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Kultur Max Prosa zählt schon jetzt zu den großen Poeten
Nachrichten Kultur Max Prosa zählt schon jetzt zu den großen Poeten
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11:08 30.04.2013
Von Uwe Janssen
Foto: Ein junger, deutscher Dylan? „Wenn man Locken hat und eine Gitarre, dann wird man halt so genannt, ohne einen Ton gespielt zu haben“, meint Max Prosa zu seinem Spitznamen.
Ein junger, deutscher Dylan? „Wenn man Locken hat und eine Gitarre, dann wird man halt so genannt, ohne einen Ton gespielt zu haben“, meint Max Prosa zu seinem Spitznamen. Quelle: dpa
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Berlin

„Hallelujah“ covern? Ganz einfach: Max Prosa, der Berliner Liedermacher, hat einfach den Song aufgenommen, recht rau sogar und nicht bis in die letzten Ecken ausgefeilt. Dann hat er die Version ans Management von Leonard Cohen geschickt. Und prompt kam am nächsten Tag eine Antwort. Eine positive Antwort. Nein, mehr noch. Eine stolz bis euphorisch machende Antwort. Diese deutsche Version, ließ Cohen ausrichten, sei so ziemlich die einzige Version von den vielen, vielen eingereichten, die ihm gefalle. Nun ist sie auf dem Album: mit der offiziellen Segnung des Meisters. Siehst du, Heino, so geht das.

Ein Ritterschlag für den 22-jährigen Lockenkopf. Doch Lorbeer ist Prosa fast schon gewohnt, wird er doch seit seinem Debüt als neuer Dylan gehandelt. Ein junger, deutscher Dylan? „Wenn man Locken hat und eine Gitarre, dann wird man halt so genannt, ohne einen Ton gespielt zu haben“, hat er mal in einem Interview gesagt. Aber er sagt auch, dass er Dylan verehrt. Auf „Rangoon“, seinem neuen Album, setzt er ihm sogar ein Denkmal. In „Café noir“ romantisiert er nostalgisch die Poetenszene, in der es keine Smartphones gibt und Timeslots, sondern Schnaps und Zigaretten, Traurigkeit und Hoffnung. Und Träume, lauter Träume. Loserträume und Poetenträume. Romeo trinkt sein sechstes Bier, seine Julia hat Spätschicht bis halb vier. Und Onkel Bob sitzt mit der Mundharmonika an der Bar und hat eher schlechte Laune. Ein Schmelztiegel der Befindlichkeiten, dieses Café noir, in der siebenminütigen Führung von Max Prosa hört man den Staub fliegen, wenn jemand sein Glas auf die Theke knallt, um einen neuen Drink zu ordern.

Es knarzt an allen Ecken auf diesem Album. Allen voran knarzt Prosas Stimme, hinter der man wahrlich keinen jungen Typen mit blonden Locken, sondern oft eher einen Typen wie Tom Waits oder wenigstens dessen Kölner Pendant Gerd Köster erwarten würde. Aber es knarzen und knirschen auch die Songs. Prosa wettert gegen die da oben, „die ihr Strippen zieht und dann vor dem Elend flieht“ und „die ihr spüren lasst, wie sehr ihr euch selber hasst“. Wer mit solcher Lyrik um die Ecke kommt, muss es entweder beißend ironisch meinen oder bitterernst. Bei Prosa weiß man manchmal nicht genau, aber die Intensität des Vortrags im Song „Chaossohn“ spricht dafür, dass er wirklich wütend ist. Außerdem würde einer wie er nie seine Zunft verraten, die mit ihren Liedern bewegen möchte. Mindestens zum Nachdenken, vielleicht auch zum Aufstehen und Selberwütendsein. „Hallelujah“ hat Misha Schoeneberg ins Deutsche übersetzt, der frühere Lebensgefährte von Rio Reiser. Prosa weiß, an wem er sich zu orientieren hat.

Max Podeschwig, wie er bürgerlich heißt, war mit Clueso auf Tournee, dürfte mit „Rangoon“ aber aus dem Vorband-Dasein ein für allemal heraus sein. Wenn er es mit Dylan hält, wird er viel touren und zum Nachdenken oder zu was auch immer bewegen. Dass er seine Zuhörer nicht kalt lässt, beweist er schon auf dem Album.

Max Prosa: „Rangoon“ (Columbia)

Am 13. Mai um 20 Uhr ist Prosa im Musikzentrum Hannover zu Gast.