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Kultur Markus Lüpertz stellt neue Bilder aus
Nachrichten Kultur Markus Lüpertz stellt neue Bilder aus
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11:35 03.09.2010
Von Dirk Kirchberg
Markus Lüpertz
Markus Lüpertz: Bildhauer, Dichter, Freejazzer und vor allem Maler Quelle: Christian Burkert
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An dem Mann ist fast alles Pose: der schwarze Gehrock, die großen Goldringe an beiden Händen, der dicke Goldarmreif, der Gehstock mit silbernem Totenkopfknauf. Markus Lüpertz ist Bildhauer, Dichter, Freejazzer – mit eigener Band, versteht sich –, aber vor allen Dingen Maler. „Ich bin als Maler auf die Welt gekommen“, sagte er vor der Eröffnung seiner Ausstellung in der Nord/LB art gallery. In den Räumen gegenüber dem Neuen Rathaus hängen neben zehn großen Gemälden weitere 42 postkartengroße Bilder. Alle Arbeiten sind in diesem Jahr entstanden. Als Inspiration für die kleinen Bilder in Mischtechnik dienten Lüpertz die von Rainer Maria Rilke übersetzten Sonette von Michelangelo. Der italienische Künstler sei zwar ein mittelmäßiger Maler gewesen, sagt Lüpertz, „aber er war ein Meister der Sonette, ich kenne nichts Vergleichbares“. Wenn Lüpertz einen anderen Künstler verstehen wolle, greife er zu Stift, Pinsel und Papier. „Zeichnen ist eine Frage des Begreifens“, sagt er. Die Liebe etwa würde man durch die unglückliche Liebe, den verfassten Liebesschmerz Michelangelos verstehen. So entstanden 42 kleine Bilder, auf denen Figuren immer wieder Hände erscheinen. Hände, die sich dem Betrachter entgegenrecken oder sich durch die geschickte Hängung bildübergreifend näherzukommen scheinen.

Während Lüpertz sehr ernst ist, wenn er über sein Schaffen spricht – „Sollte ich mich eines Morgens motivieren müssen, höre ich sofort mit der Kunst auf“ –, ist er umso entspannter im Gespräch mit Besuchern und dem Fotografen, der ihn zwischen den Bildern ablichten will. „Mir fehlt jede Form der Ernsthaftigkeit“, sagt er und lacht.

An der Außenscheibe der Galerie steht der Name Lüpertz über denen von Rilke und Michelangelo. „Ich fand das schön“, sagt er lächelnd, „irgendwie hat das was.“ Es sei eine große Reihe, die Lüpertz damit aufbaue, sagte Nord/LB-Chef Gunter Dunkel in seiner Begrüßung, an der sich der ehemalige Direktor der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf messen lassen müsse. Aber genau darum geht es Lüpertz ja: Mit Künstlern und ihren Werken in einen Dialog einzutreten. Der Mann scheint noch viel zu sagen zu haben.

Ausstellung "Lüpertz - Rilke - Michelangelo" bis 24. Oktober, Nord/LB art gallery, Friedrichswall 10.

Dirk Kirchberg 03.09.2010
Ronald Meyer-Arlt 02.09.2010