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07:47 09.01.2018
Michael Patrick Kelly im Theater an Aegi. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

 Identitäten hatte Michael Patrick Kelly schon viele: Er war Straßenmusiker, gefeierter Stadion-Act, Teenieschwarm, Mönch, Teilnehmer einer Fernsehshow. Und genauso viele Geschichten hat der Künstler zu erzählen – vom nicht enden wollenden Ruhm, von Erfolg, Absturz, Sinnsuche und dem Start in ein neues Leben. „Wer bin ich? Wer bist du? Wer sind wir?“: Auf seiner „iD“-Tour zum gleichnamigen Album will Kelly Antworten auf diese Fragen finden und fängt direkt bei sich an – bei seiner „iD“, seiner Identität.

Breites musikalisches Spektrum

Das musikalische Spektrum, dass er am Montagabend dem Publikum im ausverkauften Saal anbietet, ist breit. Songs wie „Golden Age“ und „Higher Love“ vom neuen Album spielt er genauso wie religiöse Balladen und Hits aus Kelly-Family-Zeiten. Ganz so, als versuche er herauszufinden, wen die Zuschauer sehen wollen – Kelly, den einst gefeierten Popstar, oder Kelly, den Künstler, der von der Vergangenheit emanzipiert und nach einem Aufenthalt als Mönch in einem französischen Kloster komplett neu erfunden hat. 

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Ein Kelly in Hannover: Am Montag spielte Michael Patrick Kelly im ausverkauften Theater am Aegi. Die Show war ursprünglich bereits im Dezember geplant – musste aber aus gesundheitlichen Gründen ins neue Jahr verlegt werden.

Der einstige Teenieschwarm Paddy Kelly, der mit seiner weltberühmten Straßenmusiker-Familie in den Neunzigerjahren Besucherrekorde brach, wirkt angekommen und zufrieden. Doch obwohl er davon singt, das alte Leben einfach abzuschütteln und ganz frei neu zu beginnen, lässt Kelly die Vergangenheit nicht so einfach los. Nicht zuletzt, weil die vielen vor allem weiblichen Fans im Publikum den Popstar seit seinen Anfängen als langhaarigem Teenager begleiten, bekreischen und verehren. Das ist auch im Theater am Aegi zu spüren, wo Tränen fließen und sich Arme wie zum Gebet in die Luft recken. Immer wieder finden Geschenke ihren Weg durch die Stuhlreihen auf die Bühne. Und obwohl sich der Musiker betont bodenständig und nahbar gibt, umweht ihn bis zum Ende der Show diese alte Aura von dem Jungen, der mit seiner Stimme Stadien füllte. 

Das Publikum trägt den Künstler mit viel Beifall durch alle Stücke – jubelt und tanzt bei energiegeladenen Songs wie „Ares qui“ und „Renegade“, träumt bei Covern von Gentlemans „Memories“ und Mark Forsters „Flüsterton“. Sogar eine Schweigeminute, die der Künstler einfordert, um Frieden zu finden und innezuhalten, funktioniert. Keine noch so dramatisch gen Himmel gereckte Faust, kein überzogenes Wegwerfen des Mikrofonständers und keine einstudierte Rockerpose scheint die Fans zu irritieren. 

Überzogene Gesten

Kelly, der im zarten Alter von zehn Tagen das erste Mal auf eine Bühne getragen wurde, stellt an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis, dass er in jeder seiner zahlreichen Rollen und Lebensphasen ein Vollblutmusiker ist, der sich sicher auf der Bühne bewegt, gemeinsam mit seiner fünfköpfigen Band improvisiert und sich mal sanft, mal rockig präsentiert. Allerdings ist das auch ein Dilemma – der gebürtige Ire kann viel, will in dem eher beschaulichen Rahmen des Theater am Aegi aber zu viel. Zeitweise wirken seine Gesten wie gemacht, um Stadien mit mehreren zehntausend Zuschauern mitzureißen, die Bilder auf der Leinwand hinter ihm scheinen die Bühne zu erdrücken und wenn er große verstorbene Rockstars huldigt, wirkt das ein wenig deplatziert.

Den pathetischen Höhepunkt findet das Konzert nach mehr als zwei Stunden in den Songs „Last Words“ und „Hope“, in denen Kelly zunächst berühmte Persönlichkeiten wie Frank Sinatra, Marie Antoinette oder James Dean in ihren letzten Stunden zitiert und sich theatralisch zu Boden sinken lässt. Doch dann steht er wieder auf. Als Zeichen, dass es weitergeht. 

Von Linda Tonn

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