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22:17 24.10.2013
Im Wohnzimmer: Maxim. Quelle: Hagemann
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Hannover

Die Musiker haben es sich gemütlich gemacht. Die Bühne im Musikzentrum ist als Wohnzimmer eingerichtet, Teppiche bedecken den Boden, eine Tür steht halb offen, ein bemaltes Laken zeigt ein Sideboard mit antiquiertem Radio. Im Mittelpunkt des Raums ist ein runder Hut zu sehen, und unter der Krempe steht der Mann, der das vielleicht beste deutschsprachige Album des Jahres veröffentlicht hat.

Auf seiner vierten CD „Staub“ mischt Maxim melodischen Pop mit Hip-Hop-Elementen, was auch nach monatelangem Hören nicht langweilig wird. Im Musikzentrum spielt er „Staub“ komplett durch. Von der Vorgängerplatte „Asphalt“ haben es nur wenige Lieder wie etwa „Schaufenster“ ins Konzert geschafft. Seine früheren Reggae-Songs hat der 31-Jährige in der Abstellkammer gelassen. Die Streicher, die auf dem neuen Album zu hören sind, aber auch.

Melodischer Pop mit Hip-Hop-Elementen: Maxim im Musikzentrum in Hannover

Während des Konzerts wird immer klarer, wie viel von diesem Wohnraum in Maxims Liedern steckt. Es ist der Ort, in dem die unglücklichen Ferngespräche aus dem Song „Staub“ geführt werden. Es ist die Wohnung, in der der Kölner singt: „Hier, hier, hier, zwischen Schreibtisch und Bett, wo man nie genug drin ist und nie weit genug weg“ („Hier“). Es ist das Zimmer, in dem Maxim mit Liebeskummer sitzt und seufzt: „Immer, wenn mein Herz nach dir ruft und das Chaos ausbricht in mir drin, schicke ich meine Soldaten los, um den Widerstand niederzuzwingen.“ („Meine Soldaten“). Maxim bricht von diesem Mittelpunkt zu seinen Reisen in die Wortwelten auf, die seine Lieder ebenso prägen wie seine weiche Stimme. Genauso wie auf dem Album bewegt auch live die Ballade „Vielleicht in einem anderen Leben“, eine Hymne für alle, die Ausbrüche aus ihrer engen Lebenswelt nur in der Phantasie zulassen wollen.

Maxim und seine vierköpfige Band können aber auch laut: Songs wie „Ein Winter noch“ enden mit Schlagzeugwumms und einem arg beschleunigten Anschlagen der Gitarrensaiten. Die 480 Zuschauer, dazwischen einige mit Maxim-Reminiszenzhüten, nehmen laute wie leise Töne begeistert auf. Nach fast eineinhalb Stunden ohne einen einzigen enttäuschenden Moment verlässt der Sänger nach den Zeilen „Ich hab alles versucht, meine Energie ist verbraucht / Mehr hol ich nicht aus mir raus“ unser neues Lieblingszimmer.

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