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Kultur Mieze Katz im Interview
Nachrichten Kultur Mieze Katz im Interview
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19:01 05.11.2012
Mieze Katz, Frontfrau der Band MIA., präsentiert sich auf der Bühne gern in schrillen Outfits.
Mieze Katz, Frontfrau der Band MIA., präsentiert sich auf der Bühne gern in schrillen Outfits. Quelle: dpa
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Hannover

Frau Katz, nach einem Jahr Pause und zwei Jahren Arbeit am aktuellen Album „Tacheles“ sind Sie zurück auf der Bühne. Was ist das für ein Gefühl?

Ein bisschen so, als wäre ich hundert Jahre weg gewesen. Obwohl ich während meiner Auszeit oft gedacht habe, dass ich mich nie wieder auf eine Bühne stellen kann, mit dem permanenten Feedback gar nicht mehr klarkomme. Aber jetzt, wo ich tatsächlich wieder auftrete, fühlt es sich richtig an, und ich genieße es in vollen Zügen.

Hat sich etwas verändert?

Ja, ich nehme alles ganz anders, viel bewusster wahr. Mich erlebt man deswegen zurzeit sehr spontan, und das drückt sich auch in den Texten aus. Als ich sie schrieb, wollte ich sie manchmal nicht einmal meinen Bandkollegen zeigen. Aber jetzt, wo ich vollauf damit zufrieden bin, will ich sie nur noch singen.

Ihre Band MIA. gibt es seit 15 Jahren, angefangen haben Sie als Schülerband. Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Ich habe an der Musikschule im Chor gesungen und eine klassische Gesangsausbildung bekommen. Bis ich irgendwann merkte, dass ich privat gar keine Klassik höre. Meine damalige Lehrerin hatte mich vor Pop- und Rockmusik gewarnt, ich würde damit meine Stimme ruinieren. Also habe ich mit der Band heimlich Musik gemacht. Als unser erster großer Song „Alles Neu“ fertig war, und ich wusste, morgen läuft er im Radio, habe ich mir ein Herz gefasst und es ihr gebeichtet. Es war nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Ein paar Jahre später hat sie mich sogar backstage besucht.

Früher nannten Sie Ihre Musik Elektropunk. Mittlerweile gehen die Charthits „Hungriges Herz“ und „Tanz der Moleküle“ eher in die Wave-Pop-Richtung. Woher kommt der Wandel?

Dass sich was verändert hat, sehen die Leute vor allem von außen. Wir machen einfach, worauf wir Lust haben, und wollen uns nicht auf eine Stilrichtung festlegen. Wenn wir Musik schreiben, fragen wir uns immer: Was ist MIA. für uns, und wo geht die Reise hin? Wenn MIA. ein Schiff wäre, dann für mich ein Piratenschiff, auf dem die Bandkollegen und ich durch alle Meere segeln und Abenteuer erleben. So fühlt sich unsere Arbeit an.

Die Texte für MIA. schreiben Sie selbst. Was inspiriert Sie?

Das Leben und die Menschen um mich herum. Ich liebe Worte, und wenn ich texte, vergesse ich Raum und Zeit. Songs zu schreiben, gibt mir die Möglichkeit, Bereiche in meinem Leben in Worte zu fassen, die ich sonst nicht bereden kann. Der Song „Brüchiges Eis“ etwa ist der emotionalste, den ich bisher geschrieben habe. Die Geschichte, die ich darin erzähle, über die kann ich einfach nicht sprechen. Vielleicht in ein paar Jahren, aber zurzeit geht das nur durchs Singen.

Auf der Bühne fallen Sie gern mal mit schrillen Outfits wie einem knallroten Lackmantel auf. Sind Sie auch privat so mutig?

Ja, klar. Die Bühne ist ja im Prinzip die Verlängerung meines Lebensgefühls. Für mich gibt es keine Modesünden, und Kleidung ist Kommunikation. In meinem Pausenjahr war ich in New York, und ich fand es so toll, wie oft sich die Leute dort auf ihre Klamotten ansprechen. Hier in Berlin gucken die Menschen erst mal verwirrt, wenn man zu ihnen sagt: „Hey, dein T-Shirt gefällt mir“.

MIA. spielt am 9. November, 20 Uhr, im hannoverschen Capitol

Isabel Christian