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Kultur Vom Charme des Tellergerichts
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16:15 26.02.2015
Meister im Heraufbeschwören von Heimeligkeit: Matthias Brodowy und Werner Momsen. Quelle: Marta Krajinović
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Hannover

Jeder, der einen Ausflug an die Küste oder in den Harz macht, landet früher oder später in einer dieser Gastwirtschaften, wo noch der leise Geruch von Zigarettenrauch längst vergangener Zeiten in den bunt gemusterten Sitzpolstern der Eckbänke hängt. Wo man Kännchenkaffee und Kroketten bekommt. Wo Flaschenschiffe und anderes Gedöns Nischen und Fensterbänke ausfüllen.

Der hannoversche Kabarettist Matthias Brodowy setzt solchen angestaubten Schankstuben in seinem aktuellen Duoprogramm „Och…“ mit Hamburgs Kultpuppe Werner Momsen ein musikalisches Denkmal. Klingt angestaubt, funktioniert aber erstaunlich gut.

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Oll statt hip

Im Sprechgesang, sich selbst am Klavier begleitend, rühmt Brodowy den Charme von altbackenen Wirtshäusern, in denen die Tellergerichte nicht unter einem Lorbeerblatt versteckt sind. So was im rappelvollen Pavillon am hannoverschen Raschplatz (rund 600 Plätze fasst der große Saal) vorzutragen, ist schon mutig. Schankstuben sind schließlich nicht antik oder retro, was ja schon wieder hip ist, sondern einfach nur oll. Dennoch erntet Brodowy begeisterten Applaus. Er hat es geschafft, etwas zu vermitteln, was jeder kennt, der nach einem langen Spaziergang mit unvermitteltem Regenguss irgendwo einkehrt: das Gefühl von Behaglichkeit.

Heimelig auf Erfolgskurs

Dieses Heraufbeschwören von Heimeligkeit oder auch Heimatlichkeit ist wohl der Erfolg des zweistündigen Programms, in dem die beiden Nordlichter Brodowy und Momsen (souverän und pointenreich geführt und gesprochen von Hintermann Detlef Wutschik) über norddeutsche Eigenarten, Rezepte und Anekdoten schnacken. Viel Neues erfährt man dabei nicht, außer man ist kein Ostfriese und hat den Teelöffel bisher immer zum Umrühren von Kluntje und Sahne benutzt. „Das darf man auf keinen Fall“, belehrt Brodowy. Der Teelöffel sei nur dazu da, ihn in die leere Tasse zu stellen, um damit anzuzeigen, dass man keinen Nachschub mehr möchte. Solche Erläuterungen kommen recht volkshochschulmäßig daher. Manches, wie etwa Momsens Klein-Erna-Witze, ist auch ziemlich platt. Aber so ist er eben auch, der Norden. Viel Beifall für eine bodenständige Vorstellung.

Kerstin Hergt

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