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Kultur Markus Schinwald inszeniert Zwänge des Körpers
Nachrichten Kultur Markus Schinwald inszeniert Zwänge des Körpers
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19:51 25.08.2011
Hände hoch: Markus Schinwald zeigt in seiner theatralischen Ausstellung im Kunstverein Hannover rätselhafte Rituale Quelle: Steiner
Hannover

Gleich zu Beginn eröffnet ein weißer Kubus den Rundgang, ein minimalistischer Block, dessen perfekte Oberfläche durch einen schmalen Spalt gebrochen ist. Was sich darin verbirgt? Wie seltsame Tentakel winden sich zwei Chippendale-Tischbeine hervor, lasziv gespreizt, als berge die Skulptur ein erotisches Geheimnis.

Markus Schinwald ist am Körperlichen interessiert, an seinen Unzulänglichkeiten und Problemen und an einer Kulturgeschichte, die den menschlichen Körper mit Fetisch, Requisiten und Kleidung immer auch als individuelle Konstruktion bewusst macht. In seinem frühesten Kunstwerk „Jubelhemd“ von 1997 hat er die Ärmel verkehrt herum eingenäht, so dass dem Besitzer nichts anderes übrig bleibt, als die Hände konstant hoch zu nehmen, wenn er hineingeschlüpft ist. Ob für Euphorie oder Kapitulation, als Festtagskleid oder Zwangsjacke, die Funktion bleibt ambivalent.

Neben dem „Jubelhemd“ ist in Hannover eine Serie schwarzweißer Porträts zu sehen, die sich an Vorlagen des 19. Jahrhunderts orientiert. Sie zeigt Männer und Frauen derart in opulente Gewänder gehüllt, dass der drapierte Faltenwurf die Silhouetten bizarr verformt. Auch hier bleibt stets in der Schwebe, ob die modische Erweiterung des Körpers gewaltsame Deformation bedeutet oder doch Ausdruck gesteigerter Originalität.

„Prothesen für unbestimmte Fälle“ hat der Künstler seine Applikationen genannt und so an Sigmund Freuds Definition des Menschen als „Prothesengott“ erinnert, der seine Wunschvorstellungen durch Technik und Wissenschaft realisieren kann. Dass uns die Perfektion beständig überfordert, ist Schattenseite.

Das Unbehagen am eigenen Körper spiegelt sich schließlich auch in jenem Film, mit dem Schinwald im Österreichischen Pavillon auf der diesjährigen Kunstbiennale Venedig Premiere hatte und der zum Höhepunkt im hannoverschen Kunstverein gerät. Fünf Akteure gehen in einer verlassenen Industrieruine merkwürdigen Verrichtungen nach. Was auf den ersten Blick wie alltägliche Bewegung anmutet, das Kratzen am Schienbein etwa oder an der Schulter, wird, in Serie und simultan ausgeführt, zu einem rätselhaften Ritual. Zwischen Slapstick und Pathos bleibt die Choreografie im Kunstverein kunstvoll in der Schwebe.

Überhaupt ist Schinwald ein Meister der Inszenierung, seine frühe Opernerfahrung – als Statist, als Kostümbildner und Stage Manager – merkt man dem 38-jährigen Österreicher an. Wenn er jetzt mit großzügiger theatraler Geste die aktuelle Ausstellung inszeniert, dann hat er die Architektur wie ein Bühnenbild im Griff, bei dem der Betrachter im Zentrum steht. Die Eingangs- und Ausgangssäle der Schau sind klinisch weiß und mit grellem Neonlicht ausgeleuchtet, als befänden wir uns in einem OP. Der Mittelteil jedoch wird in Purpurrot getaucht. So atmosphärisch aufgeladen hat man den zentralen Saal überhaupt noch nie gesehen.

„Orient“ hat Markus Schinwald seine spektakuläre Schau genannt. Und genauso sollte man sie verstehen: als Reise in ein exotisches Land. Man beginnt sie aus Neugier auf alles Fremde, doch mit der bangen Ahnung, dass man sich selbst begegnen wird.

Markus Schinwald. Orient“ bis 6. November im Kunstverein Hannover, Sophienstraße 2. Eröffnung am 26. August um 20 Uhr. Am Sonnabend um 18 Uhr führt Kuratorin Ute Stuffer ein Künstlergespräch mit Markus Schinwald.

Kristine Tieke

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