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Kultur Weshalb die Maschpark-Oper so besonders ist
Nachrichten Kultur Weshalb die Maschpark-Oper so besonders ist
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00:16 24.07.2017
Marlis Fertmann ist federführend bei der Organisation des Klassik-Open-Airs im Maschpark. Quelle: Schaarschmidt
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Frau Fertmann, Sie haben das NDR Klassik-Open-Air vor drei Jahren mit aus der Taufe gehoben. Was ist für Sie das Besondere an der Oper im Maschpark?

Auf der einen Seite ist es die Größe der Veranstaltung: Ich habe das Gefühl, die Oper ist ein Geschenk, das sehr viele Leute annehmen. Ich höre hinterher oft von Hannoveranern, die ganz beseelt sind von dem Ereignis. Eine alte Frau, die nicht mehr die Wohnung verlassen kann, hat auf dem Balkon gesessen und zugehört und geschrieben, wie berührend das für sie war. Wenn man solche Gefühle bei anderen wecken kann, ist das etwas sehr Schönes. Auf der anderen Seite ist Oper eine Kunstform, die die Gefühle eines ganzen Lebens zum Klingen bringen kann. Es sind schöne Dinge dabei, es gibt dramatische Sachen. Manchmal hat man Gänsehaut. Für mich ist es ein Geschenk, dass es so etwas wie die Oper gibt.

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Heute ist der große Tag für Verdis „Rigoletto“. Sind Sie von den Vorbereitungen erledigt, oder können Sie sich noch darauf freuen?

Die Woche vor der Aufführung ist für mich immer die schönste Woche des ganzen Jahres. Es beginnt mit der Übergabe der Bühne, dann kommen die Stühle, die Ü-Wagen aus Hamburg, die Solisten treffen ein. Irgendwann ist dann die ganze Familie zusammen – wunderbar! Die Vorbereitungen waren sehr intensiv, sind aber nahezu geräuschlos gelaufen. Es lief wie am Schnürchen. Alle Leute sind mit großer Freude und Leichtigkeit dabei.

Zur Person

Marlis Fertmann ist 1955 in Lemgo geboren und war 20 Jahre Fernsehchefin beim NDR in Hannover, zuletzt auch stellvertretende Leiterin des Landesfunkhauses Niedersachsen. Sie ist federführend bei der Organisation des Klassik-Open-Airs im Maschpark, das heute Abend mit „Rigoletto“ in die vierte Runde geht. arn

Wenn Sie als Fernsehchefin auf die Oper blicken: Glauben Sie, dass das überhaupt eine geeignete Kunstform für das Fernsehen ist?

Das denke ich schon. Ich habe aber beobachtet, dass viele Opernübertragungen deshalb nicht funktionieren, weil sie nicht berücksichtigen, wie Fernsehen funktioniert. Man kann nicht einfach den Guckkasten der Bühne abfilmen. Für mich liegt das Erfolgsrezept der Opernübertragung aus Hannover darin, dass die Kameras etwas erzählen. Wir können dem Zuschauer zu Hause das Gefühl geben, dass dort etwas passiert: Der Chor, der mitten im Publikum ist, Protagonisten, die nicht einfach auf- und abtreten, sondern zum Beispiel aus dem Rathaus heraus auf die Bühne gehen. Das hat schon etwas vom Brechtschen Theater. Wir wollen den Zuschauer nicht außen vor lassen, sondern ihn mit in die Handlung hineinnehmen.

Lässt sich der Unterschied der Übertragungsformen in Zuschauerzahlen messen? Haben mehr Menschen das hannoversche Klassik-Open-Air im Fernsehen gesehen als etwa eine Aufführung der Salzburger Festspiele?

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Was Sie zu "Rigoletto" im Maschpark am Sonnabend wissen müssen.

Auf jeden Fall, die Marktanteile lagen sogar über den durchschnittlichen Anteilen des NDR-Fernsehens. Wir haben bundesweit mit einer Übertragung mehr als eine halbe Million Menschen erreicht. Dazu kommt noch die Übertragung im Internet. Da haben wir insgesamt Zahlen gehabt, die vergleichbar sind mit der Berichterstattung zum Tod des populären Pferdeflüsterers Tamme Hanken. Das ist wirklich unfassbar viel.

Wie erklären Sie sich das?

Das Geheimnis ist, dass wir mit der Oper zu den Menschen gehen. Es gibt offenbar große Schwellenängste bei Menschen, die nicht gewohnt sind, in die Oper zu gehen. Sie finden die Musik schön, aber sie wollen einfach nicht den Schritt ins Opernhaus gehen, weil ihnen das vielleicht elitär oder langweilig erscheint.

Macht dieses Konzept auch schon außerhalb Hannovers Schule?

Davon habe ich bis jetzt nichts gehört. Ich bekomme aber Rückmeldungen von den Solisten, die viele positive Reaktionen erhalten, wenn sie erzählen, dass sie in Hannover dabei sind. In der Opernwelt hat das Klassik-Open-Air inzwischen einen guten Ruf: Es ist eine Großveranstaltung mit sehr hoher Qualität. Das gibt es sonst nicht sehr oft.

Die Aufführung heute ist Ihr letzter Arbeitstag beim NDR, bevor Sie in den Ruhestand gehen. Was bedeutet das für künftige Ausgaben des Klassik-Open-Airs?

Das wird weitergehen. Der NDR hat mich gefragt, ob ich das weitermachen würde, was ich auch sehr gerne tue – zumindest im nächsten und übernächsten Jahr.

Was wird dann auf dem Programm stehen?

Wenn wir Glück haben, wird es im kommenden Jahr eine Oper mit Andrew Manze geben, dem Chefdirigenten der Radiophilharmonie. Aber die genauen Absprachen werden wir erst nach dieser Aufführung treffen. Fest steht aber schon der Zeitpunkt: Wir spielen 2018 nach den Sommerferien.

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