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Kultur Masala startet mit Jubliäumsausgabe
Nachrichten Kultur Masala startet mit Jubliäumsausgabe
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00:16 24.06.2015
Von Uwe Janssen
Fröhliche Entertainerin: Gasandji auf der Pavillon-Bühne. Quelle: Wilde
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Hannover

Eigentlich soll die Masala-Eröffnung um 19 Uhr starten, doch dann dauert es alles länger. So viele wollen rein, normale Gäste, Gästelistengäste, Freunde des Hauses. Es gibt schließlich was zu feiern. 20 Jahre Masala. Das heißt, und diese Pauschalisierung darf erlaubt sein: 20 Jahre Weltmusik in Stadt und Region Hannover. Die beiden Herren, die manche Tiefen, aber vor allem ganz viele Höhen mitgemacht und mitgetragen haben, stehen vorn auf der kleinen Bühne im vollen Nebensaal der Masala-Keimzelle Raschplatzpavillon: Gerd Kespohl und Christoph Sure lassen, als es dann losgeht, noch einmal ein paar Erinnerungen und Bilder durchlaufen. Aus einer Zeit, als Hannover Weltmusik entdeckte, obwohl es den Begriff noch nicht einmal gab. Ein paar Anekdoten dürfen nicht fehlen, von Asiaten, die unangekündigt einen Abend mit deutschen Volksliedern gestalteten.

Von einem verhinderten Künstler, der einfach seinen Bruder schickte, was nicht sofort jedem auffiel. Und von Menschen, die in Hannover mit viel Lust, Geduld und Improvisationsgeschick ein Programm ermöglichten, dass deutschlandweit, sogar international eine Marke setzte. „Wir hätten damals nie daran gedacht“, sagt Sure, „dass wir irgendwann mal ein 20-jähriges Jubiläum feiern würden.“ An dem man unter anderem auch auf die beeindruckende Zahl von rund 4000 Künstlern zurückblicken kann, die im Laufe von zwei Jahrzehnten aus rund 100 Ländern nach Hannover gereist sind.

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Gastrednerin Claudia Roth spart denn auch nicht mit Lob. Die grüne Bundestagsvizepräsidentin war in früheren Jahren selbst in musikalischer Mission im Pavillon zu Gast, als Managerin von Ton, Steine, Scherben. „Das war auch die Zeit von Hans-A-Plast“, sagt sie, um mal eine lokale Größe dieser Jahre ins Spiel zu bringen. Masala, etwas jünger, habe auch dazu beigetragen, die Hörgewohnheiten zu ändern. Das Festival sei inspirierend, aufregend und künstlerisch wertvoll. Roth lobt die „inklusive Idee“, da es auch mit seinen Gratiskonzerten weniger wohlhabende Menschen einlade. Und nicht zuletzt sei es „ein Bollwerk gegen jegliche fremdenfeindliche Strömung“.

Dafür gibt es viel Applaus, und anschließend gibt es für Sure und Kespohl auch noch viele Überraschungskuchen von allen Mitarbeitern, die die beiden Beschenkten direkt an das Publikum weiterreichen.

Musik wird anschließend natürlich auch gemacht. Die afrikanische Nacht wird ihrem Namen dabei wirklich gerecht. Die aus dem Kongo stammende, formidable Sängerin und Gitarristin Gasandji, schon nach den Eröffnungsreden mit einer kleinen Einlage vertreten, beweist, dass sie mit ihrer Band auch richtig Party machen kann. Die Herzen fliegen ihr nur so zu. Es erweist sich als kluge Idee, den Saal weitgehend von Stühlen frei zu räumen, damit die Leute tanzen können.

Habib Koite aus Mali schließlich geleitet die Fans dann in den frühen Sonnabend, dabei beweist er, dass auch ein Banjo prima zur polyrhythmischen afrikanischen Musik passt. Wenn das Festival diese Stimmung halten kann, wird es eine rauschende Jubiläumswoche.

Am Montag bei Masala: die Songpoeten Gianluigi Trovesi & Gianni Coscia (Italien) im Hermannshof Völksen, am Dienstag die verrückten Finnen um Johanna Juhola im Schloss Landestrost. Infos unter www.masala-festival.de

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