castingshows im Fernsehen satt. „Jeder schreibt bald Musik für sich selbst und wird sein eigener Superstar“, sagte Bandkomponist und Schlagzeuger Sean Moore der Nachrichtenagentur dpa in London. „Es ist mittlerweile so einfach: Man muss doch nur noch zum Vorsingen kommen. Das Austragen von Kämpfen mit sich selbst, das innere Leiden geht flöten. Das Künstlerische verliert an Wert. Popmusik verkommt im Zeitalter der Promis und Klatschblätter zur Nische.“

Die Plattenfirmen hätten ihren Anteil an der Abkehr ernsthafter Musiker, sagte Moore. „Wir halten die Flagge für ehrliche Musik hoch, scheinen aber die letzten zu sein.“ Gegen illegale Downloads sei kaum etwas getan, aber eine Banalisierung in Kauf genommen worden. „Die Plattenfirmen sind schuldig, sie reagieren zu lahm.“

Zum 20. Bandjubiläum in der Branche hat sich das grundsätzliche Mantra der drei Anfang-Vierziger eben nicht verändert. „Wir sind immer noch wütend auf alles“, sagte das Mitglied der „Generation Terrorists“, wie das Debütalbum heißt. Selbstkritisch verarbeiten sie nun die Wut in zwölf Songs, etwa in „Don’t Be Evil“ (Sei Nicht Böse).

Das neue Album ist eine typische „Manics“-Platte - rockig und entnervt, nur fröhlicher und euphorischer. „Das ist die Lust am eigenen Studio, das wir nach all den Jahren jetzt endlich haben“, sagte Moore. „Keine Verpflichtungen, niemand guckt einem über die Schultern - es war so, als ob wir aus dem Elternhaus ausziehen.“

Die neue Freiheit tut dem Trio hörbar gut. Experimentierfreude, Verträumtheit und ironische Kritik durchziehen das Album. Die Waliser fühlen sich außerdem dem Trend zu Duetts verfallen - sie ironisieren aber diese „bequemen“ Kooperationen mit prominenten Sängern unterschiedlicher Musikgenres. In „Some Kind Of Nothingness“ wählten sie Ian McCulloch, den Sänger der englischen Band Echo & the Bunnymen. Das hört sich irgendwie schräg an, McCullochs Stimme und Attitüde passen nicht unbedingt zu den Manic Street Preachers, doch die Band wollte unbedingt ein Duett mit ihm. „Vielleicht bekommen wir eines Tages David Bowie“, witzelte Moore.

Im Herbst ist eine große Tour in Großbritannien und Asien geplant. Anfang nächsten Jahres wollen die „Manics“ auch nach Deutschland kommen.

dpa