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Kultur Metzler Lexikon Avantgarde
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10:57 26.01.2010
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Avantgarde ist einer der schillerndsten Begriffe im kulturellen Diskurs. Er wird anerkennend oder polemisch, weit oder eng gefasst verwendet. Eine Schärfung und Klärung des Begriffs leistet das „Metzler Lexikon Avant­garde“, herausgegeben von dem Groninger Kulturwissenschaftler Hubert van den Berg und dem Osnabrücker Literaturprofessor Walter Fähnders. Das Stichwortspektrum reicht von A wie Absolute Dichtung bis Z wie Zufall. Rund 80 Autoren haben an dem internationalen Gemeinschaftswerk mitgearbeitet. Sie haben sowohl die bildende Kunst als auch die Literatur im Blick, was die besondere Stärke dieses Lexikons ausmacht.

Einzelbeiträge sind Bewegungen wie dem Futurismus oder dem Konstruktivismus gewidmet. Man erfährt aber auch, was unter „Akmeismus“, „Imagismus“ oder „Plagiarismus“ zu verstehen ist. Auch der arabischen oder der jiddischen Avantgarde sind Beiträge gewidmet – und auch Spezialfeldern wie „Cyberpunk“ oder „Gender“.

Im einleitenden Essay behandeln die Herausgeber die (Begriffs-)Geschichte. Der Ausdruck Avantgarde („Vorhut“) ist militärischen Ursprungs. Den französischen Dichter Charles Baudelaire veranlasste das, gegen die „Kampfdichter“ und ihren Corpsgeist zu polemisieren. Die Avantgardisten brachten eine Fülle von Ismen hervor, vom Adamismus bis zum Zenitismus. In ihrer Schrift über die „Kunstismen“ von 1925 zählten Hans Arp und El Lissitzky auch „Merz“, das Spezialgebiet des hannoverschen Künstlers Kurt Schwitters, zu den 15 in ihren Augen relevanten Ismen. 1962 konstatierte Hans Magnus Enzensberger, die Bewegung sei zu ihrem Gegenteil, sei zum Anachronismus geworden. Mit seiner „Theorie der Avantgarde“ versuchte Peter Bürger in den siebziger Jahren eine Rehabilitierung.

Als gemeinsame Grundzüge der diversen Richtungen nennen van den Berg und Fähnders das Grenzüberschreitende, die Neubestimmung von Kunstwerk und Künstler und die Emanzipation des Publikums. Bei derartigen Nachschlagewerken stellt sich heute die Frage, ob Internetsuchmaschinen nicht effizientere Recherchemittel sind. Im Fall des „Metzler Lexikon Avantgarde“ muss man das verneinen. So schnell blickt man sonst nirgends durch das Avant­gardedickicht.

Johanna di Blasi

Herausgeber




Hubert van den Berg, Walter Fähnders

Titel

Metzler Lexikon Avantgarde

Verlag

J. B. Metzler

Seitenzahl

404 Seiten

Preis

59,95 Euro

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