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Kultur Matthias Reim begeistert seine Fans im Capitol
Nachrichten Kultur Matthias Reim begeistert seine Fans im Capitol
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16:12 24.04.2013
„Macho und kein Weichei“: Matthias Reim begeistert seine Fans im hannoverschen Capitol.
„Macho und kein Weichei“: Matthias Reim begeistert seine Fans im hannoverschen Capitol. Quelle: Kleinschmidt
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„Matze“-Sprechchöre werden laut im hannoverschen Capitol. Es ist kurz vor 20 Uhr, und ungefähr 900 Menschen warten ungeduldig auf ihren Liebling, den Schlagerstar Matthias Reim. Kaum, dass er mit seiner neun Mann starken Band die Bühne betritt und seinen Hit „Einsamer Stern“ schmettert, ist die Menge nicht mehr zu halten. Textsicher und enthusiastisch singt das Publikum Reims Stück vom Album „Unendlich“, das im Februar den ersten Platz der Deutschen Album-Charts stürmte.

Mit Muskelshirt, knackig-enger Jeans, zerfurchtem Gesicht und blond gefärbten Haaren verkörpert der 56-Jährige mehr einen Rock- als einen Schlagerstar. Mit seiner Reibeisenstimme singt er „Verdammt für alle Zeit“ und mit der Textzeile „Ich bin dein treuer Mann“ besonders den Frauen in die Herzen. Immer wieder betont er: „Es fällt uns Männern ja schwer, über Gefühle zu reden, wir sind schließlich Machos und keine Weicheier.“ Aber mit einem Song würde das mit dem Bekennen von Gefühlen immer gehen. Da fliegt dann auch schon mal eine Rose auf die Bühne, und Pappschilder mit Herzen werden hochgehalten. Aber der studierte Anglist und Germanist kann auch anders: Wenig später schleudert er den Zuschauern ein schön rockiges „Hey, ich hab mich so auf dich gefreut“ um die Ohren.

Am Dienstagabend begeisterte Sänger Matthias Reim seine Fans im Capitol mit Songs über Treue und Sehnsucht.

Matthias Reim schafft es, eine große Nähe zum Publikum aufzubauen. Die Fans scheinen ihm seine Texte zu glauben. Klar, der Mann, der mit vier verschiedenen Frauen fünf Kinder hat, weiß in Sachen Liebe, Sehnsucht und Herzschmerz wohl Bescheid. Egal, ob Ballade, Rocksong oder Schlager – Reim hat eine Fangemeinde, die einfach jedes Lied liebt und feiert. Und die – damit man sie auch richtig gut sehen kann – regelmäßig vom Saallicht ausgeleuchtet wird. Fast scheint es, als könne der in den neunziger Jahren hochverschuldete Sänger seinen Erfolg noch immer nicht richtig begreifen.

In der kurzen Pause hat Verena Küster, die ein „FC MR“-Shirt – Fanclub Matthias Reim – trägt, nur ein Wort für das Konzert: „Geil“! Nach fünf Jahren feiert sie mit ihren Freundinnen ein Revival der guten alten Zeiten, in denen sie zusammenkamen und Matthias-Reim-Lieder auswendig lernten.

Später schmettert der Schlagersänger den Ostrock-Klassiker der Band Karat,  „Über sieben Brücken musst du gehn“,  und bringt dank der Mundharmonika in „Unverwundbar“ auch ein bisschen Western-Style auf die Bühne. Nach gut zwei Stunden Spielzeit und vielen Titeln, die sich zum Schluss aufgrund des nahezu gleichen Grundbeats fast ein wenig ineinander mischen, endet das Konzert mit vier Zugaben, darunter dem melancholisch-trotzigen Rocksong „Unendlich“ und natürlich seinem größten Hit, „Verdammt, ich lieb’ dich“. Hier laufen auch die müden Besucher nochmal zur Höchstform auf und ein gutes, sehr langes Konzert geht mit Bombenstimmung zu Ende.

Von Agnes Beckmann