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Kultur „Meine Frau, unsere Kinder und ich“: Der Familienstress geht weiter
Nachrichten Kultur „Meine Frau, unsere Kinder und ich“: Der Familienstress geht weiter
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12:52 24.12.2010
Wer wickelt hier wen um den Finger? Jack (Robert De Niro, links) und Gaylord (Ben Stiller).
Wer wickelt hier wen um den Finger? Jack (Robert De Niro, links) und Gaylord (Ben Stiller). Quelle: ap
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Vor allem Robert De Niro als Schwiegervater Jack Byrnes zeigt abermals sein lange ungekanntes Komödiantentalent und sorgt für aberwitzige und komisch-dramatische Verwicklungen, Turbulenzen und Peinlichkeiten – dieser Film ist ein gutes Mittel gegen allzu weihnachtliche Lethargie.

Die Handlung ist überschaubar: Im Kern geht es darum, wie sich Pam und Gaylord, der lieber Greg genannt werden möchte, von ihren wohlmeinenden Eltern emanzipieren können, die ganz eigene Pläne haben. Jack will seinen entsetzten Schwiegersohn sogar als neues Oberhaupt der Byrnes-Familie, als Godfocker, installieren – wenn er sich dieser Ehrung als würdig erweisen sollte. Das hindert Jack aber nicht daran, seinen Schwiegersohn mit kleinen, fiesen Tricks zu demontieren.

In bewährter Slapstickmanier setzt Regisseur Paul Weitz die beiden ersten Focker-Filme „Meine Braut, ihr Vater und ich“ und „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ fort. Spätestens nach dem ersten Drittel des Films ist absehbar, welche Fallstricke auf Greg warten. Diesmal ist es vor allem eine bildhübsche Arzneimittelvertreterin mit dem lustigen Namen Andi Garcia (Jessica Alba), mit der ihm sein Schwiegervater ein Verhältnis unterstellt. Und dann taucht auch noch Pams Exfreund auf: Kevin, der immer noch tiefe Gefühle für seine Verflossene hegt und zu allem Überfluss auch noch unglaublich reich und erfolgreich ist.

Jede Menge verrückte Einfälle, schlagfertige Dialoge und herrlich-komische Peinlichkeiten lassen vergessen, wie durchschaubar der ganze Film ist. Das liegt an der hervorragenden Regie von „American Pie“-Regisseur Weitz sowie an Schauspielern, die im nunmehr dritten Film wie vertraute Familienmitglieder miteinander agieren: Robert De Niro als grummelnder Jack Byrnes wacht immer noch eifersüchtig über seine geliebte Tochter Pam; Ehefrau Dina (Blythe Danner) kann ihren Gatten nur mit Mühe bändigen. Hinzu kommen Barbra Streisand und Dustin Hoffman als Gregs durchgeknallte Eltern Samantha und Bernie Focker und Owen Wilson als Exlover Kevin, der ganz in Weiß wie eine Lichtgestalt daherkommt. Harvey Keitel glänzt mit einem Gastauftritt als Bauarbeiter Randy.

Plump-derb, auch das nichts Neues, sind mitunter die Witze. Mit musikalischen Kondomen und Erektionsmitteln ist in diesem Genre verlässlich zu rechnen. Prompt stürzt eine dieser kleinen Potenztabletten Gregs Schwiegervater in Bedrängnis, und ausgerechnet Greg soll ihn daraus befreien. Doch trotz derart platter Schenkelklopfereinlagen kommt der Film heil ins Ziel. Vielleicht auch, weil es in diesen Weihnachtstagen durchaus angenehm ist, Familien und ihren tölpelhaften Missgeschicken zuzuschauen – vom sicheren Kinosessel aus.

Derb, aber witzig. Cinemaxx Raschplatz, Cinemaxx Nikolaistraße, Neue Schauburg, Utopia, CineStar.

Cordula Dieckmann