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Kultur "Ein Fenster in ein anderes Leben"
Nachrichten Kultur "Ein Fenster in ein anderes Leben"
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00:15 13.05.2015
Von Daniel Alexander Schacht
Auskunftsfreudig: Margarethe von Trotta im Kino am Raschplatz. Quelle: Insa C. Hagemann
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Hannover

„Ich arbeite einfach gern mit den beiden“, begründet Margarethe von Trotta, warum sie erneut Barbara Sukowa und Katja Riemann eingesetzt hat – das ist ihrem neuen Film, in dem beide Schwestern spielen, deutlich anzumerken.

Schwesternverhältnisse spielen immer wieder eine Rolle in den Filmen von Trottas. Sie hat 1981 anhand der Schwestern Christiane und Gudrun Ensslin in „Die bleierne Zeit“ vom Terrorismus erzählt. Sie hat noch davor, 1979, einen Film ausdrücklich zu diesem Thema gemacht: „Schwestern oder die Balance des Glücks“. Und nun hat die Regisseurin „Die abhandene Welt“, ihren in dieser Hinsicht vielleicht persönlichsten Film, in Hannover vorgestellt – und ist dabei im Raschplatz-Kinosaal „Graffiti“ vom Publikum gefeiert worden.

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Die Regisseurin Margarethe von Trotta stellte im Kino am Raschplatz ihren neuen Film "Die abhandene Welt" vor. Die 73-Jährige stellte sich auch den Fragen aus dem Publikum. 

In „Die abhandene Welt“ macht die Regisseurin eine eigene Erfahrung zum Thema – einer Schwester zu begegnen, von deren Existenz sie bis dahin nicht gewusst hat. „Meine Schwester hat sich bei mir nach dem Tod meiner Mutter gemeldet“, sagte von Trotta, Jahrgang 1942, im Publikumsgespräch nach der Filmvorführung. „Dass meine Mutter mir meine Schwester verschwiegen hat, war zunächst ein Schock für mich.“
Gut eine Stunde lang beantwortet von Trotta Zuschauerfragen, kommt aber mit dem vorwiegend weiblichen Publikum auch ins Gespräch. Wie sie ihre Arbeit empfinde, wird sie gefragt („Ein Vergnügen, aber auch schwer“). Wie sie ihre Drehorte gewählt habe („New York ist sehr teuer“).

Von Trotta arbeitet mit alten Bekannten

Ob das Verbergen einer ungewollten Schwangerschaft, überhaupt das Schweigen über die Zustände, besonders die Generation kennzeichne, die Krieg und Faschismus erlebt hat („Ich glaube schon – und das hat auch mit Deutschland zu tun“). Manche wollen aber einfach nur ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen. „Großes Kompliment, Sie haben ein Fenster in ein anderes Leben geöffnet“, sagt eine Zuschauerin unter aufbrandendem Applaus. „Ein wunderbarer Film“, sagt eine andere, „der fesselt sehr.“

Vielleicht auch, weil Margarete von Trotta dabei überdies ein Wiedersehen mit weiteren Stars des deutschen Films bietet, darunter neben Karin Dor, Matthias Habich und Rüdiger Vogeler auch dem 87-jährigen Gunnar Möller, Älteren aus „Ich denk‘ oft an Piroschka“ (1955) bekannt. „Der erlebt jetzt vielleicht ein Comeback“, sagt Margarete von Trotta. „Nach meinem Film hat er schon ein Filmangebot aus Italien bekommen.“ Auch mit diesen alten Bekannten arbeitet sie offenbar gern.     

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