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Kultur Marius Müller-Westernhagen rockt die Tui-Arena
Nachrichten Kultur Marius Müller-Westernhagen rockt die Tui-Arena
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00:17 23.10.2017
"Keine Lust, aufzustehen": Westernhagen sitzt.
"Keine Lust, aufzustehen": Westernhagen sitzt. Quelle: Körner
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Hannover

MTV-Unplugged-Konzert - das ist ein Format, das in den Neunzigerjahren einen Ritterschlag für jeden Musiker bedeutete, inzwischen aber abgeschmackt ist. Marius Müller-Westernhagen nimmt an. 

Von Aerosmith über Paul McCartney und Eric Clapton hatte der Musiksender seit 1989 Weltgrößen eingeladen, ihre Hits unverstärkt vorzutragen. Wohnzimmeratmosphäre statt Rockkonzert. Das wird auch in der Tui-Arena versucht, die komplett bestuhlt ist. Doch kommt diese intime Atmosphäre nur bedingt auf - die Größe der Arena steht einfach konträr zum Format: Natürlich wird hier verstärkt, trotz schöner akustischer Varianten begleitet von insgesamt sieben Musikern und vier Background-Sängern. Während Westernhagen bei seinem Unplugged-Konzert auf der Berliner Volksbühne 2016 von Udo Lindenberg und Jan Plewka begleitet wurde, singt er in Hannover mit seiner Partnerin Lindiwe Suttle unter anderem den Song "Luft um zu atmen".

Er sitze zwar, stellt er dann klar, aber das bedeute nicht, dass auch das Publikum sitzen müsste. Und dann stimmt er reibeisenkehlig "Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz" an und die Zuschauer im Parkett springen auf und tanzen.

Marius Müller-Westernhagen spielt vor 10.000 Menschen in der ausverkauften Tui-Arena.

Rockig und schmutzig 

Westernhagen war in den Neunzigerjahren irgendwie der böse, egoistische, etwas prollige Konterpart zum weltklügeren, auf Sentiment gebauten Herbert Grönemeyer. Westernhagens Musik ist rockig und ein bisschen schmutzig, vor allem aber provozierte er gern. In Hannover zeigt er eine nachdenkliche Seite, hält politische Ansprachen gegen Trump und für Demokratie, leitet so seinen neueren Song "Leben um der Freiheit willen" ein. "Wir müssen aufstehen und Rückgrat zeigen", sagt er.

Er positioniert sich in seinen Liedern oft als der Leitwolf, "Folge mir, ich bin ein Alphatier" singt er - Westernhagen ist das Gegenteil von Bescheidenheit. Nur er kann sich trauen, David Bowies "Heroes" zu covern, einen Song, bei dem jeder Coverversuch scheitern muss. Tut er auch, die deutsch-englische Version wird fast zum Schlager. Das ist ihm aber egal, Westernhagen steht unerschrocken darüber. Und das kann er auch, denn es ist Teil seiner inzwischen 40-jährigen Performanz.

Doch die ganze Abgeklärtheit fällt ab bei den schroff-spröden Versionen von "Weil ich dich liebe" und "Lass uns leben" - nicht mal der Chor des Publikums kann hier Kitsch erzeugen. "Sie reden wieder mal vom Krieg... / Rockn Roll stirbt wieder mal / wir sind wieder hart wie Stahl." Das ist schon irre, wie 28 Jahre alte Texte wieder ganz richtig im Hier und Jetzt sind.

Und dann erklingt zum Schluss dieser Song, der ihn groß gemacht hatte: "Freiheit". Ein Quäntchen Glück hatte er 1989 gehabt. Während Tausende Deutsche am 9. November ihre Freiheit auf der Berliner Mauer tanzten, stand Westernhagen in Fallingbostel auf der Bühne und spielte zeitgleich diesen Song, den er zwei Jahre zuvor geschrieben hatte: „Die Verträge sind gemacht“, heißt es darin. Das Stück wird zur Hymne. Egal wie daneben seine Texte bisweilen waren -  für diese Momente, damals wie heute, dafür muss man schon richtig gut sein.

Von Katharina Derlin

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