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Kultur Zuerst war da ein Spieltrieb
Nachrichten Kultur Zuerst war da ein Spieltrieb
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00:00 27.11.2014
Titelrolle zum Einstand:Mathias Spaan spielt Tasso. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Tom Kühnels Inszenierung von Goethes „Torquato Tasso“ überrascht mit einer ungewöhnlichen Besetzung: Den Mäzen, Herzog Alfons von Ferrara, spielt gleich ein ganzer Chor hannoverscher Bürger, Katja Gaudard und Beatrice Frey geben die beiden Prinzessinnen, die Partie von Tassos Konkurrenten Antonio übernimmt Mathias Max Herrmann. Und mit der Titelrolle stellt sich das neue Ensemblemitglied Mathias Spaan dem hiesigen Publikum vor. Bis zum Sommer war er noch am Staatstheater Mainz engagiert.

Die Frage, wie man dazu kommt, sein Hobby zum Beruf zu machen, ist Mathias Spaan gewohnt. „Viele meinen, dass ich das durchgezogen hätte, sei total abgefahren. Aber ich finde es überhaupt nicht abgefahren. Seit ich zehn Jahre alt bin, habe ich einfach immer weitergemacht.“ Spaan wurde 1989 in Oberhausen geboren und wuchs in Bottrop auf. Sein Vater arbeitete bei der Ruhrkohle AG. Das Theater wurde ihm dort sicher nicht in die Wiege gelegt. Doch er begann sehr früh mit Kursen an einer Studiobühne: „Ich habe nicht Theater gesehen und wollte da unbedingt hin. Zuerst war da einfach ein Spieltrieb, und das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert“, betont er lachend.

Mit 15 Jahren schwänzte Mathias immer öfter die Schule, machte aber nicht einfach blau, sondern übte Monologe. Die erste „richtige“ Inszenierung, die er sah, war „Romeo und Julia“ unter der Regie von David Bösch am Schauspielhaus Bochum. Er war überwältigt von den Möglichkeiten des Theaters. Im Theaterkurs, erzählt er, sei immer jemand reingekommen, hätte etwas gesagt und sei dann wieder abgegangen: Tür auf, Tür zu. Er sah eine riesige Bühne mit Wassergraben, und nichts war so, wie es eigentlich eins zu eins im Stück steht. Nach diesem Erlebnis fuhr Mathias Spaan öfter ins Theater - nach Oberhausen, nach Essen, ab und zu auch wieder nach Bochum. Zwei Freunde begleiteten ihn manchmal. Ansonsten sei die Theaterliebe doch eine ziemlich einsame Sache gewesen. Mit seiner Theaterliebe blieb er allein.

Mathias brach dann die Schule ab und besuchte eine private Schauspielschule in Köln. Seine skeptischen Eltern unterstützten ihn, und das Risiko zahlte sich aus, kurze Zeit später bestand er die Aufnahmeprüfung für Schauspiel an der Kunstuniversität Graz. Wegen seiner besonderen Begabung konnte er das Studium ohne Abitur aufnehmen. Sein erstes Engagement führte ihn für dreieinhalb Jahre ans Staatstheater Mainz. Mit Romeo, seiner letzten großen Rolle dort, schloss sich für ihn ein Kreis. Als er diese Rolle bekam, rannte er vor Freude schreiend durchs Theater.

Torquato Tasso, seine erste Rolle in Hannover, versteht er zunächst gar nicht. Doch er liest sich ein, gewöhnt sich an die schwierige Sprache, und die Arbeit mit Regisseur Tom Kühnel macht ihm Spaß. Die verworrene Beziehung von Leben und Arbeit beim Dichter Tasso kennt er als Schauspieler gut: „Man ist umgeben von Leuten, da sind manchmal auch Neider, man fühlt sich eingeengt, aber dann will man wieder raus und begeistern.“

Tasso trage das auch mit sich, dieses Hin- und Hergerissensein zwischen falschem Anspruch und hehrem Ziel. Das interessiert ihn am Stück. Es gehe nicht nur darum, einen Künstler zu durchleuchten, sondern auch seine Umgebung, die Gesellschaft oder das Publikum. Mehr noch: Wie geht diese Gesellschaft mit dem Künstler und seiner Arbeit um? Jede Form von Kunst sei ganz leicht anzufechten. „Das Einzige, worauf ich mich als Schauspieler berufen kann“, weiß er, „ist, dass ich drei Jahre studiert und drei Jahre in Mainz gearbeitet habe.“ Aber das sei eben nicht sichtbar. Wenn jetzt jemand käme und das infrage stellte, wäre das eine Katastrophe für ihn. Hier eskaliert im Stück auch der Streit mit Antonio, der Tasso als Müßiggänger und dessen Arbeit als sinnlos abtut: „Goethe hat das wie in eine Art Hitchcock-Krimi gepackt. Tasso gerät plötzlich in eine Situation mit einem Konkurrenten, der ihn am Hof und bei einer Frau ausstechen will.“

Für den Schauspieler Mathias Spaan stecken in der kraftvollen, bisweilen humorvollen Sprache „richtige Kracher“: „Manchmal denke ich in einer Szene, dass ich ja noch einen krassen Goethe-Vers habe, der meinem Gegenüber die Schuhe auszieht.“ Da kommt dann sein Spieltrieb wieder voll raus. Mit Unterstützung der Schauspielfreunde.

Von Katrin Ribbe

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