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Kultur Maybebop feiert Geburtstag
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18:51 04.05.2012
Von Manuel Becker
Foto: Maybebop und das NDR Pops Orchestra im Großen Sendesaal des NDR.
Maybebop und das NDR Pops Orchestra im Großen Sendesaal des NDR. Quelle: Insa Catherine Hagemann
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Hannover

Es ist ein selbst gemachtes Geburtstagsgeschenk: Zum zehnten Bestehen der A-cappella-Gruppe Maybebop genehmigt sich das Quartett aus Bass Sebastian Schröder, Bariton Oliver Gies, Tenor Lukas Teske und Countertenor Jan Bürger drei Konzerte zusammen mit dem NDR Pops Orchestra. Statt ohne Kapelle wird also groß aufgespielt mit Geigen und Trompeten, mit einem achtzigköpfigen Orchester.

Dieses bleibt zunächst im Hintergrund. Die ersten Töne gehören Bass Sebastian Schröder. Hauchzart legt sich die Stimme von Oliver Gies, der die Melodie von „Die Gedanken sind frei“ anstimmt, über die Basstöne. Es ist ein langsames Crescendo: Erst kommt ein Fagott hinzu, dann setzt das Schlagzeug ein, und Jan Bürger und Lukas Teske singen spielerisch, jazzig, als würden sie improvisieren um die Melodie herum. Im blauen Licht stehen die vier Sänger vor dem Orchester, bei dem nun die Streicher einsetzen, dann die Bläser. Kurz vor dem großen Finale endet das Stück schließlich so, wie es begonnen hat: a cappella.

Der erste Applaus könnte seiner Stärke nach schon der Schlussapplaus sein, doch was die vier Musiker anschließend aufbieten, endet erst nach zweieinhalb Stunden mit Ovationen im Stehen. Es ist ein Experiment, sich mit einem Orchester zu verstärken, obwohl es Maybebop ja gerade auszeichnet, ohne Instrumente auszukommen. Aber das Experiment gelingt erstklassig. Hier singt eine der besten A-cappella-Bands Deutschlands, und Dirigent Enrique Ugarte hat ihr zum Geburtstag wunderschöne Arrangements geschrieben. Das Orchester begleitet die vier Sänger nicht nur, es setzt immer wieder starke, eigene Akzente. Mal durch wilde Läufe bei den Streichern, explosive, staccatoartige Bläser oder gefühlvolle Querflötentöne, die ein Stück einleiten. Die Klangfarbe passt sich dabei stets dem Temperament der Maybebop-Songs an, die oft frech und forsch sind und mit schönen Pointen das Publikum zum Lachen bringen. Es ist ein wunderbares Zusammenspiel zwischen dem Orchester und den vier Sängern, die zu ihren Songs auf der Bühne tanzen, laufen und springen, obwohl dort nicht viel Platz ist. Ihre musikalische Vielfalt zeigt sich dabei bei jedem Lied. „Gummibaum“ klingt nach Tausendundeiner Nacht, „Was uns verbindet“ poppig. Dann hat Bass Sebastian Schröder seinen großen Auftritt und singt mit rammsteinscher, dunkler, tiefer Stimme und weit aufgerissenen Augen vom Dasein im Mutterleib: „Was soll ich an der frischen Luft?“ Anschließend improvisieren sich die vier herrlich durch Johann Sebastian Bachs „Air“: erst klassisch zart, dann jazzig laut. Die Tempo- und Stilwechsel sind dabei so elegant, das Zusammenspiel mit dem Orchester so abgestimmt, als würden Sänger und Orchester schon seit Jahren zusammen auf Tour gehen. Nicht nur das Publikum ist von dem starken Auftritt begeistert. Auch Dirigent Enrique Ugarte klatscht anschließend spontan Beifall, und mancher im Orchester lächelt, staunt und schlägt mit dem Bogen auf sein Pult.

Der Abend hat noch viele Höhepunkte, etwa ein Stück im Volksmusikstil mit Tanzeinlage, ein schönes Liebeslied über „Kuschelsex und Händchenhalten“ und am Ende einen Selfmadesong, in dem Oliver Gies aus Wörtern, die ihm das Publikum zuruft, zu einem vom Publikum ausgesuchten Musikstil, einen Song mit starken Pointen bastelt. Am Ende des Abends sagt er: „Das hier heute war unser allergrößtes Geburtstagsgeschenk.“ Recht hat er: Alles Gute, Maybebop.

Noch einmal am Sonnabend um 20 Uhr, das Konzert ist ausverkauft.

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