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Kultur Michael Bublé gastiert in der TUI Arena Hannover
Nachrichten Kultur Michael Bublé gastiert in der TUI Arena Hannover
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20:26 14.10.2010
Michael Bublé in der TUI Arena. Quelle: Frank Wilde

Ein geschlossener Vorhang in einer dunklen, großen Halle. Dann blaue und grüne Lichter. Der Sound einer Big Band ertönt. Dann gibt der helle Stoff langsam den Blick frei auf Michael Bublé und seine Musiker. Klassischer kann ein Konzert kaum beginnen. Die Musik passt dazu: Julie Londons Evergreen „Cry me a River“, dramatisch, pathetisch, großes Kino. Ein Feuerwerk gibt’s dazu. Und man ahnt: Es wird ziemlich retro an diesem Abend. Dabei ist der Mann so jung!

Der 35-jährige kanadische Sänger hat wie Robbie Williams auch Swing und Jazzpop für ein junges Publikum geöffnet. Auf seiner „Crazy Love“-Tour macht er nun Station in Hannover. In die TUI Arena, der größten Halle am Ort, hat er rund 5000 Zuschauern alles mitgebracht, was ihn ausmacht: ein elegantes und apartes Auftreten, Witz, Charme, eigene, neue Songs und Interpretationen alter Hits.

Dass die Veranstaltungshalle an der Expo-Plaza halb leer ist, geht er ganz offensiv an: Er lässt die leeren Flächen demonstrativ mit Scheinwerfern illuminieren, merkt sicherheitshalber an, dass dies die erste Show auf seiner Tour sei, die nicht ausverkauft ist – und verspricht denen, die gekommen sind, nicht weniger als „Alles! Ihr sollt heute Abend Spaß haben“. Dann improvisiert er mit den Zeilen „I got a feeling that tonight’s gonna be a good night“ aus einem Hit der Black Eyed Peas.

Recht früh an diesem Abend singt er seine Version von „Mack The Knife“. Brecht und Weill schufen 1928 die „Moritat von Mackie Messer“, die seither von vielen und eben auch von Bublé gecovert wurde – und das sehr erfolgreich. Sein Geschäft mit Neuauflagen läuft gut. Und so setzt er sich mit dem Hauch einer längst vergangenen Zeit in Szene. „Das ist ein nettes Lied über einen Mann, der Menschen umbringt“, kündigt er an, und die Zuschauer gehen mit, lachen über Bublés lockere, sarkastische Anmoderationen. Bublé, im dunklen Anzug, ist voll in Fahrt, tanzt, hüpft auf und ab, schwingt sein Bein, dreht sich um die eigene Achse. Doch dieser Abend soll nicht nur von den Songs bestimmt sein, die ihm in Kanada und den USA Superstarstatus eingebracht haben. So wie die „Crazy Love“ mal süß und mal sauer ist, so sind auch die Songs des gleichnamigen Albums: mal sentimental zurückhaltend, dann wieder dynamisch heiter – und gelegentlich auch rockig.

Für „All I do Is dreaming of you“ und „Some kind of wonderful“ begibt er sich mitten ins Publikum und schüttelt viele Hände. Er wolle schließlich auch den Leuten in den hinteren Reihen „Hello“ sagen. Das macht ihn liebenswert. Beim nächsten Song wird so viel Zuwendung entsprechend gefeiert: Bublé, der gern im „Rat Pack“-Stil covert, singt seine erste Eigenkomposition, die aus dem Jahre 2005 stammt und ihrerseits später von anderen Künstlern interpretiert wurde. Die Fans stimmen in den Refrain von „Home“ mit ein, und auf der Leinwand im Bühnenhintergrund erscheint Hannovers Neues Rathaus. Bei „How sweet it is“ stampft die Big Band mächtig los, das Publikum klatscht mit, und Bublé liefert weiterhin eine stimmgewaltige Show.

Das Kuschelpopimage, mit dem der Sänger lange vermarktet wurde und gegen das er sich lange gewehrt hat, hat er weitgehend abgelegt. Bublé kann nicht nur schmalzig ins Mikro säuseln. Diesen Beweis führt er mit der Rock -’n’-Roll-Partynummer „Heartache Tonight“ von den Eagles. Powerriegel statt Zuckerwatte. Und „Haven’t met you yet“ ist eine Hommage an „All You Need Is Love“ und die Beatles.

Dann ist Schluss, Bublé verbeugt sich und verschwindet über eine Treppe in der Versenkung. Nach minutenlangen Ovationen im Stehen erleben die Fans einige Zugaben als Abschluss eines großen Abends, der alle vorgewärmt in die kalte Oktobernacht entlässt.

Julia Fischer

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