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Kultur Marco Štorman inszeniert „Emilia Galotti“ bei Lessingtagen
Nachrichten Kultur Marco Štorman inszeniert „Emilia Galotti“ bei Lessingtagen
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19:55 23.01.2012
Von Martina Sulner
Trauerspiel auf leerer Fläche: „Emilia Galotti“ an der Gaußstraße. Quelle: Heji Shin
Hamburg

Jetzt also Hamburg: Rodrigo Garcías Produktion „Gólgota Picnic“ ruft, nach Protesten in Paris, auch bei der Aufführung am Thalia Theater die erzkonservative Piusbruderschaft auf den Plan. Die droht, wie berichtet, dem Theater mit Anzeige. „Gólgota Picnic“ sei ein „für Christen im höchsten Maße beleidigendes Stück, heißt es in einer Presseerklärung der Bruderschaft.

Tatsächlich geht es in dem Stück um das Wiedererstarken religiöser Traditionen in einer säkularen Welt, und Regisseur García geht weder im Text noch in den Bildern zimperlich mit dem katholischen Kulturerbe und christlichen Symbolen um. Als „Gólgota Picnic“ vor einigen Wochen in Paris zu sehen war, organisierte die Piusbruderschaft dort eine Demonstration und eine Gebetswache gegen den „subventionierten Satanismus“. Auch für Hamburg stellt man eine „friedliche Mahnwache“ in Aussicht – doch Thalia-Intendant Joachim Lux zeigt sich wenig beeindruckt von den Drohungen.

Zumindest bieten „Gólgota Picnic“ und die Reaktion der erzkonservativen Katholiken Diskussionsstoff. Und das passt zum Festival, in dessen Programm Garcías Inszenierung läuft: den dritten Hamburger Lessingtagen. Noch bis zum 4. Februar dreht sich am Thalia und der Nebenbühne an der Gaußstraße alles um Lessing – und seine zentrale Frage nach den Verständigungsmöglichkeiten zwischen Kulturen und Religionen.

So viel Skandalpotenzial wie das Gastspiel aus Madrid bietet Marco Štormans Inszenierung von „Emilia Galotti“, die jetzt an der Gaußstraße Premiere hatte, nicht. Bei dem jungen Regisseur, der schon mehrmals am Schauspiel Hannover inszeniert und 2010 für die theatralische Hochsitzaktion in der hannoverschen Innenstadt „Da ist nichts hier, alles voll Gewimmels“ den provisio Kulturpreis der Stiftung der Kulturregion Hannover erhalten hat, kommen die Figuren recht modern daher. Der Prinz (Thomas Niehaus), der die Bürgerstochter Emilia zu seiner Geliebten machen will, wirkt wie ein Party-Schnösel: cool, nicht unsympathisch, aber aggressiv, wenn er seinen Willen nicht bekommt. Seinen Kammerherrn Marinelli, der Emilias Entführung plant, spielt Jörg Pohl in einer wunderbaren Mischung aus unterwürfig und gemein.

Mit fabelhaften Schauspielern, zu denen auch Hans Kremer und Karin Neuhäuser als Emilias Eltern gehören, hat Štorman den Bühnen-Evergreen umgesetzt. Seine „Emilia Galotti“ ist ein Stück über eine Ex-und-hopp-Gesellschaft, in der die reichen Jungs sich nehmen, was ihnen gefällt. Doch von den gewaltigen Gefühlen, die Frauke Löffels Bühnenbild verheißt, ist mitunter wenig zu spüren. „Wir irren des Nachts im Kreise umher und werden vom Feuer verzehrt“ ist in Leuchtbuchstaben (und in Latein) dort zu lesen.

An der Gaußstraße irren die Figuren zwar viel und durchaus auch umher, doch ausgerechnet Franziska Hartmann in der Titelrolle ist weder feurig noch tugendhaft, sondern eher patzig-beleidigt. Der Konflikt ihrer Emilia, die anfangs in Hotpants auf sexy Unschuld macht, vermittelt sich nicht wirklich. Die kommenden Aufführungen jedoch sind bereits ausverkauft: Hamburgs Schulklassen strömen in die Gaußstraße.

Weitere Informationen zu den Lessingtagen und Kartenanfragen unter Telefon 040-32814444.

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