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Kultur Movimentos-Festwochen starten in Wolfsburg
Nachrichten Kultur Movimentos-Festwochen starten in Wolfsburg
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13:03 08.04.2013
Von Stefan Arndt
Foto: Dekorativ – und was noch? Tänzer der Kibbutz Contemporary Dance Company in Wolfsburg.
Dekorativ – und was noch? Tänzer der Kibbutz Contemporary Dance Company in Wolfsburg. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Das Rezept ist nicht ganz neu, doch es ist ungebrochen faszinierend. Schon die schwimmende Brücke, die das historische Kraftwerk auf dem VW-Werksgelände mit der Autostadt verbindet, ist ein kleines Ereignis. Dann der Raum selber: eine Kathedrale der Industriekultur. Und schließlich das, was es hier bei Movimentos, den Festwochen der Autostadt, vor allem zu sehen gibt: kraftvolles Tanztheater mit Menschen, die mehr Energie ausstrahlen als jeder Automotor. Alles zusammen ist so überzeugend und längst eine so fest etablierte Marke, dass es vielleicht schon ein bisschen egal ist, was genau gezeigt wird.

Die Kibbutz Contemporary Dance Company etwa, die das Festival in diesem Jahr eröffnet hat, hat bei Movimentos schon zweimal bewiesen, dass sie zu den besten Ensembles der Welt gehört. Auch bei der Deutschlandpremiere der neuen Produktion „If At All“ konnte man sich nun von der immensen Qualität der Tänzer überzeugen. Ganz so schlüssig wie andere Produktionen, in denen Choreograf Rami Be’er etwa die Innenwelt von traumatisierten Soldaten auf die Bühne gebracht hat, ist das neue Stück allerdings nicht. Auf eine Handlung oder inhaltliche Vorgabe hat Be’er diesmal verzichtet. Die Bühne ist leer bis auf einen Scheinwerfer, der sanftes Licht ins Publikum wirft und ein Vollmond sein könnte, aber eben auch nur ein Scheinwerfer. Davor wird allein, zu zweit oder im Ensemble geliebt, gelebt, gekämpft und gelitten.

Aus dem Dunkel des Beginns, in dem sich zunächst eine einzelne Figur windet, die die Grenzen zwischen den Geschlechtern noch in der Schwebe hält, entwickelt sich ein immer helleres, fast frühlingshaftes Treiben. Unterstützt wird das vor allem von Licht und Musik, die eher Stimmung verbreiten als echte Atmosphäre, und den Abend manchmal  gefährlich dekorativ erscheinen lassen. Am Ende sind es eher die erstaunliche Individualität und das Ausdrucksvermögen jedes einzelnen Tänzers, die den poetisch offenen Abend vor der Beliebigkeit bewahren. So ist der heftig bejubelte Auftakt ein Appetitanreger auf das, was kommt: Vom 11. bis zum 13. April ist die Compagnie Jant-Bi Jigeen aus dem Senegal zu Gast in Wolfsburg, danach folgen Ensembles aus Brasilien (16. bis 19. April), Frankreich (22. bis 24. April) und Irland (26. bis 28. April).

Karten und vollständiges Programm: (08 00) 2 88 67 82 38 oder unter: www.movimentos.de

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