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Kultur Mark Knopfler und 8000 Zuschauer in der TUI Arena
Nachrichten Kultur Mark Knopfler und 8000 Zuschauer in der TUI Arena
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00:08 18.06.2010
Von Uwe Janssen
Dire-Straits-Boss Mark Knopfler Quelle: Martin Steiner

8000 Fans von Mark Knopfler, dem Dire Straits-Boss, sind am Donnerstag in die TUI Arena zu seinem Konzert inHannover gekommen. Und so ist das dann, wenn der Rock ’n’ Roll in die Jahre kommt. Schritt 1: Der Künstler rockt, das Publikum tanzt. Schritt 2: Der Künstler steht, sein Publikum sitzt. Und Schritt 3: Alle sitzen, auch der Künstler.Konzerte von Mark Knopfler sind jetzt bei Schritt 3 angekommen. Einer der letzten stilprägenden Helden des Posierinstruments schlechthin sitzt auf einem Drehhocker. Der Arzt hat’s dem 61-Jährigen empfohlen, der Rücken schmerzt, Laufen, Springen und „Disco Dancing“ habe der Doc ihm verboten.

Also keine Pose, kein Gehampel, nicht mal Ansagen, wenn man mal von einer Begrüßung („Alles klar?“) und der Vorstellung seiner Musiker absieht. Ansonsten sprechen seine Gitarren, mal die metallene Dobro, mal eine Westernklampfe, allen voran aber die Fender Stratocaster, der der gebürtige Schotte vor allem mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand einen so einzigartigen Dialekt zu entlocken vermag. Gitarristen sind die Musiker mit den meisten Gottvergleichen. Knopfler ist neben Clapton wahrscheinlich der unspektakulärste unter den Gitarrengöttern.

Weil trotzdem immer noch Millionen Menschen dem früheren Dire-Straits-Boss zuhören, finden diese Sitzkonzerte nicht in lauschigen Klubs statt, sondern in musikalischen Massenunterkünften. Die hannoversche TUI Arena ist mit rund 8000 Fans gut gefüllt, wenn auch nicht ganz ausverkauft. In wenigen Stunden sollen hier Fußballfans die deutsche Mannschaft zum Sieg brüllen. Vor den Vuvuzelas wogt nun die Welle Wohlklang durch die Halle.

„Border Reiver“ schaukelt zu Beginn durch den Saal, eine Gute-Laune-Hymne, in der Knopfler Lastwagenfahrer aus seiner Kindheit in Glasgow besingt. Der erste Song seines aktuellen Albums „Get lucky“ ist ein guter Hinweis, wohin Knopfler seine Karriere musikalisch gelenkt hat. Kein Breitwandrock mit elegischen Soli mehr, sondern ein einfaches Folkfundament mit ein bisschen von allem. Bei „What it is“, einer weiteren Temponummer, lässt Knopfler die Finger tanzen und entlockt seiner Gitarre erstmals einige von diesen schnellen und doch so lockeren Tonfolgen, die sein Spiel seit gut 30 Jahren prägen.

Dieser muntere Auftakt folgt – im Gegensatz zu der immobilen Bühnenpräsenz – den Gesetzmäßigkeiten eines Rockkonzerts. Doch fast scheint Knopfler es als Vorabentschuldigung dafür anzubieten, dass er das Tempo anschließend merklich rausnimmt. Mit dem wunderbar fließenden „Sailing to Philadelphia“ stimmt er seine Zuhörer aufs Zuhören ein. Auf die Wahrnehmung von Tönen, auf ihren Verlauf, ihre Modulation, ihre Länge und ihr Zusammenspiel mit anderen Instrumente.

Das ist gar nicht so einfach, wenn man 100 Meter weit entfernt am anderen Ende einer riesigen Mehrzweckhalle sitzt, in der eigentlich nur die große Geste zählt. Da geht manche Nuance unterwegs verloren. Aber irgendwann funktioniert es auch hier. Bei „Prairie Wedding“ lässt er seine Gitarre auf einem weichen Keyboardteppich murmeln, seufzen und flüstern, während er leise eine Liebesgeschichte erzählt. Knopfler singt seine Texte mehr, als dass er sie wie früher dylanesk ins Mikro knarzt, er singt so, wie er wirkt: entspannt. Auch hier gilt: Zuhören lohnt sich.

Knopflers Geschichten von Menschen, einfachen Menschen mit ihren kleinen und großen Tragödien und Triumphen, sind einfühlsam, oft mit einer Prise Ironie erzählt. Er mischt zunächst Kapitel aus seinem gesamten Soloschaffen zusammen, das ist mal bluesig wie bei dem akustischen Roadmovie „Coyote“, bei „Marbletown“ oder dem „Hill Farmers Blues“ und mal im fast dublineresken Folkkleid wie bei „Done with Bonaparte“. Die Fans sind beseelt, folgen den Tönen, schauen dem Künstler auf die Finger, sofern das aus größerer Entfernung noch möglich ist. Leinwandbilder – Fehlanzeige. Und doch hat man das Gefühl, dass die Leute auf etwas warten. Auf die musikalische Zeitmaschine, die sie nicht nur in Knopflers, sondern auch in ihre Vergangenheit beamt.

Dann kommt sie tatsächlich. Mit „Romeo & Juliet“ und dann mit „Sultans of Swing“. Der Song über eine Jazzband führt schlagartig noch einmal vor Augen, dass der nette ältere Herr auf dem Drehstuhl ein ganz Großer ist. Ein nicht unwesentlicher Rockgeschichtemitgestalter.

Dann ziehen Knopfler und seine großartigen Mitmusiker das Tempo mit dem wallenden „Speedway at Nazareth“ und einer langen, frenetisch gefeierten „Telegraph Road“ noch einmal an. Dass der Mann mal mit neonfarbenen Stirnbändern und quietschbunten Jacketts aufgetreten ist, kann – und will – man sich nicht mehr vorstellen. Sein Anzug ist die Musik. Und dieser Anzug sitzt. Genau wie er. Aber er könnte sich in der TUI Arena auch auf ein Sofa legen und spielen, es würde der Veranstaltung keinen Abbruch tun. Und wer braucht eine Show, wenn er Songs wie „Brothers in Arms“ geschrieben hat, dieses Pathosballadenmonument. Da gibt die Gitarre mit schwerem Ton schwer einen aus: Gänsehaut für alle!

Karriereende? Sicher nicht. Es ist nur der Rücken. Aus der Gitarrenlegende wird so schnell nicht der Gitarrenliegende. Aber setzen darf er sich gerne wieder.

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