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Kultur Mit Major Tom im Supermarkt
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08:30 11.11.2015
„Geschichte ernst nehmen“: Moderator Joachim Otte (links) mit Anna Winger (Mitte) und RTL-Redakteurin Ulrike Leibfried. Quelle: Isabel Christian
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Hannover

Die ersten Zweifel kommen dem jungen DDR-Soldaten im Supermarkt. Immer größer werden Martins Augen, während er zu „Major Tom – Völlig losgelöst“ durch die üppig gefüllten Regale wandert und schließlich vor der Obsttheke mit den Bananen stehen bleibt. Bis gerade war er noch überzeugt davon, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der kapitalistisch-verdorbene Westen erkennt, dass im Osten alles besser ist. Aber hier, in diesem Bonner Supermarkt, gerät sein Patriotismus dann doch kurz ins Wanken.

Subtil-amüsante Szenen wie diese gibt es viele in „Deutschland ’83“, der neuen RTL-Serie, die ab 26. November im Fernsehen kommt. Sie erzählt in acht Teilen die Geschichte des DDR-Soldaten Martin, der als Spion für die Stasi in die deutsche Bundeswehr eingeschleust wird. Das Bemerkenswerte: In den USA ist die Serie um deutsch-deutsche Verhältnisse in der Hochzeit des Kalten Kriegs schon ein Hit, die Kritiker überschütten sie mit Lob. Im Literarischen Salon versuchten Drehbuchautorin Anna Winger und RTL-Redakteurin Ulrike Leibfried nun einen Erklärungsansatz.

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„Ich glaube, das Geheimnis liegt darin, dass wir die Serie für Deutschland gemacht haben“, sagt Anna Winger. „Je spezieller und lokaler die Themen sind, desto interessanter werden sie für den Weltmarkt.“ Ähnlich sieht das auch Leibfried. „Die Koproduktionen, die von Anfang an auf mehrere Märkte abzielen, werden immer schlecht. Darin findet sich am Ende niemand wieder.“ Eine Produktion dagegen, die sich auf ein Thema konzentriert, sticht hervor.

Doch auch, wenn sich „Deutschland ’83“ aus Sicht der deutschen Zuschauer bei „Weißensee“ einreihen kann, geht die Serie doch anders mit dem Stoff um. „Ich wollte kein reines Drama machen“, sagt Winger. „Eher eine Abenteuergeschichte über die Zeit.“ Psychologische Realität heißt das Stichwort, an dem sich Winger und die Produktionsfirma orientiert haben. Es geht nicht darum, nachzustellen, was war, sondern darum, wie es erlebt wurde. Deshalb ist die detailgetreue Ausstattung des Sets so wichtig. „Ein Beispiel ist die Szene mit dem Supermarkt. Klar ist da auch Klischee drin. Aber weil wir zeigen, wie Martin das wahrnimmt, bekommt das diesen subtilen Humor, weil viele Deutsche das auch erlebt haben“, sagt Winger.

Zugute kommt ihr, dass sie als gebürtige Amerikanerin weder aus der Ossi- noch aus der Wessi-Perspektive schreibt. „Ich wollte die Geschichte so objektiv und unpolemisch wie möglich nachzeichnen. Gut und Böse sollte es nicht geben.“ Sie glaubt aber, dass ihre Serie in Deutschland nicht jedem gefallen wird. „Hier wird Geschichte sehr ernst genommen.“

Von Isabel Christian

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