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Kultur Martin Grotjahns Debütroman „Die Tasche“
Nachrichten Kultur Martin Grotjahns Debütroman „Die Tasche“
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13:13 29.06.2010
Von Ronald Meyer-Arlt
Martin Grotjahn: „Die Tasche". Quelle: Handout
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Hier ist viel los: Schusswechsel im Schnee, Küsse im Schlafzimmer, Folter im KZ. Martin Grotjahn erzählt von einer Tasche, in der sich Dokumente über das Vermögen der Stahlfirma Kohn befinden. Nur ein Mitglied der Familie Kohn konnte (zusammen mit einer Nichte) fliehen, der Rest der Familie wurde von den Nazis ermordet. Bei ihrem Versuch, an das Vermögen der Fabrikantenfamilie zu gelangen, soll auch der geflohene Sohn getötet werden, doch der schafft es, sich in die Schweiz zu retten – und von dort aus schlägt er zurück. Ein paar Nazis müssen sterben. Und das Familienvermögen kommt auf Schweizer Konten.

Der Sozialwissenschaftler Grotjahn erzählt in seinem Debüt eine spannende Geschichte, und hat mit dem Zugriff der Nazis auf das Vermögen verfolgter Juden ein spannendes Thema gewählt. Gelungen ist auch, dass der Autor seine Geschichte auf mehreren Zeitebenen ansiedelt. Er erzählt von der Flucht des jungen Kohn im Jahr 1942, von der Situation in Auschwitz kurz vor der Befreiung des Lagers und von einem Anwalt, der 2002 eine Nachricht über den Fund eines Tresors erhält. Das funktioniert sehr gut.

Leider jedoch scheint sich im Verlag kein Lektor um das Manuskript gekümmert zu haben. So kommt es, dass unschöne Wendungen wie „Das einzige Wasser im Wein seines Erfolgsskripts waren die verdammten Panikattacken“ oder „Über dieses Gedankenkonstrukt redete sie mit keinem Menschen“ im Buch stehen geblieben sind.

Solche Satzkonstrukte sind durchaus Wasser im Wein eines ansonsten gelungenen Romans.

Autor

Martin Grotjahn

Titel

Die Tasche

Verlag

Eickhorst Verlag

Seitenzahl

318 Seiten

Preis

19,90 Euro

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