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Kultur Meeresbiologin Antje Boetius im Literarischen Salon
Nachrichten Kultur Meeresbiologin Antje Boetius im Literarischen Salon
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18:51 07.11.2017
Von Ronald Meyer-Arlt
Wunderliche Wesen aus der antarktischen Tiefsee: Moostierchen, auf den Moostierchen: Seeanemone (links), Haarstern (Mitte) und Schwämme. Quelle: Julian Gutt
Hannover

Über Bücher wurde kaum geredet. Das Buch „Das dunkle Paradies – Die Entdeckung der Tiefsee“, das Antje Boetius vor sieben Jahren zusammen mit ihrem Vater, dem Schriftsteller Henning Boetius, geschrieben hat, ist auch nur noch als e-book oder im Antiquariat erhältlich. Trotzdem ist Antje Boetius zu Gast im Literarischen Salon. Denn in seiner Reihe „Kulturphänomene“ erlaubt sich der Salon gern mal Abstecher in andere Welten.

Die andere Welt, von der die Meeresbiologin Antje Boetius hier zwei Stunden lang eindrucksvoll berichtet, ist fremder als das, was mancher Science-Fiction-Film und spannender als das, was mancher Krimi präsentiert. Antje Boetius, Professorin an der Uni Bremen und seit Anfang November auch Leiterin des Alfred Wegener Instituts für Polar- und Meeresforschung, erzählt von Tauchgängen, vom Leben und Arbeiten auf einem Forschungsschiff und von einem Land, das nicht fern liegt, aber dennoch weitgehend unentdeckt ist: die Tiefsee.

Ein anderer Planet

Die beginnt dort, wo kein Tageslicht mehr zu sehen ist und reicht sehr, sehr tief: Elf Kilometer geht es runter, bis der Grund des Marianengrabens, der tiefsten Stelle der Weltmeere, erreicht ist. Dorthin sind zwar Menschen mit U-Booten gefahren, aber anders als auf dem Mond haben Menschen hier noch keine Fußspuren hinterlassen. Fische gibt es ganz unten in der Tiefsee nicht, aber Quallen, Seegurken, Krebse und viele Mikroben. Die Vielfalt des Lebens in der Tiefsee macht die Meeresbiologin mit einem Beispiel deutlich: „Man entnimmt dem Boden einen Teelöffel voller Schlamm und entdeckt 2000 neue Arten.“

Info

Am Montag, 13. November, ist Ingo Schulze um 20 Uhr zu Gast im Literarischen Salon. Er stellt seinen Roman „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“ vor.    

Für sie ist die Tiefsee „ein anderer Planet auf unserem Planeten“.Unglaubliches hat sie zu berichten: von der Langsamkeit des Lebens in großer Tiefe („Ein toter Wal, der hinabsinkt, ist ein Fest für die Tiere, sie fressen 40 Jahre daran“), von merkwürdigen Essgewohnheiten („Es wurden Bakterien entdeckt, die von purer Elektrizität leben“) oder von neuen Chancen, die die Erforschung der Tiefsee bietet („Dort gibt es Lebewesen, die uns bei der Suche nach neuen Antibiotika helfen können“).

Die Tiefseeforscherin spricht voller Leidenschaft von der fremden Welt – und bemüht sich dabei erfolgreich um Anschaulichkeit. Einmal reicht sie den Zuhörern Manganknollen vom Grund der Tiefsee. Während die schweren und etwas krümeligen Knollen durch die Zuschauerreihen wandern, erzählt Antje Boetius, dass Mikroorganismen fünf Millionen Jahre gebraucht haben, bis sich solch eine Knolle entwickelt hat. Weil sich in den Knollen Metalle befinden, die für die Industrie interessant werden, beginnt jetzt der industrielle Abbau der Manganknollen in der Tiefsee. Dadurch werden Lebensräume unwiederbringlich zerstört.

Was wir nicht heilen können

Boetius setzt sich vehement für eine Beschränkung der industriellen Nutzung der Tiefsee ein: „Was wir in der Tiefsee angerichtet haben, das können wir nicht mehr heilen.“ Das Leben da unten ist kompliziert, und es bewegt sich in Zeitdimensionen, die uns fremd sind. Auf den Manganknollen befindet sich eine besondere Art von Schwämmen, die wiederum Kraken nutzen, um ihre Eier auzubrüten. Dafür brauchen die Kraken acht Jahre. Umgepflügt ist ein Feld voller Manganknollen in wenigen Sekunden.

Ein anderes Problem ist die Erderwärmung, die in den Eisregionen besonders deutlich wird. „Die Geschwindigkeit der Veränderung ist unglaublich“, sagt Antje Boetius, „es gibt keine Möglichkeit der evolutionären Anpassung mehr.“ Das heißt auch: Das, was Meeresbiologen jetzt erforschen, könnte es schon bald nicht mehr geben. 

Comeback mit opulentem Schnauzbart: Hercule Poirot lässt sich durch nichts aus der Bahn werfen, schon gar nicht durch einen „Mord im Orient-Express“ (Kinostart am 8. November). Kenneth Branagh inszeniert sich selbst als Agatha Christies ziemlich abgefahrenen und selbstverliebten Detektiv. Für die vielen anderen Darsteller bleibt da kaum Raum.

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