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Kultur Matthias Schweighöfer wird in „RubbeldieKatz“ zur Tussi
Nachrichten Kultur Matthias Schweighöfer wird in „RubbeldieKatz“ zur Tussi
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20:15 14.12.2011
Von Stefan Stosch
Die Frau links ist ein Mann und verliebt in die Frau rechts: Alexander/Alexandra (Matthias Schweighöfer) und Sarah (Alexandra Maria Lara).
Die Frau links ist ein Mann und verliebt in die Frau rechts: Alexander/Alexandra (Matthias Schweighöfer) und Sarah (Alexandra Maria Lara). Quelle: Universal
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Allerdings: Wenn man einen Herren der Schöpfung so unverfroren zur Beinhaarrasur zwingt und in Strumpfhosen steckt, wie das Detlev Buck in „RubbeldieKatz“ mit Matthias Schweighöfer tut, hat das schon wieder seinen Reiz.

Alexander Honk (Schweighöfer) ist Schauspieler, zumeist ohne Job, auch wenn sein Bruder und Manager Jürgen (Buck persönlich) ihn triezt, noch die zweifelhaftesten Rollen anzunehmen. Dann aber sieht Alexander als Alexandra seine große Chance: Hollywood dreht im Studio Babelsberg ein Drama, das im Nationalsozialismus angesiedelt ist.

Alexander erscheint beim Casting als nordisch-propperes BDM-Mädel. Da kann auch ein hartgesottener Hollywoodregisseur nicht widerstehen. Dann kommt es, wie es in solchen Fällen üblich ist: Die umgeschminkte Alexandra verliebt sich sogleich in die Hauptdarstellerin Sarah (Alexandra Maria Lara) – die Alexander zufällig schon vor den Dreharbeiten bei einem One-Night-Stand näher kennengelernt hatte. In der Verkleidung kann er sich ihr jedoch nur noch als beste Freundin nähern – und muss eifersüchtig miterleben, wie auch der männliche Hauptdarsteller des Nazi-Schinkens (Max von Thun) ein Auge auf Sarah wirft.

Matthias Schweighöfer in Frauenklamotten, eine romantische Liebesgeschichte und jede Menge schräge Gags. Regisseur und Schauspieler Detlev Buck liefert mit "Rubbeldiekatz" eine turbulente, neue Komödie. Kinostart ist am 15. Dezember.

Komödienexperte Buck hat sich in jüngerer Zeit an ernsthafte gesellschaftliche Themen gewagt, mit „Knallhart“ etwa an ein Drama über Jugendgewalt. Demnächst bringt er Daniel Kehlmanns Roman „Die Vermessung der Welt“ ins Kino, die fiktive Doppelbiografie des Mathematikers Carl Friedrich Gauß und des Naturforschers Alexander von Humboldt.

Bei „RubbeldieKatz“ kehrt Buck zur Komödie, ja, zur Klamotte zurück. Sein ausgeprägtes Gespür für Situationskomik und fürs Absurde hat er sich bewahrt. Wenn die Honk-Brüder und ihr Kumpel Jan (Dennis Moschitto) übers weibliche Geschlecht fachsimpeln oder bei Schneetreiben zum Grillen in den Berliner Tierpark ausrücken, dann erinnert das an den frühen Buck und Filme wie „Karniggels“ (1991) oder „Wir können auch anders“ (1993). Man kommt gar nicht dazu, sich über die Chuzpe zu wundern, mit der Buck ein Klischee nach dem anderen abarbeitet. Seine Koautorin beim Drehbuch war Anika Decker, die für Til Schweiger „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ schrieb.

Beim reichlich albernen Geschlechterspiel belässt es Buck nicht: Die Dreharbeiten in Babelsberg nutzt er dazu, um Hollywoods unstillbare Lust auf Kino über den Nationalsozialismus zu verhackstücken. Oder um es mit den Worten des deutschen Schauspielers (Max Giermann) zu sagen, der in Babelsberg auf die „Führer“-Rolle abonniert ist: Ohne Hitler kämen die Hollywood-Leute gar nicht nach Deutschland. So aber hat der „Führer“ in Potsdam-Babelsberg sogar ein eigenes Dixi-Klo. Da steht „Hitler“ drauf, und Schäferhund Blondie wartet brav, bis Herrchen wieder rauskommt. Ob das wohl so oder so ähnlich ausgesehen hat, als Quentin Tarantino in Babelsberg „Inglourious Basterds“ drehte?

Am Ende kriegt Regisseur Buck tatsächlich noch die Kurve zum Roman­tischen, dreht dann jedoch ein paar Warteschleifen zu viel beim Anflug aufs ­Happy End. Dennoch bietet „RubbeldieKatz“ einen Vorteil: Der momentan omnipräsente Matthias Schweighöfer („Friendship!“, „What a Man“) ist als Frau gar nicht zu erkennen. Aber dafür spielt er richtig gut.

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