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Kultur Mary Roos und Wolfgang Trepper begeistern das Publikum in Hannover
Nachrichten Kultur Mary Roos und Wolfgang Trepper begeistern das Publikum in Hannover
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00:17 31.05.2018
Mary Roos bei ihrem Auftritt mit Wolfgang Trepper im Theater am Aegi.
Mary Roos bei ihrem Auftritt mit Wolfgang Trepper im Theater am Aegi. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Wolfgang Trepper bezeichnet im Theater am Aegi seine Bühnenpartnerin Mary Roos als „Helene Fischer der Bronzezeit“, sie ihn wiederum als „cholerischen Spacken“. Und somit wäre – innerhalb der ersten paar Minuten von „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ etabliert, dass die Schlagershow wenig mit der heilen Plastikwelt von Schlagersendungen wie dem „Fernsehgarten“ zu tun hat. Das mag an Wolfgang Trepper liegen – der Kabarettist und ehemalige Radiomoderator hat in der Show den bei weitem größten Redeanteil. Immer wieder reißt der 58-jährige Witze über das Alter der 69-jährigen Mary Roos („Da ist sie, die Olympiabotschafterin von 1936!“), macht sich über inhaltslose Schlagertexte lustig oder auch über die Band auf der Bühne („Da hab ich heute beim Arbeitsamt angerufen und hab gesagt: Schickt mal wen rüber, ein paar Spargelstecher werden abends ja wohl frei haben“).

Mary Roos und Wolfgang Trepper im Thater im Aegi

Die Aufgabe von Mary Roos in der Show ist es, hin und wieder mal auf die Bühne zu kommen, Lieder wie „Schuld war nur der Bossa Nova“ oder auch ihre eigenen Hits wie „Liebe lässt uns leben“ oder „Aufrecht geh’n“ zu singen, während das Publikum im ausverkauften Theater am Aegi begeistert und genrekonform die Viertel mitklatscht. Nach ihrer Gesangsdarbietung darf Roos sich zu Trepper in ein Wohnzimmerensemble im Stil der Sechzigerjahre auf der rechten Bühnenseite setzen und ein paar Anekdoten aus ihrem Leben bei ein paar Gläsern Jägermeister erzählen. Und dabei versuchen – in teilweise gestelzt auswendig gelernten Antworten – Treppers Sarkasmus etwas entgegen zu setzen.

Strukturell ist die zweistündige Show in Jahrzehnte gegliedert, es gibt die Sechziger, Siebziger, Achtziger und ein etwas zerfasertes Ende. Trepper arbeitet dabei viel mit Nostalgie, imitiert, beispielsweise, Dieter Thomas Heck beim Moderieren der „ZDF-Hitparade“, erinnert an die gute, alte Zeit, als man noch Postkarten dorthin schrieb („Für die jüngeren: Das ist eine ausgedruckte SMS“) holt gemeinsame Generationenerlebnisse wie das samstägliche Bad nach „Daktari“ aus der Mottenkiste oder lässt sich zu ein paar Polenwitzen in Richtung der Band hinreißen.

Die Show lebt von Trepper und seinem Redefluss – auch wenn Mary Roos ihre Lieder einem begeisterten Publikum präsentiert und tapfer versucht, ihrem Bühnenpartner hin und wieder verbal eins auszuwischen. Dennoch ist die Dynamik der beiden – nach der mittlerweile 137. Aufführung – eingespielt wie eine jahrelange Ehe, beide kennen ihre Rolle in der Show, die im Grunde ein langer Insider-Witz über die Schlagerblase ist. Roos bewahrt sich bei den Songs eine profimäßige Haltung und versucht, ein Gegenpart zu Treppers Früher-war-alles-besser-Einstellung zu sein. Treppers Witze sind stellenweise bitterböse Beleidigungen von Stars der Szene – am Ende verliest er sogar eine Liste mit den in der Show beleidigten – manchmal aber auch arg verstaubte Pointen übers Mitschneiden von Liedern aus dem Radio oder eben Polenwitze. Am Ende, jedenfalls, kommt noch einmal der Bogen zur Nostalgie: „Die Erinnerungen sind das, was das Leben besonders macht“ wiederholt Trepper immer wieder. Am Ende gibt es dafür Applaus im Stehen.

Übrigens: Der Titel von „Nutten, Koks und frische Erdbeeren“ bezieht sich auf die drei Dinge, die Heino der Legende nach immer in seiner Garderobe haben wollte. Man lernt ja nie aus.

Mary Roos ist am 28. April 2019 mit einer Solotour im Theater am Aegi, Wolfgang Trepper ist schon am 25. Oktober 2018 mit einem Soloprogramm im Pavillon.

Von Jan Fischer