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Kultur Michelle Williams und Gael García Bernal in „Mammut“
Nachrichten Kultur Michelle Williams und Gael García Bernal in „Mammut“
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18:41 09.06.2010
Von Stefan Stosch
Michelle Williams und Gael García Bernal. Quelle: Memfis
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Manchmal will das Kino die ganze Welt umspannen. „Babel“ war ein gelungenes Beispiel dafür, jenes Drama, bei dem ein Gewehrschuss zweier Ziegenhirten in Nordafrika Folgen für ­Familien in Japan und in den USA hat. Etwas ähnlich Ambitioniertes versucht jetzt der Schwede Lukas Moodysson. „Mammut“ ist globales Kino zwischen New York, Thailand und den Philippinen – aber nicht mit der erzählerischen Wucht inszeniert wie Alejandro González Iñárritus „Babel“.

Mammut“ protzt mit Bedeutsamkeit. Der Regisseur, der noch in „Raus aus Amal“ (1997) und „Lilja-4-ever“ (2002) so präzise familiäre Schicksale beobachtete, gibt sich hier als Prediger: Kümmert euch mehr um eure Kinder, besonders ihr in eurer westlichen Luxuswelt! So lautet die Botschaft.

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Demonstriert wird das an dem New Yorker Wohlstandspaar Leo (Gael García Bernal) und Ellen (Michelle Williams), er ist Spieledesigner, sie eine beliebte Ärztin in einem Kinderkrankenhaus. Die beiden sind so beschäftigt, dass sie für ihren eigenen Nachwuchs kaum mehr Zeit haben. Um den kümmert sich mit großer Fürsorglichkeit die Nanny Gloria (Marife Necesito), die ihrerseits für den Job ihre Familie auf den Philippinen zurücklassen musste. In einer Parallelhandlung sehen wir, wie Glorias Kinder ums Überleben kämpfen. Schon diese Gegenüberstellung gerät ein bisschen plakativ: hier emotionale Verwahrlosung infolge übermäßigen Strebens nach Selbstverwirklichung, dort existenzielle Not infolge von Armut.

Dann fährt Leo geschäftlich nach Thailand, ein millionenschwerer Deal soll unterschrieben werden. Sinnend schaut Leo auf den sündhaft teuren Füllfederhalter, der ihm dort überreicht wird: Eingelassen in das Schreibwerkzeug sind Intarsien aus dem Elfenbein eines sibirischen Mammuts. Der Abschluss verzögert sich, und Leo landet als Teilzeitaussteiger an einem Strand. Eine gute Gelegenheit, mal das eigene Leben zu überdenken.

Mammut“ ist soziales Betroffenheitskino im Weltmaßstab. In edlen Hochglanzbildern watet Moodysson durch Luxus und Elend auf diesem Planeten, auf dass wir im Westen daraus lernen mögen.

Passt bloß auf eure Kinder auf: Betroffenheitskino. Apollo.